„Verlierer-Generation“ Traum vom Eigenheim wackelt – so stehen die Chancen in Leer
Baupreise, Zinsen, Eigenkapital: Besonders 25- bis 40-Jährige stehen beim Thema Eigenheim unter Druck. Wie läuft die Beratung der jungen Bauwilligen im Kreis Leer?
Leer - Der Traum vom Eigenheim bewegt noch immer viele Ostfriesen, sagt Carsten Mohr, Sprecher der Sparkasse Leer-Wittmund. Und doch scheint es immer schwieriger zu werden. Zuletzt wurden unter anderem zum Landkreis Leer Zahlen veröffentlicht, die zeigen, dass insbesondere 25- bis 40-Jährige in Sachen Eigenheim die „Verlierer-Generation“ sind. Das habe eine regionale Wohnungsmarkt-Analyse nahegelegt, die das Pestel-Institut im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel gemacht hat: „Die eigenen vier Wände rangieren bei den Menschen zwar immer noch ganz oben auf der Wunschliste. Aber gerade die 25- bis 40-Jährigen können sich immer seltener ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung leisten“, wird Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts, zitiert.
Immer mehr von ihnen seien gezwungen, dauerhaft zur Miete zu wohnen. „Dabei gehören gerade Jobstarter und Familiengründer zur typischen Klientel für Wohnungskauf und Hausbau. Aber die ‚Nestbauer-Generation‘ ist längst zur Verlierer-Generation beim Wohneigentum geworden“, sagt so Günther.
Was sind die Faktoren: So steht es um die „Verlierer-Generation“?
„Diese Kunden stehen im Moment vor einer doppelten Herausforderung“, sagt Mohr. Einmal seien da leider steigende Immobilien-Preise, außerdem sei häufiger die Eigenkapitalquote nicht vorhanden. Außerdem gebe es einen weiteren Faktor: „Die Regulatorik, also die Vorschriften machen vieles im Bausektor nicht nur kompliziert, sondern auch teurer“, so der Sparkassen-Sprecher. „Es wäre wünschenswert, dass es gerade für kleinere Bauherren, die ein Privathaus bauen möchten, einfacher wird.“
Die Baukosten stiegen immer weiter, auch die Kosten für Baugrundstücke seien mittlerweile hoch, so Mohr, zudem sei das Zinsniveau ebenfalls hoch. „Man muss also mehr zahlen als beispielsweise 2020 und gleichzeitig mehr für Zinsen aufbringen. Das bringt viele Bauwillige natürlich ins Nachdenken.“
Was muss besser werden: Was sind Stellschrauben?
Es fehle an staatlicher Unterstützung, kritisiert der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel: Eigenheimzulage und Baukindergeld seien abgeschafft – und damit die effektive Förderung von Wohneigentum faktisch eingestellt“, sagt BDB-Verbandspräsidentin Katharina Metzger. Es müsse schnell ein neues Programm mit direkten Zuschüssen her. Außerdem sei ein Niedrigzinsprogramm notwendig. Wer Wohneigentum anschaffen wolle, müsse in die Lage v
Die Sparkasse setze dort an, so Mohr: „Wir gehen möglichst früh ins Gespräch, versuchen unsere Kundinnen und Kunden lange zu begleiten und so früh auszuloten, wie Eigenkapital aufgebaut werden kann“, sagt er.
Kaufen oder Bauen: Was können/wollen sich die Leute leisten?
Für einen Grundstückskauf und den Bau eines Einfamilienhauses müsse man heutzutage ganz grob geschätzt 400.000 bis 500.000 Euro veranschlagen, sagt Mohr. „In Ostfriesland ist und bleibt zwar die Eigenleistung ein Pfund. Nachbarn, Freunde, da packen viele mit an, aber das lässt sich nicht abfedern. Bei solchen Summen sind bei vielen klare Grenzen erreicht“, sagt er. Unterm Strich müsse man feststellen, dass es nicht mehr allzu viele Personen gebe, die es sich unter diesen Umständen leisten können oder wollen, ein Haus neu zu bauen.
Der Markt für Gebrauchtimmobilien laufe besser, „aber wir erheben da keine Zahlen“, weist der Sprecher hin.
Viele versuchten allerdings eher beim Hauskauf ihr Glück. „Der Vorteil ist, dass die Immobilien in der Regel in überschaubarer Zeit verfügbar sind und im Zweifel auch erschwinglicher.“ So verzeichne die Sparkasse Leer-Wittmund auch im Sektor der Baufinanzierung den größten Zuwachs im Bereich der Gebrauchtimmobilien.
Beispielrechnung: Wie teuer wird es denn?
Der durchschnittliche Kaufpreis im Kreis Leer liege laut Mohr laut einer Studie bei Ein- bis Zweifamilienhäusern bei 280.000 Euro, bei einem Doppelhaus/Reihenhaus bei 242.000 Euro und für eine gebrauchte Eigentumswohnung bei 270.000 Euro. „Dabei ist natürlich zu beachten, dass das Durchschnittswerte sind, in die Immobilien in der Stadt genauso einfließen wie die aus Dörfern“, so Mohr.
Baufinanzierungen seien eine höchstindividuelle Angelegenheit, aber der Sprecher kann eine grobe Beispielrechnung für eine Finanzierung geben: Wenn man einen Kredit über 300.000 Euro aufnehmen wolle, wären das bei einem Zinsniveau von fünf bis 5,5 ungefähr eine Rate von 1250 Euro pro Monat (Zins und Tilgung). Als eine Art Faustformel könne man sagen, dass die monatliche Belastung nicht mehr als ein Drittel des Haushalts-Einkommen ausmachen sollte. Wie viele Beratungsgespräche derzeit in einer Absage endeten, kann Mohr nicht sagen, da das nicht erhoben wird, sagt er. Gefühlt seien es aber nicht viele, da man meist lange im Gespräch bleibe und schließlich oft eine Lösung finden könne.