Ausflug in die Geschichte  Als in Greetsiel noch eine mächtige Burg stand

| | 04.09.2025 15:53 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bis zum Jahr 1777 stand diese imposante Burg im Fischerdorf Greetsiel. Foto: privat
Bis zum Jahr 1777 stand diese imposante Burg im Fischerdorf Greetsiel. Foto: privat
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Wo einst eine bedeutsame Burg stand, erinnert heute kaum etwas an die Vergangenheit. Jetzt soll Greetsiel durch ein neues Projekt seine Burg wiederbekommen.

Greetsiel - Mehr als 300 Jahre lang stand eine mächtige Häuptlingsburg im Herzen von Greetsiel. Im Jahr 1777 wurde sie abgerissen, heute ist ihre Existenz im Ort kaum noch sichtbar. Das soll sich aber bald ändern: Ein Bronzerelief soll die Burg sichtbar und auch ertastbar machen.

„Die Nordwestseite des alten Schlosses in Greetsiel“ steht auf dieser Skizze geschrieben. Die Burg war, wie es sich gehörte, von einem Wassergraben umgeben. Foto: privat
„Die Nordwestseite des alten Schlosses in Greetsiel“ steht auf dieser Skizze geschrieben. Die Burg war, wie es sich gehörte, von einem Wassergraben umgeben. Foto: privat

Auf die Idee kam Detlef Meyer-Rongelraths, der seit Kurzem als Gästeführer bei der Touristik GmbH Krummhörn-Greetsiel tätig ist. Bei einer Schulung mit weiteren Gästeführern sei es unter anderem um die Frage gegangen, wie denn Objekte im Ort wahrgenommen werden. Er dachte an das kleine, oft übersehene Schild am Markt von Greetsiel, welches über die einstige Burg mitten im Ort informiert. „Wie wird das denn wahrgenommen? Eigentlich gar nicht“, erklärt er seinen Denkprozess damals. Dabei sei Greetsiels Burggeschichte so ein spannendes Thema. Mit einem Bronzemodell, wie es zum Beispiel in Emden am Hafentor steht, oder auch dem Dorfmodell in Manslagt, könne man die Existenz der Burg attraktiv veranschaulichen. Auch Doris Voss, Kopf der Gästeführerinnen und Gästeführer, sei sofort von der Idee begeistert gewesen.

Dieses Schild ist aktuell der einzige Hinweis auf die Burg in Greetsiel. Das soll sich bald ändern. Foto: Heinz Wagenaar
Dieses Schild ist aktuell der einzige Hinweis auf die Burg in Greetsiel. Das soll sich bald ändern. Foto: Heinz Wagenaar

Burg-Relief in der Sielstraße: Geschichte für alle zugänglich

Das bisherige kleine Hinweisschild am von Fahrrädern zugestellten Marktplatz sei für Menschen mit körperlichen Einschränkungen kaum oder gar nicht erreichbar. Darum soll das Relief nicht, wie das Schild bisher, am Marktplatz aufgebaut werden – stattdessen auf der anderen Seite des Außentiefs in der Sielstraße, wo sich auch das Hotel und Restaurant Hohes Haus befindet. „Damit man von dort genau auf den früheren Standort der Burg blicken kann“, erklärt Meyer-Rongelraths.

Blick vom Hohen Haus in der Sielstraße auf das Greetsieler Außentief. Hier, zwischen dem Otto-Turm-Mülleimer und der elektronischen Anzeigetafel, soll das Burgrelief stehen. Foto: Heinz Wagenaar
Blick vom Hohen Haus in der Sielstraße auf das Greetsieler Außentief. Hier, zwischen dem Otto-Turm-Mülleimer und der elektronischen Anzeigetafel, soll das Burgrelief stehen. Foto: Heinz Wagenaar

Die Burg stand einst in der Nähe des noch existierenden Schatthauses, in dem sich heute das Hotel Garni Schatthaus befindet. Schaut man von dort schräg gegenüber auf den Parkplatz hinter den Restaurants am Markt, erkennt man noch immer eine Senke im Boden – dort befand sich vor knapp 250 Jahren die Burg.

