Ehejubiläum in Emden So hält man 60 Jahre Liebe am Leben
Die Wehmhörners in Emden sind vielen bekannt. Jetzt feiern Hans-Jürgen und Brigitte ihren 60. Hochzeitstag.
Emden - Eigentlich gehört diese Frage meistens an den Schluss. Die danach, wie man es denn schafft, es sechs Jahrzehnte miteinander gut auszuhalten. Doch weil es Brigitte (81) und Hans-Jürgen (83) Wehmhörner offensichtlich sogar geschafft haben, dabei sehr innig verbunden zu bleiben, kommt sie an dieser Stelle einfach mal an den Anfang.
Vielleicht auch, weil Brigitte für diese Innigkeit ausgerechnet von einer gewissen Distanz spricht, die in 60 Jahren Eheleben vonnöten sei. „Dem anderen seinen Freiraum lassen“ und „bloß nicht nur im Dunstkreis des Ehepartners mitschwimmen“, sagt sie. Nur so bleibe man flexibel und selbstständig, habe dem anderen auch immer etwas zu berichten, erklärt sie.
Aufforderung auf den letzten Drücker
Aber jetzt doch von vorn: Dass sich die beiden überhaupt kennengelernt haben, hing von einigen Zufällen ab. Hans-Jürgen absolvierte seinerzeit seinen Wehrdienst in Lüneburg. Dort war Brigittes Vater als Berufssoldat stationiert. Ohne Bundeswehr wären sie sich also eher nicht begegnet. Brigitte stammt aus Baden-Württemberg, Hans-Jürgens Familie aus Emden.
Dann also Lüneburg, genauer gesagt: Der Tanzschuppen Mönch‘s Garten. Hans-Jürgen stand an der Theke. Brigitte hatte ihn schon länger im Blick. Eigentlich könnte er sie ja mal auffordern, hatte sie sich gedacht. Undenkbar, das ihrerseits zu tun. Gehörte sich ja damals nicht als Frau. Doch Hans-Jürgen ließ auf sich warten. Erst, als sie eigentlich schon im Begriff war zu gehen, kam er auf sie zu und forderte sie zum Tanz. „Das wurde auch mal Zeit“, entgegnete sie seiner Aufforderung. Seitdem sind die beiden ein Paar.
Gut gewählter Hochzeitstermin
Weihnachten 1964 die Verlobung, am 5. November 1965 die Hochzeit zufällig in Delmenhorst, wohin ihr Vater inzwischen abgeordnet war. Das Datum dagegen ist kein Zufall, das hat sich Brigitte ausgesucht. Es ist der Geburtstag von Hans-Jürgen. Damit er niemals den Hochzeitstag vergisst. „Das habe ich auch noch nie“, beteuert Hans-Jürgen. Wie auch?
Hans-Jürgen Wehmhörner ist vielen Emdern sicher noch als Polizeichef bekannt, genauer gesagt: Chef der Kripo Emden, die seinerzeit noch eine Polizeiinspektion war. Bis zum Job des Polizeichefs hat es aber eine Weile gedauert. Nach der Bundeswehrzeit ging er zur Polizei, zog erst mit seiner Brigitte für relativ kurze Zeit nach Emden. Es folgten Stationen in Braunschweig, Hannover, Lingen. Die Sache mit der Distanz hat sich wegen vieler Lehrgänge so schon aus beruflichen Gründen ergeben.
Zwei Töchter und Familienarbeit
In Emden wird die erste Tochter 1968 geboren, die zweite folgt 1970 in Hannover. Beide machen in Lingen Abitur. Und 1990 geht es endgültig nach Emden zurück, wo der Erste Kriminalhauptkommissar die Kripo übernimmt. Brigitte macht ihr eigenes Ding. Die Hauswirtschaftsmeisterin heuert bei Holger Rodiek an und arbeitet für den Verein für Rettungsdienst, Krankentransport und soziale Hilfsdienste (RKSH) in der Familienpflege. Das hat ihr immer Spaß gemacht, sagt sie. Den kleinen Jungen, den sie zeitweise in einer Familie betreute, weil die Mutter an Multipler Sklerose erkrankt war, hat Brigitte vor gar nicht so langer Zeit wiedergesehen. Er war als Fotograf für Familienfotos angeheuert worden. Sein Erscheinen war für sie eine Riesenüberraschung, und eine schöne. In den Ruhestand gehen die Wehmhörners 2022 dann gemeinsam. Oder Unruhstand?
Jetzt kommt der sportliche Part der beiden, also der in Emden. Wer Hans-Jürgen Wehmhörner nicht mehr als Polizeichef kennengelernt hat, so doch vielleicht als Vorsitzenden des Stadtsportbundes Emden. Schon vor der Zeit in Emden waren die beiden sportlich unterwegs, spielten Tennis in Lingen. Wie Vereinsleben geht, wussten sie auch schon, waren schließlich sogar im Karnevalsverein Lingen aktiv. Hans-Jürgen Wehmhörner wurde dann aber die zunächst unrühmliche Aufgabe übertragen, den Vorsitz von Amisia Wolthusen zu übernehmen. Unrühmlich deshalb, so erzählt er heute, weil er den ungeliebten Platztausch für die Fußballer verkünden musste. Der Gründungsplatz sollte verkauft werden. Das passte erst mal nicht allen. Und als auch Brigitte beim Besuch eines Fußballspiels deshalb schief angesehen wurde, sagte sie: „Da kannst du ab jetzt allein hingehen.“ Brigitte schloss sich als Tennisspielerin erst einmal lieber den Frauen beim RSV an.
Stadtsportbund Stempel aufgedrückt
Heute sind aus allen Misstönen längst lustige Anekdoten geworden. Hans-Jürgen ist Ehrenvorsitzender des inzwischen zu Amisia Stern Wolthusen fusionierten Vereins. Und auch Ehrenvorsitzender des SSB. Den aktiven Jobpart des Gremiums hatte er knapp 20 Jahre lang inne und in dieser Zeit einiges mit auf die Beine gestellt. „Schutzmann fleißig“, sagt er rückblickend. Schließlich verfügt der Stadtsportbund Emden über ein 100.000-Euro-Jahresbudget, das er eigenständig an die ihm angeschlossenen Vereine für Projekte verteilen kann. „Das gibt es in Niedersachsen sonst nirgendwo“, sagt Hans-Jürgen Wehmhörner. „Wir haben es immer hinbekommen, mit einer Stimme zu sprechen.“
Einigkeit ist dann bei aller nötigen Distanz noch so eine Sache, die zum erfolgreichen Zusammenleben führt. Einig ist sich das Ehepaar Wehmhörner beispielsweise bei der Auswahl seiner Bücher. Beide lieben Krimis aus Skandinavien, nicht nur der Ex-Kripochef. Zusammen gehen die beiden weiter ihrem Sport nach, jetzt regelmäßig im Fitnessstudio. Und beide begeistern sich für Inselurlaube. So sehr, dass sie ihre diamantene Hochzeit auf Juist feiern. Dafür reist die weit verstreute Familie mit drei Enkelinnen, Nichten und Neffen aus Heidelberg, Trier und anderswo auch gleich für eine ganze Woche an. Nicht nur für den 60. Jahrestag, auch für den Geburtstag.