Emder Rat hat entschieden  Der „revolutionäre Umbau“ der Innenstadt kann beginnen

| | 22.08.2025 16:12 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Natursteinpflaster, Klinkereinfassung und viel Platz für Radfahrende und Passanten: So soll die Neutorstraße bald aussehen. Grafiken: Stadt Emden
Natursteinpflaster, Klinkereinfassung und viel Platz für Radfahrende und Passanten: So soll die Neutorstraße bald aussehen. Grafiken: Stadt Emden
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Es soll der dritte große Wurf nach dem Wiederaufbau nach dem Krieg und einem Facelift in den 1980er Jahren werden. Der Rat hat den Weg für die umfassende Neugestaltung in Emden freigemacht.

Emden - Jetzt ist es beschlossene Sache: Die Stadt kann mit der Ausführungsplanung beginnen, die Ausschreibungen sollen im Herbst raus, im April 2026 wird der erste Spatenstich beim Umbau der Innenstadt-Achse Neutorstraße, Hafenkopf, Stadtgarten und Delftpromenade erwartet. Schon im September können die Stadtwerke mit der Verlegung von Leitungen beginnen. Der Rat beschloss am Donnerstagabend mehrheitlich bei nur zwei Enthaltungen und einer Nein-Stimme die Pläne, die schon jetzt als „historisch“ gelten.

Große Mehrheit: Fast alle Ratsmitglieder stimmten für den großen Umbau der Innenstadt. Foto: Stephanie Schuurman
Große Mehrheit: Fast alle Ratsmitglieder stimmten für den großen Umbau der Innenstadt. Foto: Stephanie Schuurman

Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) hatte vor der Abstimmung in einer flammenden Rede nochmals für das Millionenprojekt geworben. Es erfolge ein revolutionärer Umbau, der dritte nach dem Krieg mit dem Wiederaufbau der Innenstadt und einem Facelift in den 1980er Jahren.

Mehr als eine Einkaufsstadt

Und dieser Umbau sei nötig. Ohnehin hätten es die Straßen „hinter sich“. Sie müssten dringend saniert werden. Emden nutze jetzt die „historische Gelegenheit“, entsprechend der veränderten Anforderungen und Ansprüche an eine lebendige Innenstadt gleich alles umzubauen. Eine City sei eben inzwischen mehr als eine Einkaufsstadt, müsse Kulturraum mit Erlebnischarakter sein und „nicht nur Einkaufsfläche“. „Aber wir müssen auch den Rahmen schaffen für schöne Geschäfte.“

In der Neutorstraße haben die Terrassen aus dem Verkehrsversuch bald ausgedient: Baustart ist im April 2026. Foto: Klaus Ortgies
In der Neutorstraße haben die Terrassen aus dem Verkehrsversuch bald ausgedient: Baustart ist im April 2026. Foto: Klaus Ortgies

Grundsätzlich gelte: Der Kern der Innenstadt müsse den Menschen vorbehalten sein, barrierefrei, Autos sollen möglichst raus. Bäume sollen die Stadt klimaresilient machen, so Kruithoff. „Und die Stadt, die wir jetzt bauen, soll enkeltauglich sein.“

Kritik und Zustimmung

Im Hinblick auf den vor der Abstimmung erfolgten Protesten von Anliegern des Faldern-Viertels reagierte Kruithoff auch in seiner Rede. Die Kritik sei berechtigt, sagte er. Es werde an langfristigen Lösungen gearbeitet. Dennoch: Die Innenstadt sei das „Herz einer Stadt“, von ihrer Attraktivität hänge die Strahlkraft einer Stadt ab. Es gehe um mehr, als nach alten Gewohnheiten Straßen benutzen zu können (im Hinblick auf die relativ junge Einbahnregelung der Neutorstraße). Und auch dafür gab es zustimmenden Applaus aus dem Publikum.

