Ja-Wort in Emden  Heiratsantrag nach einer Nacht – mit 80

| | 11.12.2025 15:23 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Sie haben noch einmal ihr Glück gefunden: Ellen Schmitz und Johan van Dijk. Fotos: Klaus Ortgies
Sie haben noch einmal ihr Glück gefunden: Ellen Schmitz und Johan van Dijk. Fotos: Klaus Ortgies
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Ellen und Johan beweisen: Für große Gefühle ist es nie zu spät – auch nicht mit 80 Jahren. Jetzt heiraten die beiden in Emden.

Emden - Ellen Schmitz und Johan van Dijk heiraten an diesem Freitag, 12. Dezember 2025, im Standesamt Emden. So weit, so normal. Doch dieses Paar ist speziell. Es ist nicht nur etwas älter – Ellen ist 80, Johan 78 Jahre alt –, es ist sehr frisch verliebt. Die beiden kennen sich noch nicht einmal seit drei Monaten und wagen schon die Ehe. Und eigentlich wollten wir an dieser Stelle nur von einer neuen Liebe im hohen Alter berichten, die in einem besonders adventlich geschmückten Trauzimmer vollzogen wird. Doch da kannten wir die beiden und ihr leidenschaftliches Temperament noch nicht. Das lässt es auch schon einmal heftig krachen. Und es verspricht noch einige Turbulenzen.

Die Ringe sind längst besorgt, jetzt wird geheiratet.
Die Ringe sind längst besorgt, jetzt wird geheiratet.

Aber von Anfang an, der ja noch gar nicht so weit zurückliegt. Ellen aus Hage und Johan aus dem niederländischen Apeldoorn sind sich nicht zufällig über den Weg gelaufen. Sie haben sich über ein Partnersuche-Portal im Internet kennengelernt, wie uns Ellen und Johan in ihrem inzwischen gemeinsamen Zuhause in Hage bei einem Glas Sekt erzählen. Beide sind seit Jahren verwitwet und waren bereit für einen neuen Partner, wie sie sagen. Und doch zweifelten sie anfangs sehr, insbesondere Ellen. Allen Warnungen zum Trotz meldete sie sich bei der Partnervermittlung an. „Und plötzlich hatte ich hier auf dem Bildschirm 20 Männer zur Auswahl“, sagt sie, „so viele hatte ich schon lange nicht mehr in meinem Wohnzimmer.“

Liebe auf den ersten Blick

Von den nach ihrem Anforderungsprofil generierten Matches antwortet am 12. September 2025 aber nur einer auf ihre höfliche Bitte nach einem E-Mail-Kontakt zum Schreiben. Es ist Johan, der seinerseits auch nur eine Antwort bekommt, die von Ellen. Jetzt geht es pausenlos per Mail zwischen ihnen hin und her. Der Google-Übersetzer überbrückt manche Sprachbarriere.

Es prickelt zwischen den beiden, der Sekt kommt on top.
Es prickelt zwischen den beiden, der Sekt kommt on top.

Zwei Tage später entschließt sich Ellen, diesen vermeintlich völlig fremden Mann aus Gelderland nach Ostfriesland einzuladen. Wieder schlägt sie alle Warnungen in den Wind, bittet ihn direkt zu sich nach Hause. Tatsächlich deshalb, weil sie aufgrund ihrer Knieprobleme Treffen auf neutralem Boden, etwa in einem Café, als zu strapaziös empfindet. Und eigentlich ist die Zeit der Unverbindlichkeit sowieso schon verstrichen, weil der Bewerber immerhin diese weite Reise für das Kennenlernen auf sich nimmt. Am Bahnhof in Norden, wo ihn Ellen mit einem Taxi abholt, ist es Liebe auf den ersten direkten Blick, sagen beide. „Wir hatten sofort das Gefühl, dass wir uns ewig kennen.“

Getrennte Schlafzimmer?

Drei Stunden des Austausches auf getrennten Wohnzimmersesseln dauert es dennoch, bis Johan Mut fasst und seine Ellen fragt: „Wollen wir wirklich in getrennten Schlafzimmern übernachten?“ Der Manager für Yacht- und Schiffbau in den Niederlanden und die Betriebswirtin und Steuerberaterin im Ruhestand sind sich einig, dass so viel Vertrauen gewagt ist. „Aber dann schaute mich dieser wunderbare Mann mit seinen so unschuldigen Augen an“, sagt Ellen. Und wäre es nicht ziemlich zickig, ihm die erste gemeinsame Nacht zu verwehren? Schließlich hatten sich ja beide zur Partnersuche fest entschlossen. „Wir haben dann in einem Zimmer geschlafen, aber eigentlich auch nicht geschlafen“, sagt sie verschmitzt. „Sexualität auch im Alter? Das endet nie, sagt man. Und sie haben alle recht.“

Freuen sich, von ihrer Liebesgeschichte erzählen zu können: Ellen und Johan.
Freuen sich, von ihrer Liebesgeschichte erzählen zu können: Ellen und Johan.

