Spendenaufruf Engpass an Blutkonserven auch in Leer
Das Deutsche Rote Kreuz hat einen Aufruf zum Blutspenden gestartet, weil die Versorgungslage bei Blutkonserven dramatisch ist. Wie sieht es in den Kliniken in Leer aus? Welche Folgen hat der Engpass?
Landkreis Leer - Der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ruft die Bevölkerung mit Nachdruck zur Blutspende auf. Die aktuelle Versorgungslage mit Blutpräparaten ist sehr angespannt und droht sich weiter zu verschärfen. Winterwetter, Infektwelle und ein schwacher Jahresstart beim Spendenaufkommen treffen gleichzeitig auf einen unverändert hohen Blutbedarf der medizinischen Einrichtungen.
Am Freitag, 30. Januar 2026, ist Blutspende im Dorfgemeinschaftshuas Jemgum. Wilfried de Buhr, DRK-Gebietsreferent für die ostfriesische Küstenregion, hofft, dass der Hilferuf gehört wird. „Jede Blutspende wird händeringend benötigt“, macht de Buhr den Ernst der Lage deutlich.
Termine fielen witterungsbedingt aus
Im Januar und Februar gibt es die meisten Blutspendetermine. In diesen Monaten werden besonders viele Konserven benötigt. „Viele planbare Operationen werden auf den Beginn des Jahres gelegt.“ Weil die Spendebereitschaft im Dezember erfahrungsgemäß gering sei, versuche man, vorzusorgen. „Wir versuchen daher immer, mindestens 10.000 Konserven mit ins neue Jahr zu nehmen“, erläutert de Buhr. In diesem Jahr kam erschwerend die Wettersituation hinzu.
Am Freitag, 9. Januar 2026, hätten Eis und Schnee laut de Buhr dazu geführt, dass von 24 geplanten 18 Spendeterminen ausgefallen seien. „Die Teams kamen nicht zu den Spendeorten. Einige steckten sogar im Schnee fest.“ Wegen der Schulausfälle konnten außerdem einige Spendelokale nicht genutzt werden. „Von den erwarteten 2700 Spendern kamen an diesem Tag nur 750 Spender“, sagt er. Parallel führt nach Auskunft des Blutspendedienstes eine starke Grippe- und Erkältungswelle dazu, dass viele potenzielle Spender vorübergehend nicht spenden können.
Vorrat reicht teilweise nur anderthalb Tage
„Die Vorräte gehen spürbar zurück, die Lagerreichweiten schrumpfen und einige Blutgruppen liegen aktuell bei lediglich 1,5 Tagen“, schreibt der DRK-Blutspendedienst in einer Pressemitteilung. Blutpräparate sind nur begrenzt haltbar und können nicht auf Vorrat produziert werden. „Mehrere Tage mit zu wenigen Spenden wirken sich unmittelbar auf die Versorgung aus.“
Die Krankenhäuser benötigen täglich Blut für Operationen, Verkehrs- oder Arbeitsunfälle, Krebstherapien und die Behandlung chronisch kranker Menschen. Durch Engpässe bei den Spendeterminen gerät diese Versorgung ins Wanken. „Das kann dazu führen, dass planbare Hüft- oder Knieoperationen verschoben werden müssen“, macht de Buhr deutlich.
Keine OP-Verschiebungen in Leer
Der Bestand an Blutkonserven im Klinikum Leer ist knapp, aber ausreichend. „Es mussten bislang keine Operationen aufgrund mangelnder Blutkonserven verschoben werden“, teilte Nadira Pölking, Pressesprecherin des Klinikums, auf Nachfrage mit. Grundsätzlich sei die Nachfrage nach Blutkonserven unvorhersehbar, da Unfälle und damit verbundene chirurgische Eingriffe sowie andere medizinische Notfälle nicht planbar seien. „Im Jahr 2025 haben wir durchschnittlich 30 Konserven in der Woche benötigt“, sagte sie, „derzeit liegen uns 45 bis 50 Konserven vor.“
Ganz ähnlich ist die Versorgungslage am Borromäus-Hospital in Leer. „In den vergangenen Tagen kam es bei vereinzelten Bestellungen zu Verzögerungen, um das volle gewünschte Volumen an Blutpräparaten zu erhalten“, berichtete Borro-Sprecher Hauke Mucha. Diese kurzfristigen Engpässe konnten nach seinen Worten meist bereits am Folgetag wieder ausgeglichen werden. „Zu Beeinträchtigungen des klinischen Ablaufs oder gar zur Absage von Operationen kam es an unserem Haus nicht.“