Nazi-Kriegsverbrecher Name auf Ehrenmal in Weener wird überklebt
Die Stadt Weener wird den Namen Jakobus Onnen vom Ehrenmal vor dem Heimatmuseum Weener abdecken. An anderer Stelle soll über das Thema aber noch umfassender informiert werden.
Weener - Die Enthüllung des Historikers Jürgen Matthäus um den gebürtigen Tichelwarfer Jakobus Onnen hat hohe Wellen geschlagen. Medien berichteten weltweit darüber, dass der Geschichtsforscher Onnen als Todesschütze auf einem der bekanntesten Bilddokumente des Holocaust identifizieren konnte. In Onnens Heimatstadt Weener wurde festgestellt, dass sich ausgerechnet der Name dieses nun überführten Kriegsverbrechers auf dem Ehrenmal für die Opfer von Krieg und Gewalt in der Neuen Straße befindet.
Die Fraktionen im Rat der Stadt Weener sowie die Arbeitskreise „Synagogenbrand“ und „Stolpersteine“ in Weener haben überlegt, wie sie mit dem Thema umgehen wollen. Nun steht die Lösung fest. „Statt den Namen einfach nur zu entfernen, ist einhellig beschlossen worden, den Namen mit einer Plakette zu überkleben“, teilt die Stadtverwaltung in einer Mitteilung mit.
Informationen in der Begegnungsstätte
Nach den Worten des Bürgermeisters Heiko Abbas befindet sich ein QR-Code mit dem Hinweis auf der Plakette, dass es weitere Informationen zu dem Namen in der Dauerausstellung über das jüdische Leben in Weener in der neuen Begegnungsstätte in der Westerstraße gibt. Laut Abbas soll dort bereits in der nächsten Woche eine Info-Tafel eingerichtet und die Plakette über dem Namen am Denkmal in der Neuen Straße angebracht werden.
„Wir finden, dass dies eine sehr gute Lösung ist. So können sich alle mit den schrecklichen Taten von Onnen und den Nazis auseinandersetzen“, wird Grünen-Ratsmitglied Lutz Drewniok in der Mitteilung zitiert. Er gehört wie Karin Mittwollen und Kurt Plagge den Arbeitskreisen an. „Wir machen damit deutlich, dass wir aktiv und transparent mit diesem Thema umgehen und auch nichts unter den Teppich kehren. Das ist gerade in der heutigen Zeit besonders wichtig“, wird SPD-Fraktionsvorsitzender Helmut Geuken in der Mitteilung zitiert.
Lösung wurde einstimmig gefunden
CDU-Fraktionschefin Hildegard Hinderks meint: „Wir haben gemeinsam und einstimmig nun eine wirklich gute Lösung in kurzer Zeit erarbeitet. Ich finde, das ist ein wirklich wichtiges Signal.“ So sieht es auch Jens Scheffer, Fraktionsvorsitzender der UWG: „Dass die Stadt Weener hier offen und transparent nach vorne geht und zur Aufarbeitung aufruft, ist ein gutes Zeichen und passt hervorragend zu unserer kürzlich eröffneten Begegnungsstätte in der Westerstraße.“
Was sowohl Fraktionsvertreter wie auch die Mitglieder der Arbeitskreise betonen, ist der Dank an Jürgen Matthäus. Ohne die Arbeit des Historikers wäre die Wahrheit um Jakobus Onnen nie ans Licht gekommen. „Jetzt haben wir die Chance, die Ereignisse richtig darzustellen“, meint Bürgermeister Abbas. „Damit kann das Unrecht nicht ungeschehen gemacht werden. Aber wir erinnern daran und setzen uns damit auseinander – das ist das Mindeste, was wir tun können und müssen.“
Für den kommenden Sonntag, 9. November 2025, laden der Arbeitskreis Synagogenbrand und die Stadt Weener zur diesjährigen Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Pogromnacht von 1938 ein. Die Veranstaltung findet ab 18 Uhr vor der neuen Begegnungsstätte in Weener in der Westerstraße 32 statt. Nach einer Begrüßung durch Kurt Plagge werden Schüler der Oberschule Weener die Namen der Opfer verlesen. Im Anschluss ist eine Führung durch die Ausstellung über jüdisches Leben in Weener mit Bürgermeister Heiko Abbas vorgesehen. Hier wird er auch auf den Fall Onnen eingehen.