Nazi-Gräueltaten Wie geht Weener mit Kriegsverbrecher Jakobus Onnen um?
Auf dem Ehrenmal der Weltkriegsopfer in Weener steht auch der Name von Jakobus Onnen. Nachdem der Tichelwarfer als Kriegsverbrecher identifiziert wurde, könnte nun aus dem Ehrenmal ein Mahnmal werden.
Weener - Das Ehrenmal vor dem Heimatmuseum in Weener erinnert an die Opfer der beiden Weltkriege und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Auf der Tafel steht aber auch der Name eines Täters. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) konnte der 1906 in Tichelwarf geborene Jakobus Onnen auf einem der wohl bekanntesten Fotodokumente über die Gräueltaten der SS als Todesschütze identifiziert werden. Das haben der Historiker Jürgen Matthäus und ein Rechercheteam ans Licht gebracht. Die Enthüllung hat in Weener hohe Wellen geschlagen. Was soll nun mit Onnens Namen auf dem Ehrenmal passieren – vor allem mit Blick auf die Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Pogromnacht von 1938 am Sonntag, 9. November 2025, vor der neu eröffneten Gedenkstätte für jüdisches Leben in Weener?
Nachdem in der Online-Ausgabe des „Spiegels“ ein Bericht über die erschreckende Enthüllung erschienen war, hatte Bürgermeister Heiko Abbas angekündigt, dass man sich in Weener kritisch mit der Person Jakobus Onnen als Kriegsverbrecher und SS-Mitglied auseinandersetzen werde. „Wichtig ist es, eine Lösung zu finden, die das Thema weder unter den Teppich kehrt, noch einen Schlussstrich unter die Sache zieht“, sagt Abbas.
Fall soll in Ausstellung thematisiert werden
Der Bürgermeister von Weener findet es wichtig, eine informative Form der Aufarbeitung sicherzustellen. „Eine Darstellung der Täter innerhalb unserer Ausstellung findet anhand der Taten, welche die Opfer betreffen, ja ohnehin statt“, so Abbas, „es scheint mir aber eine gute Idee zu sein, diesen speziellen Fall ebenfalls in einen Zusammenhang mit unserer Ausstellung zu bringen.“ Weener sei eben nicht nur eine Stadt, in der Opfer gelebt haben, sondern eben auch Täter.
Kurt Plagge vom Arbeitskreis Synagogenbrand hat einen klaren Standpunkt. „Das Ehrenmal kann nicht so bleiben wie es ist“, steht für ihn fest. In seinen Augen reiche es nicht, den Namen zu überkleben. „Ich finde es wichtig, dass es einen Hinweis und eine Einordnung gibt.“ Denn es sei davon auszugehen, dass viele der auf den Ehrenmalen genannten Opfer auch Täter gewesen sein könnten, aber nie wie im Fall Onnen identifiziert werden können.“
Was sagt die Politik?
Johannes Mörtel von den Grünen ist derselben Ansicht: „Man sollte den Namen nicht löschen, sondern auf einer Info-Tafel auch auf bekannte Fälle eingehen.“ Er wünscht sich, dass auch thematisiert werde, wie Menschen zu Mittätern werden. Solche Info-Tafeln könnten nicht nur vor dem Ehrenmal beim Heimatmuseum, sondern auch an anderen Gedenksteinen zu Ehren der Opfer der beiden Weltkriege aufgestellt werden.
„Die Enthüllung von Jakobus Onnen als Kriegsverbrecher hat uns alle schockiert und fassungslos gemacht“, sagt Helmut Geuken, Chef der SPD-Stadtratsfraktion, „es steht für uns außer Frage, dass sein Name auf einem Ehrendenkmal keinen Platz haben darf.“ Eine Möglichkeit sei aus seiner Sicht die vollständige Entfernung des Namens vom Ehrendenkmal und die Dokumentation der Gräueltaten in der neuen Begegnungsstätte in der Westerstraße. „Die Entfernung des Namens mit dem Hinweis auf eine Infotafel, wie beispielsweise in Völlen, wäre ebenfalls eine gute Möglichkeit“, sagt Geuken und spielt auf einen Fall in Westoverledingen an.
Westoverledinger Fall als Vorbild?
Dort war vor fünf Jahren ein ähnlicher Fall ans Licht gekommen. Es ging um den stellvertretenden SS-Kommandanten des Vernichtungslagers Sobibor in Polen, der aus Völlen kam. Johann Niemann war für die Ermordung von Juden, Sinti, Roma und Kriegsgefangenen mitverantwortlich und aktiv an Massenmorden beteiligt.
Auch in Westoverledingen gab es die Diskussion, wie man mit dem Denkmal umgeht, auf dem die Namen der Soldaten stehen, die im Ersten und im Zweiten Weltkrieg gefallen sind oder nach den beiden Weltkriegen als vermisst gelten. Darauf findet sich auch der Name Johann Niemann. In Westoverledingen hat man sich entschieden, aus dem Denkmal ein Mahnmal mit einer Infotafel zu machen. Der Name des Kriegsverbrechers ist mit einer Plexiglasscheibe überdeckt worden. In schwarzer Schrift ist darauf zu lesen „siehe Infotafel“.
Gedenkveranstaltung am 9. November
Für Sonntag, 9. November 2025, laden der Arbeitskreis Synagogenbrand und die Stadt Weener zur diesjährigen Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Pogromnacht von 1938 ein. Die Veranstaltung findet ab 18 Uhr vor der neuen Begegnungsstätte zum jüdischen Leben in Weener in der Westerstraße 32 statt. Nach einer Begrüßung durch Kurt Plagge werden Schüler der Oberschule Weener die Namen der Opfer verlesen. Im Anschluss ist eine Führung durch die Ausstellung mit Bürgermeister Heiko Abbas vorgesehen.