OB-Kandidatur  SPD Emden – traut sich niemand gegen Kruithoff?

| | 23.01.2026 06:57 Uhr | 4 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Will sich bis Ende Januar zur OB-Kandidatur entscheiden: die Vorsitzende von Fraktion und Unterbezirk der Sozialdemokraten, Maria Winter. Foto: Friedrich Doden/Archiv
Will sich bis Ende Januar zur OB-Kandidatur entscheiden: die Vorsitzende von Fraktion und Unterbezirk der Sozialdemokraten, Maria Winter. Foto: Friedrich Doden/Archiv
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Noch sucht die SPD Mutige für die OB-Kandidatur in Emden. Bis Ende Januar will die Parteichefin Winter liefern – sonst lieber gar nicht.

Emden - Der Countdown bis zur nächsten Wahl des Oberbürgermeisters oder der Oberbürgermeisterin in Emden läuft. Am 13. September 2026 wird gewählt. Einige Parteien haben sich längst positioniert. Es gibt weitere, parteilose Einzelbewerbungen. Allein die Sozialdemokraten stehen noch blank da. Wer will es für die SPD machen?

Noch ziemlich beste Freunde: Unterbezirksvorsitzende Maria Winter und ihr Stellvertreter, Matthias Arends. Foto: Heiko Müller/Archiv
Noch ziemlich beste Freunde: Unterbezirksvorsitzende Maria Winter und ihr Stellvertreter, Matthias Arends. Foto: Heiko Müller/Archiv

Im Gespräch mit dieser Redaktion hat Maria Winter, in Personalunion Fraktionsvorsitzende im Rat und seit November 2025 auch Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Emden, jetzt ein Zieldatum festgelegt. „Ende Januar werden wir eine Entscheidung treffen“, sagte sie. „Wenn wir bis dahin niemanden haben, brauchen wir auch niemanden mehr aufzustellen.“ Theoretisch bliebe noch Zeit bis zum 24. April 2026, wenn sich die SPD zur Aufstellungsversammlung trifft. Aber auch Maria Winter weiß, dass es nicht leichter für die Partei wird, je länger es dauert.

OB-Wahl: SPD im Gespräch mit Kandidaten

Einen letzten Aufruf für Bewerbungen hat Winter noch in ihrem Neujahrsgruß unter den Genossinnen und Genossen gestartet. Darin wirbt sie auch dafür, sich politisch für die Partei im Stadtrat zu engagieren – auch hier fehlen noch Namen auf den Listen. Im vergangenen Jahr hatte die SPD schließlich in den eigenen Reihen erhebliche Verluste zu beklagen, durch unerwartete Todesfälle, aber auch durch Wegzug einiger engagierter Ratsmitglieder. Und Maria Winter bewirbt in dem Rundschreiben ausdrücklich die Möglichkeit, sich für die SPD als OB-Kandidat oder OB-Kandidatin aufstellen zu lassen.

Der letzte SPD-Kandidat: Manfred Eertmoed landete 2019 weit abgeschlagen. Foto: Martin Alberts/Archiv
Der letzte SPD-Kandidat: Manfred Eertmoed landete 2019 weit abgeschlagen. Foto: Martin Alberts/Archiv

Gleichzeitig betont Winter, aktuell weiter in Gesprächen mit potenziellen Kandidaten und Kandidatinnen zu stehen. Bisher habe aber niemand den nötigen Mut aufgebracht, nach der für die SPD und ihren letzten Kandidaten desaströsen OB-Wahl im Jahr 2019 jetzt selbst anzutreten – zumal der damalige Gewinner auch jetzt wieder größter Konkurrent sein wird.

Tim Kruithoff fuhr historischen Sieg ein

Zur Erinnerung: Der parteilose, damalige Sparkassen-Firmenkundenbetreuer Tim Kruithoff erzielte mit 75,4 Prozent der Stimmen einen Erdrutschsieg und wurde Oberbürgermeister. Mit 16,44 Prozent landete der Sozialdemokrat Manfred Eertmoed weit abgeschlagen. Die Emder SPD war deklassiert, hatte sie doch seit 1946 beinahe ausnahmslos das Stadtoberhaupt gestellt. Dabei war Eertmoed als damaliger Bürgermeister von Hinte kein Unbekannter und galt in seinem Job als qualifiziert – anders vielleicht als einige der weiteren Kandidaten.

