Verkehr Anwohner fordern bessere Radwege für Wiesmoor
Im Heimatcheck hat Wiesmoor bei den Bewohnern gut abgeschnitten. Aber es gab auch Kritik: Die Wiesmoorer wünschen sich mehr und bessere Radwege.
Wiesmoor - Bei der großen „Heimatcheck“-Umfrage im Frühjahr 2025 wurde die ostfriesische Bevölkerung nach den Stärken und Schwächen ihrer Städte und Gemeinden gefragt. Die Stadt Wiesmoor hat dabei überdurchschnittlich gut abgeschnitten. 305 Wiesmoorerinnen und Wiesmoorer nahmen an der Umfrage teil. Besonders gut bewertet wurden der Einzelhandel, die Sicherheit und die Rubrik Familie und Kinder. Aber es gab auch Kritik.
Am schlechtesten bewertet wurde die Situation des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) mit nur 5,03 von 10 Punkten. Nicht gut schnitt mit 5,47 Punkten auch der Verkehr in Wiesmoor ab – der zudem noch als einzige Rubrik in Wiesmoor unter dem ostfriesischen Umfragedurchschnitt lag.
Das ist der Heimatcheck
Der Heimatcheck Ostfriesland ist ein Gemeinschaftsprojekt ostfriesischer Verlage mit Unterstützung der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse und der EWE AG. Vom 4. bis 27. April 2025 waren alle Menschen in Ostfriesland aufgerufen, sich online an der großen Umfrage zu beteiligen. 15.335 haben mitgemacht. In 14 Kategorien ging es um Fragen zum Leben in den Städten und Gemeinden Ostfrieslands. Am Heimatcheck beteiligt sind die Ostfriesen-Zeitung, die Ostfriesischen Nachrichten, der General-Anzeiger, die Borkumer Zeitung, der Ostfriesische Kurier und die Norderneyer Badezeitung.
Viel Kritik an Radwegen und ÖPNV in Wiesmoor
Die kritischen Erläuterungen in den 87 Freitextantworten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigen, dass die Unzufriedenheit mit dem Verkehr sich offenbar im Wesentlichen auf den Radverkehr bezieht. Allein in elf Antworten werden mehr, bessere oder sicherere Radwege gefordert. In einer Antwort wird eine bessere Beleuchtung von Wegen gewünscht. In 14 Antworten wird Kritik am ÖPNV laut.
Beide Bereiche gelten als signifikante Stellschrauben für die Verkehrswende und einen zukunftsfähigen Umgang mit dem Klimawandel. Entsprechend wurde auch die Rubrik „Digitalisierung und Klima“ mit 6,02 Punkten eher schwach bewertet. „Viele Fahrradwege müssen erneuert werden, außerdem gibt es noch zu viele Straßen ohne Fahrradwege“, lautet ein Kommentar, „Noch mehr gute Fahrradwege und Sitzplätze an den Fahrradwegen“ ein anderer. Auch von mehr Sicherheit für Fußgänger am Wildbach ist die Rede.
Unzufriedenheit trotz Radverkehrskonzept
Besonders kritisch ist diese Rückmeldung: „Gut gepflasterte Fahrradwege. Es sollte doch für mehr Sicherheit für Fahrradfahrer gesorgt werden, immer wieder in der Diskussion … was passiert? Seit Jahren nichts, außer vor den Schulen?“ Der Text bezieht sich offenbar auf das Radverkehrskonzept, das ab 2020 durch das städtische Bauamt ausgearbeitet wurde. Die Analysen dazu, wie etwa die Bürgerumfrage „Wegedetektiv“, ergaben, dass es auf der Radweg-Ebene noch viel zu tun gibt in Wiesmoor. Die Umfrage endete im Januar 2022. Ihre Ergebnisse sind online auf den Seiten des Rathauses nachzulesen.
Die meisten Verbesserungswünsche für Radwege der 320 Teilnehmenden betreffen die Hauptstraße (B 436). Kritik gibt es etwa an einer mangelhaften Infrastruktur (Breite, Oberflächenbelag) und der Art der Radverkehrsführung sowie aufgrund von Konflikten mit dem Autoverkehr auf Straßen mit Mischverkehr. In einem Fragebogen aus dem Jahr 2021 gaben die meisten der Befragten an, dass sie sich eher nicht oder nicht ausreichend als Verkehrsteilnehmer akzeptiert fühlen, wie es in der Auswertung heißt. Daran scheint sich bis heute wenig geändert zu haben.
Wiesmoor ist bemüht, aber andere Projekte haben Vorrang
Die Stadt hingegen betont, dass man bemüht sei, die Radweg-Situation zu verbessern. „Wir haben mehrere Projekte, die gerade laufen“, sagt auf Nachfrage dazu Heidrun Engelbrecht vom Bauamt, das für das Radverkehrskonzept zuständig ist. Zum Beispiel befinde sich derzeit eine Baustelle in der Schulstraße im zweiten Bauabschnitt. Es werde auch eine Querungshilfe für die Schulkinder eingerichtet. „Das hat gerade erste Priorität“, so Engelbrecht.
2024 sei zudem in der Azaleenstraße der Geh- und Radweg erneuert worden, nennt sie als weiteres Beispiel. Nicht alle Straßen liegen im Entscheidungsbereich der Kommunen. Bundesstraßen seien Sache des Bundes, Landesstraßen wie die Oldenburger oder Wittmunder Straße Sache des Bundeslandes. „Wir versuchen, jedes Jahr mindestens einen Radweg in Wiesmoor zu sanieren“, so Engelbrecht. Das bedeute immer auch, dass die Beleuchtung der Wege eingerichtet werde. „Die Fußgänger verlieren wir dabei nicht aus den Augen“, sagt Engelbrecht mit einem Hinweis auf Ältere und Kinder. Derzeit haben aber sogenannte Hochbauprojekte Priorität, sagt die Fachfrau im Amt. Dazu gehören Schulen, Kindergärten und auch das Hallenbad, erläutert sie. Auch mit der geplanten Pumptrack-Anlage auf dem Jugendplatz „Am Stadion“ sei das Amt beschäftigt.
Hauptstraße soll für den Radverkehr verbessert werden
Alle Radweg-Arbeiten werden am sogenannten Hauptroutennetz für den Alltagsradverkehr ausgerichtet, so Engelbrecht. Ziel ist es laut Radverkehrskonzept, ein geschlossenes Netz für den Radverkehr zu schaffen, das „attraktiv, zügig und sicher zu befahren ist.“ Passend zur Bürgerkritik sieht das Radverkehrskonzept auch in der Hauptstraße viel Raum für Verbesserung.
Im Wesentlichen werden die Radwege in der Analyse als sehr schmal wahrgenommen. Die Oberflächen seien mangelhaft, es fehle Komfort, heißt es. Eine mangelhafte Führungsform führe zu Unsicherheit und damit zu einem erhöhten Gefahrenpotenzial beim Radfahren, besonders auf der Hauptstraße.
Darüber, wie diese attraktiver für den Radverkehr gestaltet werden kann, solle auch mit den Gewerbetreibenden gesprochen werden, so Engelbrecht. Einen Termin dafür gebe es jedoch noch nicht.