Einzelhandel in Emden „Sesam“ zieht ins Sporthaus um
Ein Ladenleerstand an prominenter Stelle in Emden wird gefüllt. Und es kommt ein alter Bekannter.
Emden - Ein Laden-Leerstand an prominenter Stelle in der Emder Innenstadt wird bald beendet. „Sesam“ zieht aus der Brückstraße in das ehemalige Sporthaus Stadtgarten oder besser: direkt in die innerstädtische 1a-Lage nahe der Einkaufsmeile Zwischen beiden Sielen und dem Neuen Markt. Warum? Das erklären Anja (62) und Frank Schnorrenberg (63) als Inhaber-Paar so: „Der Laden hat uns einfach so angeflogen. Und wer uns kennt, weiß, dass wir immer gerne etwas Neues wagen.“
Wobei das mit dem „Wagen“ wohl eher Koketterie ist. Die Schnorrenbergs, besser bekannt als „das Sesam“, kennen ihr Konzept, wissen, was sie tun. Allerdings hätten sie nur eine Nacht über das Angebot des neuen Ladengeschäfts geschlafen und sich dann entschieden. So gesehen also doch mutig. „Andere gehen in unserem Alter in den Ruhestand, wir haben immer Lust auf Veränderung.“
Ostfrieslandweit bekannt
Aber das „Sesam“ ist tatsächlich kein Neuling im inhabergeführten Einzelhandel. Der Name ist sogar ostfrieslandweit bekannt. Es gab Filialen in Aurich, Leer und Emden. Schon 1979 wurde Sesam von einem Paar aus Nordhorn gegründet. Frank Schnorrenberg stieß 1983 ins Team in Aurich dazu und übernahm 1998 den Laden ganz, als zeitgleich die Filialen in Emden und Leer geschlossen wurden. In Emden gab es Sesam bis dahin in der Neutorstraße dort, wo neulich Musswessels seine Innenstadtfiliale eröffnet hat.
2017 gaben die Schnorrenbergs auch Aurich auf, zogen mit dem Gründerpaar aus Nordhorn und ihrem Foodtruck durch die Lande, boten Kaffeespezialitäten an. Dann wechselten die Schnorrenbergs in den Großhandel, lebten eine Weile im Landkreis Gifhorn. Dort vertrieben sie die Waren, die sie einst auch im Laden verkauften, besuchten Messen in Deutschland, Italien und Spanien. Sie knüpften Kontakte mit den Produzenten ihrer ausgesuchten Ware und bereiteten eigentlich längst den Boden dafür vor, nochmals in den stationären Handel zu gehen.
Emden mit viel Potenzial
Vor allem aber wollten sie 2020 wieder in ihre Heimatstadt Emden zurück. Erst wenn man eine Weile woanders gelebt hat, erkennt man, wie schön Emden eigentlich ist, sagte Anja Schnorrenberg seinerzeit. Und ihr Mann betonte, dass ihnen bei der überwiegenden Schreibtischarbeit im Groß- und Onlinehandel einfach der Kundenkontakt gefehlt habe. Beide sind überzeugt, dass Emden weiterhin viel Potenzial für den stationären Handel bietet. Und sie eröffneten Sesam im Februar 2020 nochmal neu in der Brückstraße dort, wo zuvor „FlicFlac“ als Institution galt.
75 Quadratmeter Fläche stehen derzeit im Ladengeschäft der Brückstraße zur Verfügung. Im ehemaligen Sporthaus Stadtgarten werden es zunächst 120 Quadratmeter sein, weil anfangs nur das Erdgeschoss genutzt werden soll. „Wir haben gegebenfalls auch Ideen für oben“, sagte Frank Schnorrenberg. „Aber wir starten erst mal unten.“ Von allem etwas mehr soll es geben. Heißt: Noch mehr Accessoires wie Tischdekoration, Geschirr und ausgewählte Mode aus allen möglichen europäischen Ländern. Bestimmt auch noch neue Angebote, vielleicht auch einmal für Männer, für die es bislang keine zum Stil des Ladenangebots passende Auswahl gab. Das Hauptaugenmerk soll auf Textilien und Feinkost bleiben. Auf jeden Fall werde es mehr Möglichkeiten geben, all die Ware zu präsentieren, die die beiden von den Messen mitbringen. „Platzmäßig stoßen wir hier natürlich oft an die Grenzen.“
Wehmütiger Abschied aus der Brückstraße
Mehr Raum und die Lage im Herzen der Innenstadt sind also Gründe, die für den Umzug sprechen. Doch so leicht fällt den Schnorrenbergs der Weggang aus der Brückstraße nicht. „Es ist hier eine tolle und aktive Gemeinschaft“, sagen sie. Und ihre Stammkundschaft hat sie ohnehin auch in der eher als 1b-Lage eingeordneten Fußgängerzone gefunden.
Bis Ende Januar werden sie auch noch dort bleiben. Die Eröffnung am neuen Standort ist für Anfang bis Mitte März 2026 geplant, je nach Umbaufortschritt. Im neuen Ladengeschäft wollen die Schnorrenbergs mindestens das große Jubiläum feiern, die „50“ vollmachen, wie Frank Schnorrenberg sagt. 2029 besteht das Sesam 50 Jahre.
Daher stammt der Name
Seinerzeit bestand das Geschäft im Übrigen schon mit Kaffeeausschank zwischen Anprobe von Mode und Verkauf von Dekorativem fürs Zuhause – einem Konzept, das heute noch als innovativ gehandelt wird. Das Angebot habe sich natürlich immer der Zeit angepasst, sagt Anja Schnorrenberg, „man muss da schon am Ball bleiben“.
Bleibt noch die Frage zu klären, woher eigentlich der Name stammt. Mit den Krümeln auf dem Brötchen hat er jedenfalls nichts zu tun, betont Frank Schnorrenberg. Er stamme eher aus der Sesamstraße, die ja auch ein halbes Jahrhundert alt wird und seinerzeit kontrovers diskutiert wurde. Das habe damals wie heute zu ihnen gepasst. Und so zieht das Sesam-Türschild mit dem „Engelke up de Mür“ mit um.