Hier stand die Burg. Wer genau hinsieht, kann auch noch immer die entsprechende Senke im Boden erkennen. Foto: Heinz Wagenaar
Hier stand die Burg. Wer genau hinsieht, kann auch noch immer die entsprechende Senke im Boden erkennen. Foto: Heinz Wagenaar

Geburtsstätte eines Grafen: Die Burg und ihre berühmten Bewohner

Entstanden ist ein erster Bau den Aufzeichnungen zufolge bereits zwischen 1362 und 1388. Damals konnte man allerdings noch nicht von einer Burg sprechen. Vielmehr handelte es sich um ein für Ostfriesland so typisches Steinhaus. Erbaut in ihrer späteren Form als Vierflügelanlage samt Wehrturm wurde die Burg circa 1457, weiß Meyer-Rongelraths. Damals gewannen ihre Bewohner, die Häuptlingsfamilie Cirksena, immer mehr an Wichtigkeit und das sollte sich auch in der Burg widerspiegeln. Edzard der Große, bedeutender Graf von Ostfriesland, wurde 1462 auf der Burg geboren.

Heute ein Parkplatz, früher eine Burg: An dieser Stelle in Greetsiel stand einst die Cirksenaburg. Foto: Heinz Wagenaar
Heute ein Parkplatz, früher eine Burg: An dieser Stelle in Greetsiel stand einst die Cirksenaburg. Foto: Heinz Wagenaar

Die Burg hatte laut Überlieferungen einen Durchmesser von fast 32 Metern und war außerdem knapp zehn Meter hoch. Und natürlich hatte sie einen richtigen Burggraben, der 25 Meter breit und stellenweise sogar über sechs Meter tief war. Um zur Burg zu gelangen, musste man eine Holzbrücke nutzen. Viele dieser Charakteristiken kann man auch noch gut auf alten überlieferten Skizzen der Burg erkennen.

Die alte Zeichnung zeigt den früheren Standort der Burg (mittig im Bild) – hinter dem Markt, wo sich heute viele Restaurants befinden. Foto: privat
Die alte Zeichnung zeigt den früheren Standort der Burg (mittig im Bild) – hinter dem Markt, wo sich heute viele Restaurants befinden. Foto: privat

Vom Herrschaftssitz zum Gefängnis: Das Schicksal der Cirksenaburg

Einige Hundert Jahre thronte die Cirksenaburg daraufhin über Greetsiel. Im Jahr 1744 starb dann aber der letzte Graf der Cirksenas, Carl Edzard. Er hatte die Grafschaft Ostfriesland seit 1734 regiert. Carl Edzard hinterließ nach seinem Tod keine männlichen Nachfahren, das ostfriesische Grafenhaus starb damit aus.

Im selben Jahr nahmen die Preußen unter Friedrich dem Großen das Land in Besitz. Die Burg stand seitdem leer und wurde gelegentlich als Gefängnis genutzt. Schließlich wurde die einst bedeutsame Häuptlingsburg im Jahr 1777 auf Abbruch verkauft. „Man konnte die Steine erwerben, um sein eigenes Haus zu bauen, also steinreich werden“, so Meyer-Rongelraths.

Das Schild am Markt von Greetsiel werde oft von Fahrrädern zugestellt, so Detlef Meyer-Rongelraths. Nur wenigen Besuchern falle es darum auf. Foto: Heinz Wagenaar
Das Schild am Markt von Greetsiel werde oft von Fahrrädern zugestellt, so Detlef Meyer-Rongelraths. Nur wenigen Besuchern falle es darum auf. Foto: Heinz Wagenaar

Bronzerelief bringt Greetsiels Geschichte zum Anfassen

Die Geschichte der Burg soll mit dem Bronzerelief verewigt werden. Das Modell soll dabei nicht nur die Burg selbst in ihrer damaligen Größe zeigen, sondern auch das Dorf. „Damit man sieht, wie die Burg im Dorf integriert war“, sagt Meyer-Rongelraths.

Etwa 35.000 Euro wird das Bronzerelief nach ersten Schätzungen kosten. Aber noch stehe man ganz am Anfang der Planung. Der nächste Schritt sei es dann erst einmal, Förderanträge bei Sponsoren aus der Region zu stellen. Da gebe es jetzt schon viele positive Rückmeldungen, so der Gästeführer.

Das Relief soll übrigens von einem Künstler erstellt werden, der in Greetsiel kein Unbekannter ist. Der Maler und Bildhauer Hans-Christian Petersen fertigte auch schon die Skulptur des Netzflickers am Greetsieler Hafen an.

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