Flanieren am Delft: Nur noch Bäume und Staudenbeete sollen Straße und Wasserzugang begrenzen.
Flanieren am Delft: Nur noch Bäume und Staudenbeete sollen Straße und Wasserzugang begrenzen.
So wird es einmal am Delft aussehen.
So wird es einmal am Delft aussehen.

Die bevorstehende große Veränderung wird in den Skizzen deutlich, die Stadtbaurätin Irina Krantz erläuterte. Der erste Bauabschnitt beginnt in der Neutorstraße. Sie bleibt Einbahnstraße in Fahrtrichtung altes Rathaus und wird im Bereich ab Agterum zum verkehrsberuhigten Bereich. Die gemeinsame Fahrbahn für Autos und Radfahrer ist verengt und gibt Raum für Sitzmöglichkeiten und Bäume. Die Osterstraße wird gesperrt, damit Passanten künftig vor Abbiegern geschützt sind. Die Überdachung aus den 80ern wird gegen eine moderne Variante ersetzt. Für die Straßen- und Gehwege sind durch Bürgerbeteiligung ausgewählte Pflastersteine, Holzauflagen für Sitzmöbel und Fahrradbügel bestimmt worden.

Nach historischem Vorbild

Die Planungen für die nächsten beiden Hauptabschnitte haben sich an historischen Aufnahmen orientiert, wie Krantz betonte. Rathausplatz, Hafenkopf und Stadtgarten werden demnach in moderner Variante wie einst hergerichtet. Heißt: alles wird auch barrierefrei umgebaut, etwa mit Rampen neben der Delfttreppe. Die Balustrade etwa wird dafür in den damaligen Zustand nach oben versetzt. Und entlang der Straße am Delft wird es im letzten Bauabschnitt viel mehr Zugänge zum Wasser geben, als bisher. Der Hafentorsplatz kommt neu, für die Strandbar soll es ein Sandplatz an anderer Stelle geben, damit der Zugang zum Wasser auch außerhalb der Saison möglich ist. „Es gibt schließlich auch schöne Sonnentage im März“, sagte Krantz.

Historisches Vorbild: die Balustrade am Hafenkopf. Sie wird wieder ähnlich hochgesetzt. Direkt neben der Treppe soll mit Rampen der Zugang für Gehbehinderte geschaffen werden.
Historisches Vorbild: die Balustrade am Hafenkopf. Sie wird wieder ähnlich hochgesetzt. Direkt neben der Treppe soll mit Rampen der Zugang für Gehbehinderte geschaffen werden.
Der Stadtgarten in Anlehnung an den historischen Ursprung.
Der Stadtgarten in Anlehnung an den historischen Ursprung.
Der neue Hafentorsplatz: Es wird mehr Ebenen zum Wasser geben. Außerdem ein Steg für kleine Boote.
Der neue Hafentorsplatz: Es wird mehr Ebenen zum Wasser geben. Außerdem ein Steg für kleine Boote.

Auch deutlich mehr Bäume und Pflanzen sind eingeplant. „Wir wollen Stauden und weg von der jährlichen Saisonbepflanzung“, sagte Krantz. Die Straße am Delft wird dann ebenfalls zur Einbahnstraße für Autos Richtung Ringstraße, während der Busverkehr weiterhin in beiden Richtungen fahren soll.

Lange Bauzeit

Der gesamte Umbau soll 2030/31 abgeschlossen sein. Man werde mit Rücksicht auf die Großveranstaltungen in der Stadt darauf achten, dass nicht parallel beide großen Plätze im Bau sind, sagte Krantz. Außerdem soll geschaut werden, wo und wie man die anliegenden Gastronomen während der langen Bauzeit unterstützen kann.






Und die Kosten? Die werden aktuell auf 13,8 Millionen Euro kalkuliert plus eine bis zwei Millionen Euro für ergänzende Maßnahmen – etwa zum Terrorschutz. Zwei Drittel der Kosten werden aus Fördergeldern beglichen. Deshalb betonte auch Kruithoff nochmals die „einmalige Gelegenheit“ für die große Transformation der Innenstadt. „Viele andere Städte hätten gerne diese Chance.“

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