2019 von seinen Fans gefeiert: Tim Kruithoff gewinnt die OB-Wahl haushoch. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
2019 von seinen Fans gefeiert: Tim Kruithoff gewinnt die OB-Wahl haushoch. Foto: Klaus Ortgies/Archiv

Vor diesem Hintergrund sei es jetzt umso schwieriger, einen aussichtsreichen Kandidaten oder eine Kandidatin für die SPD zu finden, sagte Winter. Zumal die große Partei SPD einen gewissen Anspruch habe. In der Region verortet und beruflich entsprechend qualifiziert müsse der Bewerber oder die Bewerberin sein. Bei der letzten Wahl traten auch eine Bardame, ein Klempner, ein Dönerbuden-Betreiber, eine Discountmarkt-Kassiererin, ein IT-Fachmann aus Bad Zwischenahn und ein Diplom-Ingenieur an, die sich die Chefposition in der Verwaltung zutrauten.

Drei bekannte Gesichter wollen wieder antreten

Andere sind also offenbar wagemutiger. Drei bekannte Gesichter aus dem Wahlkampf 2019 haben schon wieder angekündigt, sich neben OB Tim Kruithoff erneut zur Wahl zu stellen. Der ITler Ingo Weber aus Bad Zwischenahn, der 2019 auf 0,88 Prozent der Stimmen gekommen war. Seither hat er sich in Emden einen Namen gemacht für die Organisation von Gewässer-Clean-ups oder für Baumpflanzungen. Auch die Nachtclub-Mitarbeiterin Tanja Meyer, seinerzeit mit 1,19 Prozent der Stimmen ebenfalls weit abgeschlagen, will wieder antreten. Klempner Reza Darbani wird wieder als Kandidat gehandelt, damals mit einem Ergebnis von 2,12 Prozent. Er sichert sich in seiner Freizeit Sympathiepunkte, indem er Bingo-Abende in der Pumpstation auf Transvaal veranstaltet.

Und kürzlich zauberte sogar die kleine Wählergemeinschaft Gemeinsam für Emden (GfE) mit Hendrik Küpker einen Kandidaten aus dem Hut, einen Augsburger, der sich das Amt des Verwaltungschefs in Emden auch durchaus zutraut. Bei der Wahl 2019 hatte die GfE noch Kruithoff unterstützt. Ebenso wie die Grünen, die FDP und die Christdemokraten, die seinerzeit auf einen eigenen Kandidaten verzichtet hatten. Letztere hatten im Übrigen bereits vor weit über einem Jahr die erneute Unterstützung Kruithoffs zugesagt. CDU-Kreisvorsitzender Wilke Held erklärte jetzt gegenüber dieser Redaktion, dass „für viele Emderinnen und Emder nicht mehr das Parteibuch zählt, sondern vor allem die Verlässlichkeit“.

Parteibuch für Kruithoff?

An dieser Stelle allerdings widerspricht Maria Winter vehement. „Mich ärgern die parteilosen Kandidaten, die sich alles offenhalten und ihr Fähnchen in den Wind hängen. Wir Sozialdemokraten haben unsere Werte.“ Für Maria Winter müsse ein Hauptverwaltungsbeamter daher unbedingt Mitglied einer Partei sein. „Ich hätte nichts dagegen, wenn Tim Kruithoff in die SPD eintritt“, scherzt sie. Das Kandidatenproblem wäre damit jedenfalls für die SPD gelöst.

Dass Matthias Arends, ihr Stellvertreter im Unterbezirk und Emder Ratsmitglied, sich nun lieber in der Krummhörn als in Emden auf das Bürgermeisteramt bewirbt, nimmt Winter ihm nicht übel. Sie könne seine Gründe nachvollziehen, auch wenn sie ihn lieber in Emden als OB-Kandidaten gesehen hätte. „So holen wir uns aber bestimmt die Krummhörn wieder.“

Ihr größter Wunsch wäre es ohnehin, wenn sich eine mutige Frau fände, für die SPD als Gegenkandidatin zum aktuellen OB anzutreten. Bestimmt wäre so ein ganz ordentliches Ergebnis zu erreichen, glaubt sie. Ob sie selbst vielleicht den Mut dazu aufbringt? Das will Maria Winter auch für sich selbst noch bis Ende Januar offenhalten. Vielleicht gemäß dem Motto: „Bevor wir keinen haben, trete ich selbst an.“

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