Offshore-Windenergie Park Alpha Ventus vor Borkum wird abgebaut
Der Windpark Alpha Ventus soll abgebaut werden: Er gab 2010 den Startschuss für den Ausbau der Offshore-Windenergie.
Emden/Oldenburg - Er war der erste deutsche Offshore-Windpark, der 2010 in Betrieb ging - und er ist der erste Windpark, der wieder abgebaut wird: „Alpha Ventus“ gab vor 15 Jahren den Startschuss für den Ausbau der Offshore-Windenergie in der Deutschen Bucht. Das Investitionsvolumen betrug etwa 250 Millionen Euro. Die zwölf Windräder des Parks rund 45 Kilometer nördlich von Borkum produzierten seitdem rund drei Terawattstunden Strom - genug, um pro Jahr 55.000 Haushalte mit Offshore-Strom zu versorgen.
Pionierprojekt in der Deutschen Bucht
Als Testpark war die Lebensdauer von Alpha Ventus von vornherein begrenzt: In gut vier Jahren erreicht der Windpark das Ende der Betriebsdauer. Die Betriebsgesellschaft DOTI - zu ihr gehören RWE, EWE und Vattenfall - hatte deshalb Ende 2024 erste Pläne zum umweltverträglichen Rückbau der zwölf Windkraftanlagen und des Umspannwerks vorgestellt. Im Frühjahr 2027 oder 2028 sollen die Windräder im Meer abgebaut und in Einzelteilen an Land gebracht werden, um sie dort weiter zu demontieren. Im Vergleich zu heutigen Offshore-Anlagen sind die Alpha Ventus-Windräder mit ihrer Nabenhöhe von gut 90 Metern und dem Rotordurchmesser von 126 Metern eher zierlich.
Rückbaupläne und Zeitplan
Rund 16 Millionen Euro wird laut der ersten Ausschreibung von DOTI der Abbau des Windparks wohl kosten. Wo genau die Windkraftanlagen demontiert werden und ob die Häfen Emden oder Norden eingebunden sind, ist noch offen: „Die ausgeschriebenen Leistungen enthalten auch die notwendigen Schiffs- und Hafenkapazitäten, welche daher von Gebot zu Gebot unterschiedlich sein können. Eine Aussage zu bestimmten Häfen lässt sich daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht treffen“, teilte DOTI-Sprecher Christian Bartsch dieser Redaktion auf Anfrage mit.
Fest steht: Beim Rückbau soll dem Recycling der Komponenten hohe Priorität eingeräumt werden: „Möglichst viele Anlagenteile sollen in anderen Windparks weiterverwendet werden. Für die übrigen Komponenten wird eine umweltverträgliche Verwertung angestrebt“, so Bartsch. Eine Herausforderung sei der Schutz der Meeresumwelt: „Seit dem Bau von Alpha Ventus hat sich im Bereich der Fundamente vielfältiges neues Leben entwickelt. Deshalb ist es entscheidend, die richtige Balance zwischen dem Erhalt dieser marinen Lebensräume und dem Abbau der Unterwasserstrukturen zu finden.“
Herausforderungen bei Logistik und Planung
Dass die Planung so früh beginnt, hängt laut dem Sprecher damit zusammen, dass Spezialschiffe und Hafenkapazitäten lange im Voraus gebucht werden müssen. Denn anders als beim Bau des ersten Offshore-Windparks vor 15 Jahren sind heute spezialisierte Schiffe verfügbar, „die manches erleichtern“, so Bartsch. „So wie wir damals für die deutsche Offshore-Windindustrie den ersten Schritt auf See gemacht haben, sind wir nun mit unseren Planungen zum Rückbau erneut in einer Vorreiterrolle. Wir gehen davon aus, dass nachfolgende Projekte von diesen ersten Vorerfahrungen lernen werden. Aufgrund des Testfeld-Charakters und heutiger Anlagen- und Parkgrößen werden jedoch sicherlich nicht alle Aspekte ein zu eins übertragbar sein“, meint er.
Wie es nach dem Abbau des Windparks mit der Fläche selbst weitergeht, ist ebenfalls offen. Als vergleichsweise kleine Fläche ist sie für einen neuen Windpark nicht geeignet. Möglicherweise wird sie mit Flächen aus der Nachbarschaft ein neues Feld für einen Windpark bilden.