Emden So geht es beim Parken in der Innenstadt weiter
Fast überall kostet Parken in der Emder Innenstadt Geld. Jetzt erklärt Tim Kruithoff, wo noch die letzten Lücken geschlossen werden und wann das neue Parkhaus gebaut wird.
Emden - Es ist ein Daueraufreger in Emden: das Parken. Seit dem Frühjahr 2025 werden alle öffentlichen Parkbereiche in der Innenstadt Stück für Stück kostenpflichtig gemacht. Politik und Stadt waren sich bei der Strategie bislang nicht immer grün, auch nicht bei der Reihenfolge der zu bewirtschaftenden Bereiche. Was zuerst? Was zuletzt? Wann kommen Behördenviertel oder die Quartiere in Groß und Klein Faldern dran? Zuletzt gab es Irritationen darüber, dass ein Parkhaus im Behördenviertel nicht mehr gebaut werden soll. Die Streitpunkte scheinen jetzt allerdings (fast) alle ausgeräumt.
Vielleicht auch, weil das „Parkraummanagementkonzept“ jetzt gar nicht mehr so sperrig und abstrakt daherkommt, wie es das lange Wort vermuten lässt. Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) informierte als selbst ernannter „Manager des Parkraumwirtschaftskonzeptes“ jetzt im Stadtentwicklungsausschuss über den aktuellen Stand, die Entwicklung des neuen Parkhauses an der Pottgießerstraße und die „weitere Meilensteinplanung“. Und er erklärte, welche Anwohner als Nächste vom Parksuchverkehr entlastet werden, gleichzeitig aber auch selbst einen kostenpflichtigen Dauerparkschein beantragen müssen.
Ab Mai wird das Behördenviertel kostenpflichtig
Als Nächstes ist das Behördenviertel an der Reihe. Sechs Automaten sollen in den kommenden Wochen installiert und zum 1. Mai 2026 scharf geschaltet werden. Anwohner sollen schon kommende Woche (ab dem 16. März 2026) von der Stadt angeschrieben werden. Sie können für 90 Euro im Jahr Dauerparkausweise beantragen. Für Kurzzeitparker gilt der Tarif nach grüner Zone, also ein Euro pro Stunde, sechs Euro als Tagessatz. Es folgt die übliche Beschilderung.
Auch mit dem Anarchie-Parken an der Ringstraße soll ab Mai Schluss sein. Zwar wird das Parken auf dem ehemals grünen Mittelstreifen noch nicht ganz ausgeschlossen, aber es soll „ein bisschen geordneter“ ablaufen, wie Kruithoff sagte. Statt wildem Kreuz- und Querparken soll vom Haus der Schifffahrt bis zur Stadtverwaltung immer nur in eine Richtung geparkt werden und das ebenfalls kostenpflichtig. Dafür wird jeweils die Zufahrt von einer Straßenseite mit Schiffstauen abgesperrt. Das sei allerdings nur eine Zwischenlösung. Bis zum Abschluss der Innenstadtgroßbaustelle von der Neutorstraße bis zur Straße Am Delft dient die Ringstraße noch als Ausweichroute und kann nicht umgestaltet werden. Anschließend werden wohl auch diese Mittelstreifen-Parkplätze wegfallen.
Darum gibt es kein Parkhaus an der Medmannstraße
Mitarbeitenden der Behörden wird das Parkhaus am Wasserturm als Alternative aufgezeigt. Dort gibt es ein größeres Kontingent für Dauerparker als zuvor gedacht. Kruithoff versicherte, dass man mit den umliegenden Behörden und dem aktuellen Betreiber im Gespräch sei, um günstige Angebote zu ermöglichen. Das Parkhaus selbst werde außerdem in Kürze aufgewertet. Mehr Beleuchtung soll mehr Sicherheit schaffen und das Parkhaus soll gereinigt werden. Kruithoff warb darum, dass Arbeitgeber ihren Angestellten für Dauerparkplätze Zuschüsse geben.
Endgültig vom Tisch ist dagegen der Bau des Parkhauses an der Medmannstraße. Darüber hatte Kruithoff zur Überraschung der Politik bereits in seiner Neujahrsrede gesprochen. Jetzt lieferte er noch einige Gründe für diese Entscheidung nach, die die Ausschussmitglieder überzeugten. Die dreieckige Grundstücksgröße zwischen Medmann- und Ringstraße hätte kein Standard-Parkhaus möglich gemacht, es wäre deshalb teuer geworden. Die geschätzten Baukosten von 6 Millionen Euro seien eher niedrig angesetzt gewesen, zumal es sehr individuell gebaut werden müsste. Es hätte lediglich 82 Stellplätze umfasst, vornehmlich für Dauerparker, also keine Rentabilität durch Kurzzeitparker. „Das Geld sehen wir nie wieder“, sagte Kruithoff.