Am nächsten Morgen hat Ellen nur noch einen Wunsch, wie sie sagt. „Der Mann soll bleiben. Für immer.“ Aber wie ihn halten? Das sollte doch wohl kein One-Night-Stand bleiben. Mit großem Herzklopfen wagt jetzt sie die alles entscheidende Frage: „Willst du mich heiraten, Johan?“ Er hält es zunächst für einen Witz oder ihren so wunderbaren Humor, sagt Johan. „Dann habe ich die Ernsthaftigkeit in ihren Augen erkannt und Okay gesagt, wir machen es.“ Es ist der 15. September 2025. Einen Monat später löst er seine Wohnung in Apeldoorn auf und zieht samt Hausstand zu ihr nach Hage.

Spontan gebucht

Es dürfte ein Rekord im Eheversprechen in Ostfriesland sein, keine drei Monate später soll Hochzeit gefeiert werden. Und deshalb seien die beiden auch auf Skepsis im Standesamt in Hage gestoßen. Neben dem Wust an Papieren und Dokumenten, die sie unbedingt zu besorgen hatten, auch weil Johan Niederländer ist, habe es dort zu ihrem Verdruss in diesem Jahr keine freien Termine mehr gegeben. Dann las Johan in der Zeitung von einem besonderen Angebot in Emden, am 12. Dezember 2025, im adventlich geschmückten Trauzimmer und damit besonders romantischen Rahmen heiraten zu können. Sie riefen in Emden an und buchten direkt. Die Termine könnten schließlich schnell vergeben sein.

Und Händchenhalten, das geht ohnehin immer.
Und Händchenhalten, das geht ohnehin immer.

Als sie von ihrer Heiratsabsicht ihrem Freundes- und Familienkreis berichteten, musste doch noch einmal Überzeugungsarbeit geleistet werden. „Wie kannst du so bekloppt sein? Parship? Das gehört sich doch nicht. Alles Betrug! Es ist sicher ein Heiratsschwindler.“ – Vor allem ihren 93-jährigen, langjährigen Familienfreund und Skeptiker musste Ellen vom Gegenteil überzeugen. Jetzt scheinen die Wogen geglättet. Johan hat zwei Kinder, zwei Enkel und einen Urenkel in den Niederlanden, die einstige Gelsenkirchenerin Ellen vier Nichten und Neffen. Alle sollen später noch einmal zu einem Fest eingeladen werden. Heiraten wollen die beiden jetzt aber für sich allein in Emden.

Krach mit Liebes-Aus?

Auch etwas speziell, und dass die Hochzeit dies ebenfalls werden soll, erklärt sich fast von selbst. Das festlich geschmückte Trauzimmer jedenfalls wollte sich das Paar nicht entgehen lassen. Es wollte vor allem auch keine Lebenszeit mehr verstreichen lassen. Und dann kam doch noch einmal alles ganz anders!

Am vergangenen Wochenende gab es den ersten echten Streit, der alles in Frage stellte. Dieser Streit dürfte leidenschaftlich gewesen sein. Denn beide sagten alle Pläne ab. „Dieses wundervoll begonnene Märchen wird am 12. Dezember leider nicht fortgesetzt“, schrieb Johan noch am Sonntag. Keine Hochzeit und keine Liebesgeschichte mehr in der Zeitung! Doch schon kurz darauf kam eine erste Entwarnung. Es solle später doch geheiratet werden. Und dann teilte Ellen mit: „Mein Ehemann und ich hatten uns aus nichtigem Anlass gezankt, zwei Tage getrennt und schnell wieder versöhnt, weil wir gemerkt hatten, dass wir beide, jeder für sich allein, ohne einander, nicht leben könnten. Wir lieben uns wieder uneingeschränkt und hatten nie damit aufgehört.“

Prost auf ein langes Zusammenleben: Johan und Ellen.
Prost auf ein langes Zusammenleben: Johan und Ellen.

Am Freitag, 12. Dezember 2025, wird die Liebesgeschichte also doch fortgeschrieben, jetzt und nicht später. Es soll kein Märchen bleiben, wenn sich um 10 Uhr im Verwaltungsgebäude am Delft Ellen Schmitz-van Dijk und Johan van Dijk das Ja-Wort geben. Welche Musik dazu gespielt wird, dürfte auch ausgemacht sein. Johan hatte schon bei dem Heiratsantrag von seiner Ellen einen berühmten niederländischen Hit von Guus Meeuwis im Ohr: „Het Is Een Nacht...“ („Es ist eine Nacht...“), eine emotionale Hymne über eine unvergessliche Nacht und die Liebe, die daraus erwuchs, sagt Johan. Das passt. Und sie hält hoffentlich noch lange an. Glückwunsch!

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