Kindheitserinnerungen So feierten Familien in Bingum früher Weihnachten
Was war eigentlich für unsere Eltern und Großeltern das Besondere an der Weihnachtszeit, als sie Kinder waren? Paul Meyer, Tadäus Spekker und Manfred Bertus aus Bingum erzählen von ihren Erlebnissen.
Bingum - Paul Meyer, Manfred Bertus und Tadäus Spekker berichten regelmäßig mit alten Fotos und eigenen Kindheitserinnerungen auf dem Youtube-Kanal „Dat wassen noch Tieden“ über das Leben in Bingum in früheren Zeiten. Im Gespräch mit der Redaktion erzählen die drei Bingumer, wie sie Weihnachtszeit in ihrer Kinder- und Jugendzeit erlebt haben.
Heute sind viele Häuser bunt mit blinkenden Lichtern und Figuren beleuchtet. Zu Kindertagen der drei Bingumer fiel die Weihnachtsdeko spärlich aus. „Bei uns in der Stube gab es einen Adventskranz mit vier kleinen, roten Kerzen“, erzählt Tadäus Spekker, der in Bingumgaste aufwuchs. Die Kerzen wurden nach und nach angezündet. „An den Adventssonntagen haben wir uns in der Stube getroffen und Weihnachtslieder gesungen, wenn meine Eltern mit dem Melken fertig waren.“
Weihnachtsdeko fiel dezent aus
Der Weihnachtsbaumschmuck sei damals auch dezent ausgefallen. „Der Weihnachtsbaum wurde immer erst vormittags an Heiligabend aufgebaut“, erinnert sich Paul Meyer. Echte Kerzen, Lametta und ein glänzender Vogel mit einer echten Feder auf dem Baumspitze durften nicht fehlen. „Heiligabend wurden bei uns Wunderkerzen am Baum angezündet“, erzählt Manfred Bertus. Heiligabend sei die Spannung fast unerträglich gewesen. Bei Tadäus Spekker gab es Heiligabend Kartoffelsalat und Würstchen. „Meine Oma trieb die Spannung auf die Spitze: Wir mussten vor der Bescherung noch beim Abwaschen helfen, was wir natürlich brav und schnell machten.“
Ein kleiner Lkw der Firma Siku, ein Polizeiauto mit Lautsprecheransage „Achtung Polizei“ und natürlich Schlittschuhe zählen zu den Weihnachtsgeschenken, die den drei Bingumern bis heute besonders in Erinnerung geblieben sind. „Bunte Teller mit Apfelsinen, Feigen, Nüssen und ein bisschen Schokolade gab es immer“, berichtet Tadäus Speeker. Schokolade sei etwas ganz Besonderes gewesen. „Übers gab es kaum Schokolade.“
Schöfeln und Rodeln
Weiße Weihnachten mit Eis und Schnee machten das Fest für die Kinder perfekt. Paul Meyer erinnert sich, dass er und seine Geschwister von seinem Onkel „Schöfels“ geschenkt bekommen haben. „Die Verwandtschaft kam Weihnachten immer zu uns, weil meine Eltern kein Auto hatten“, erklärt er. Das Schlittschuhlaufen sei für Ungeübte nicht so einfach gewesen. „Wir haben einen Stuhl mit aufs Eis kommen, an dessen Lehne wir uns erstmal festgehalten und geübt haben.“
Mit der Zeit sei Eislaufen, neben dem Rodeln auf dem Deich aber eine der beliebtesten Aktivitäten im Winter geworden. „Wenn die Wasserflächen auf den Wiesen zugefroren waren, haben wir Eishockey gespielt“, sagt Tadäus Spekker. „Die Schläger haben wir uns aus Weidenästen selber gemacht. Die waren viel stabiler als die gekauften.“ Es ging aber auch ohne Schlittschuhe. „Wir haben Eisbahnschliddern auf der Straße gemacht“, sagt Paul Meyer. Wenn einem Anwohner der Lärm zu viel geworden sei, wurde Asche auf die Straße geschüttet.
Geschenk ging in der Disko verloren
Wenn das Wetter Weihnachten einmal nicht mitspielte, war das für die Kinder auf dem Hof der Familie Spekker nicht allzu tragisch. „Wir hatten eine Merklin-Eisenbahn mit Gleisen, die nur zu Weihnachten im Wohnzimmer aufgebaut wurde“, erzählt Tadäus Spekker. Einmal hätte er die Gleise so gelegt, dass die Eisenbahn direkt auf die Füße unter dem langen schwarzen Rock seiner Oma zu fuhr. „Sie hat das aber mit Humor genommen.“
Viel schlimmer sei für ihn der Verlust eines besonderen Weihnachtsgeschenks gewesen. „Als ich 15 war, war ich in der Disco CS in der Mühlenstraße, dort ist mir mein neuer Parka abhanden gekommen“, so Spekker. Er habe sein Taschengeld zusammengekratzt und einen neuen gekauft, damit seine Mutter nichts bemerkt.
Besuch in der Kirche gehörte dazu
Für Paul Meyer und seine Geschwister gehörte zu Weihnachten auch ein Besuch in der Kirche dazu. „Der Baum in der Bingumer Kirche war immer traumhaft schön.“ Nach dem Krippenspiel seien alle Kinder mit bunten Tüten mit Krintstuten beschenkt worden. Der 71-Jährige hat ein Weihnachtsfest ganz besonders in Erinnerung. „Mein Vater war kriegsversehrt und bekam eine kleine Rente“, erzählt der Bingumer. Einmal habe seine Mutter die Geschenke erst auf den letzten Drücker kaufen können, weil das Geld erst einen Tag vor Weihnachten auf dem Konto gewesen sei. „Das hätte auch schiefgehen können. Dann hätte es für uns keine Geschenke gegeben.“
Das Fazit der drei Bingumer über die Weihnachtsfeste in früheren Zeiten: Weihnachtsdeko, Festessen und Geschenke seien bescheidener ausgefallen als in der heutigen Zeit. Trotzdem sei die Zeit für die Kinder besonders spannend und die Stimmung heimelig und festlich gewesen. „Gefehlt hat uns nie etwas“, sagt Paul Meyer abschließend.