So schnell soll das Parkhaus an der Pottgießerstraße wachsen
Zudem spiele an der Stelle der Denkmalschutz mit, auch alter Baumbestand und nicht zuletzt der Wille der Anwohner selbst. Denn diese hätten einen Klotz, der ihre Häuser beschattet oder blendet, wenn ein Auto ins Parkhaus fährt, abgelehnt. Die Realisierung könnte im Übrigen auch erst 2031 erfolgen, eben wenn die andere Großbaustelle in der Innenstadt erledigt und die Ringstraße umgestaltet werden kann.
Viel schneller soll es dagegen mit dem Parkhaus Pottgießerstraße gehen. Inzwischen seien alle nötigen Gutachten erbracht, jetzt folgen im Bauleitplanverfahren die letzten bürokratischen Schritte. Vergabe soll im Juni sein, der Auftrag im September erteilt werden und schon im Dezember die Gründung erledigt sein – wenn nicht beim Rammen der 96 Pfähle ein Artefakt oder anderes Archäologisches zutage tritt. Kruithoff erinnerte an die Wasserläufe, die dort einst bis zum Stadtgarten verliefen. Läuft dagegen alles nach Plan, soll das Parkhaus schon im Sommer 2027 eröffnet werden, so Kruithoff. „Baubeginn ist im Dezember. Die Hochbauphase geht schnell. Pro Werktag schafft man zwei bis drei Stellplätze.“
Es gibt ein Systemparkhaus mit hübscher Begrünung
Günstiger als das Parkhaus an der Medmannstraße werde es auch. Für 7,5 Millionen Euro sind mehr als doppelt so viele Stellplätze auf elf Halbebenen geplant. Es soll Elektrostellplätze mit Ladesäulen geben, überdachte Plätze für Lasten- und andere Fahrräder. Die Bauweise ist dabei eher einfach. „Es wird ein Systemparkhaus mit ein bisschen aufgehübschter Fassade plus massivem Treppenhaus“, sagte Kruithoff. Immerhin: Die Fassade zur Jungfernbrückstraße und Pottgießerstraße soll (hübsch) begrünt werden.
Frei von Parkgebühren sind nun nur noch die Quartiere in Klein und Groß Faldern. Sie waren zunächst auf Wunsch der Politik zurückgestellt worden, weil man die Verdrängungseffekte aus den umliegenden Quartieren beobachten wollte. Tatsächlich wird laut Feststellung von SHP Ingenieure sowohl in Groß Faldern als auch in Klein Faldern deutlich mehr geparkt. Das Gutachterbüro hatte die Daten 2022 und aktuell erhoben, nachdem das angrenzende AOK-Viertel bewirtschaftet worden war. In Groß Faldern habe sich der Parkverkehr vom bewirtschafteten Stephansplatz weiter in die Wohnquartiere verschoben. Die gesamte Bollwerkstraße, Hof von Holland und Osterstraße seien jetzt zu 71 Prozent ausgelastet.
Parkuhren schon bald auch in Groß und Klein Faldern
Noch schlimmer sei es in Klein Faldern. Dort herrsche 80 Prozent Auslastung. Besonders betroffen seien Kranstraße, Mühlenstraße und Am Rosentief/Rosenstraße. Neben der Parkraumbewirtschaftung trage auch die bald abgeschlossene Baumaßnahme Martin-Faber-Straße dazu bei, dass dort viele Fremdparker unterwegs seien. Der Anteil liegt laut Gutachten bei 30 Prozent.
Um die Anwohner zu entlasten und Parksuchverkehr auch in den ohnehin vom Verkehr strapazierten Quartieren zu reduzieren, schlägt die Stadt nun die zügige Parkraumbewirtschaftung auch in Groß und Klein Faldern vor. Parkgebühren könnten dort bereits im dritten und vierten Quartal 2026 fällig werden, sofern Mittel für die Anschaffung der nächsten Parkscheinautomaten freigegeben werden. Darüber muss die Politik noch entscheiden. Kruithoff lieferte aber noch eine Entscheidungshilfe zugunsten der Gewerbetreibenden der besagten Viertel. „Wer nur mal kurz zum Metzger will, kann eine Parkscheibe über 30 Minuten einlegen und kostenlos parken.“