Pflege kontrolliert Leeraner Pflegeheim wurde wieder unter die Lupe genommen
Ein Leeraner Pflegeheim stand 2024 wegen Mängeln in der Pflege in der Kritik. Mittlerweile gibt es einen neuen Betreiber. Die Pflege wurde erneut unter die Lupe genommen – mit positiven Ergebnissen.
Leer - Wer auf der Großen Roßbergstraße entlangfährt oder auf der Bahnstrecke in Richtung Emden unterwegs ist, sieht das große Gebäude in der Nähe der Christine-Charlotten-Straße. Die unteren Stockwerke sind überwiegend verklinkert. Das oberste Stockwerk ist in grau gehalten. „Seniorenresidenz An der alten Molkerei“ steht auf einem großen Schild. Seit Anfang des Jahres heißt das Pflegeheim so, nachdem das Unternehmen Newcare die Einrichtung verkauft hatte. Im vergangenen Jahr waren dort erhebliche Mängel in der Pflege festgestellt worden. Im April waren der Medizinische Dienst Niedersachsen (MDN) sowie die Heimaufsicht des Landkreises Leer nun erneut vor Ort, um die Situation unter die Lupe zu nehmen. Die Ergebnisse fallen deutlich positiver aus.
Wie Landkreis-Sprecher Philipp Koenen auf Anfrage mitteilt, habe die Prüfung des MDN am 2. und 3. April 2025 stattgefunden. „Am ersten Tag der Prüfung haben die Heimaufsicht und der zuständige Hygienekontrolleur eine Begehung der gesamten Einrichtung ohne nennenswerte Beanstandungen durchgeführt“, schreibt er.
Deutlich bessere Ergebnisse
Die Ergebnisse sind online – unter anderem unter www.pflege-navigator.de – abrufbar. Waren bei der Überprüfung im Juni 2024 in den Rubriken „Unterstützung im Bereich der Mobilität“ und „Unterstützung bei der Körperpflege“ noch schwerwiegende Qualitätsdefizite (die schlechteste Bewertung) festgestellt worden, werden jetzt keine oder geringe Qualitätsdefizite beschieden. Bei allen Patientinnen und Patienten der Stichprobe hat es laut MDN dabei keine Auffälligkeiten oder Defizite gegeben.
Erhebliche Qualitätsdefizite, die zweitniedrigste Stufe von vier, gab es im vergangenen Jahr bei „Unterstützung beim Essen und Trinken“, „Unterstützung bei Kontinenzverlust, Kontinenzförderung“, „Unterstützung bei der Medikamenteneinnahme“, „Schmerzmanagement“ und „Nächtliche Versorgung“. Auch in diesen Kategorien erreichte die Seniorenresidenz An der alten Molkerei fast überall die beste Einstufung.
Eine schlechte Bewertung
In der gesamten Überprüfung wurden lediglich bei der Unterstützung bei der Medikamenteneinnahme laut MDN erhebliche Qualitätsdefizite festgestellt. In der Stichprobe gab es bei vier Bewohnerinnen und Bewohnern keine Defizite, allerdings hat es laut der Bewertung in zwei Fällen Defizite mit eingetretenen negativen Folgen für die Bewohnerinnen und Bewohner gegeben. Insgesamt lässt sich aber feststellen, dass der MDN die Einrichtung deutlich besser bewertet, als noch im vergangenen Jahr.
„Wir freuen uns, dass die jüngste Qualitätsprüfung durch den Medizinischen Dienst ein deutlich verbessertes Ergebnis für unser Haus bestätigt hat“, teilt Einrichtungsleiterin Ria Hawighorst auf Anfrage dieser Zeitung mit. „Diese Rückmeldung sehen wir als Anerkennung für die intensive Arbeit, die unser gesamtes Team in den vergangenen Monaten geleistet hat.“ Nach der letzten Prüfung im vergangenen Jahr habe man eine umfassende interne Analyse durchgeführt und gezielt Maßnahmen umgesetzt, um die Pflege- und Betreuungsqualität zu verbessern.
Austausch mit Bewohnerinnen und Angehörigen sei intensiviert worden
Dazu zählen laut Hawighorst unter anderem strukturelle Verbesserungen in den Pflegeprozessen, insbesondere bei der Dokumentation und der individuellen Pflegeplanung. Außerdem sei das Team verstärkt und gezielt weitergebildet worden. „Wir konnten qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen und erfolgreich in bestehende Strukturen integrieren“, so Hawighorst. „Zudem verzichten wir vollständig auf den Einsatz von Zeitarbeitskräften, was sich positiv auf Kontinuität, Verlässlichkeit und das Miteinander im Haus auswirkt.“ Man habe „regelmäßige interne Qualitätszirkel“ eingeführt sowie externe Fachberatung hinzugezogen. Außerdem sei der direkte Austausch mit den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie deren Angehörigen intensiviert worden. „Wünsche, Sorgen und Anregungen fließen nun systematisch in unsere tägliche Arbeit ein“, betont die Einrichtungsleitung.
„Probephase mit einzelnen Neuaufnahmen“
Und wie hat sich die neue Eigentümerin, die ESG Living Company GmbH mit Sitz in Achim, auf die Einrichtung ausgewirkt? „Mit dem Wechsel Anfang des Jahres hat sich für uns eine stabile Grundlage ergeben, um Veränderungen dauerhaft umzusetzen“, teilt Ria Hawighorst mit. „Die neue Trägerstruktur unterstützt uns in der Weiterentwicklung der Einrichtung, unter anderem durch verbesserten fachlichen Austausch und eine Stärkung der Personalressourcen.“
Die verbesserten Ergebnisse bei der Überprüfung haben für das Pflegeheim positive Folgen. „Nach dem insgesamt guten Prüfergebnis befindet sich die Einrichtung aktuell in einer von der Heimaufsicht eng begleiteten Probephase mit einzelnen Neuaufnahmen“, teilt Landkreis-Sprecher Philipp Koenen mit. Das erreichte Niveau wolle man nicht nur halten, sondern weiter ausbauen, betont zudem die Einrichtungsleiterin. „Dazu setzen wir auf eine offene Fehlerkultur, regelmäßige Fortbildung und gelebte Teamverantwortung.“ Auch in der Zusammenarbeit mit Angehörigen und Bewohnervertretungen suche man bewusst den Dialog.