Greetsiel Entscheidung zur maroden Brücke gefallen
Schon seit 2020 ist die marode Brücke am Kloster-Appingen-Weg bei Greetsiel gesperrt. Eine Übergangslösung hielt länger als gedacht. Doch der Landkreis zieht nun Grenzen.
Greetsiel - Jahrelang war offen, wie es mit der maroden Brücke am Kloster-Appingen-Weg südöstlich von Greetsiel weitergeht. Nun hat die Gemeinde Krummhörn eine Entscheidung getroffen: Die Brücke über das Alte Greetsieler Sieltief soll erneuert werden. Damit ist auch klar, dass eine dauerhafte Straßenanbindung der landwirtschaftlichen Flächen an die Kreisstraße 233 vom Tisch ist.
Die Brücke über das Alte Greetsieler Sieltief verbindet den vor allem landwirtschaftlich genutzten Kloster-Appingen-Weg mit der Straße An den Darren, gegenüber dem kleinen Greetsieler Gewerbegebiet. Aber schon seit mehr als fünf Jahren haben keine Autos diese Brücke passiert – sie war im Sommer 2020 aufgrund ihres schlechten Zustands für den Auto- und Schwerlastverkehr gesperrt worden. Seitdem dürfen lediglich Fußgänger und Radfahrer die marode Brücke überqueren.
Zufahrt zur Bohrstelle wurde provisorisch als Straße genutzt
Um trotzdem weiterhin die notwendige Zuwegung zu den landwirtschaftlichen Flächen in diesem Gebiet zu gewährleisten, wurde eine Übergangslösung gesucht. Die hat die Gemeinde in der Zufahrt von der Kreisstraße 233 zur Bohrstelle von Exxon-Mobil gefunden. Um für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer zu sorgen, gilt seitdem auf dem betreffenden Abschnitt der Kreisstraße eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 Stundenkilometern in beiden Fahrtrichtungen.
Aus dem anfänglichen Provisorium wurde dann eine recht langfristige Lösung, wenn auch nicht ganz ohne Hürden: Eine Genehmigung, um die als Zuwegung zur Bohrstelle ausgewiesene Straße als Umleitung nutzen zu dürfen, musste immer wieder beim zuständigen Landkreis Aurich angefragt und verlängert werden. Um diese Genehmigung zu umgehen, müsste auf der Kreisstraße eine Abbiegespur eingerichtet werden – eine Baumaßnahme, die mit einigen Kosten verbunden wäre.
Straße als Dauerlösung: Gemeinde scheiterte an Flächenankäufen
Möglichkeiten, das Provisorium zu beenden, wären eine Sanierung der Brücke oder aber jene dauerhafte Anbindung an die Kreisstraße. Die Gemeinde Krummhörn war durchaus bemüht, aus der provisorischen Straßenanbindung an die Kreisstraße eine dauerhafte Lösung zu machen, wie jetzt aus einer Pressemitteilung der Gemeinde hervorgeht. Für dieses Vorhaben wären „umfangreiche Baumaßnahmen“ notwendig gewesen, aber auch Flächenankäufe.
Und genau daran scheiterte das Vorhaben: Wie die Gemeinde Krummhörn mitteilt, konnten jene Flächenankäufe „trotz mehrfacher Bemühungen“ seitens der Gemeinde nicht umgesetzt werden. „Der Landkreis Aurich hat daher darauf hingewiesen, dass die bestehende Übergangslösung nicht dauerhaft fortgeführt werden kann“, heißt es weiter.
Greetsiel: Sanierung der Brücke als „verbleibende Lösung“
Weil das Provisorium zur Bohrstelle keine Zukunft hat, bleibt nun lediglich die Lösung, die Brücke über das Alte Greetsieler Sieltief zu erneuern. Die Kosten dafür schätzt die Gemeinde auf etwa 1,15 Millionen Euro. Die für den Umbau erforderlichen Mittel sind im Haushaltsplan für 2026/2027 veranschlagt.
Mit der Planung und Umsetzung der Erneuerung der Brücke kann begonnen werden, sobald der Haushalt genehmigt wurde. Der Verwaltungsausschuss hat dem Bauvorhaben bereits zugestimmt. Bis die Bauarbeiten an der Brücke beginnen, ist sie wie gehabt weiterhin für Fußgänger und Radfahrer freigegeben.
Greetsiel und die Brücken: Auch am Pilsumer Weg dauerte es
Wie komplex und langwierig Brückenprojekte in Greetsiel werden können, zeigt ein weiteres Vorhaben in der Gemeinde: die Sanierung der Brücke am Pilsumer Weg. Dort war schon länger klar, dass marode Spundwände und ein in die Jahre gekommenes Geländer erneuert werden müssen. Ende 2023 teilte die Verwaltung auf Anfrage mit, dass die Ausschreibung erstellt und beim Rechnungsprüfungsamt zur Prüfung lag. Damals ging die Gemeinde von rund 630.000 Euro Gesamtkosten aus, wovon ein Drittel – 210.000 Euro – als Eigenanteil bei der Kommune verblieben wäre. Der restliche Betrag sollte über Fördermittel abgedeckt werden.
Im April 2024 starteten die Arbeiten dann offiziell. Die Gemeinde nannte die Sanierung „einen wichtigen Schritt zur Erhaltung der Infrastruktur in Greetsiel“. Umgesetzt wurde das Projekt nach Angaben der Verwaltung unter Bauleitung eines Norder Büros und mit einer ausführenden Firma aus Aschendorf. Zum Auftakt wurden unter anderem Schleppplatten abgerissen, außerdem waren Bodensondierungen vorgesehen, um weitere Maßnahmen zu planen. Zu den Arbeiten gehörten auch die Erneuerung der Widerlager, eine Generalüberholung des Geländers sowie Betonsanierungen. Das sorgte im Ortsbereich für Verkehrsbeeinträchtigungen, weil die Brücke und ein Abschnitt der Straße „Am Zingel“ für den Durchgangsverkehr gesperrt wurden.
Im April 2025, also rund ein Jahr nach Baubeginn, meldete die Gemeinde schließlich, dass sich die Sanierung „in der finalen Phase“ befinde: die Pflasterarbeiten waren nahezu abgeschlossen, das neue Geländer solle montiert werden, die Böschungssicherung sei erledigt, nur die Betonsanierung stehe noch an. Bis Ostern waren die Arbeiten weitgehend abgeschlossen und die Brücke konnte auch wieder für Autos freigegeben werden. Zugleich wurde deutlich, dass Zeit- und Kostenpläne sich verschieben können: Statt September 2024 und später November 2024 war der Zeitplan nach hinten gerückt, bis die Brücke im Frühjahr 2025 schließlich fertig war. Zudem war in späteren Angaben von Gesamtkosten in Höhe von etwa 800.000 Euro statt 630.000 Euro die Rede, davon kamen rund 530.000 Euro aus der Städtebauförderung.