Vor Ostern  Eier trotz Geflügelpest – das ist die Lage in Leer

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Von Vera Vogt
| 20.03.2026 07:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Farbige Ostereier lagern in einem Geflügelhof. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Farbige Ostereier lagern in einem Geflügelhof. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
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Was wird aus dem Osterei? Die Geflügelpest ist in einem Betrieb in Moormerland festgestellt worden. Händler und Erzeuger aus Leer erklären, was das aktuell bedeutet.

Leer - Ostern 2026 steht an und damit die Zeit des Ostereis. Geflügel-Betriebe haben im Kreis Leer allerdings gerade mit einer Belastung zu kämpfen: Anfang März ist die Geflügelpest in Moormerland festgestellt worden. Den 200 Tieren in Hobbyhaltung hat der Ausbruch das Leben gekostet. Was der Ausbruch nun für Handel und Betriebe bedeutet – gerade im Hinblick auf Ostern am ersten Aprilwochenende – haben wir zusammengetragen.

Eine Hand greift in einer Küche nach einem Ei in einem Eierkarton. Foto: Elisa Schu/dpa
Eine Hand greift in einer Küche nach einem Ei in einem Eierkarton. Foto: Elisa Schu/dpa

Wie geht es den Geflügel-Betrieben? „Sehr schade“ sagt Betreiber aus Leer

„Für uns als Betrieb mit Mobilställen ist die aktuelle Situation rund um die Geflügelpest natürlich sehr schade“, sagt Kai Buttjer vom Geflügel-Betrieb Leeraner Stadtei mit Sitz in Loga. Aber seine Tiere sind nicht erst seit dem Ausbruch drinnen.

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„Seit der Stallpflicht im Landkreis Leer im November 2025 können unsere Hühner nicht mehr nach draußen. Gerade bei Mobilställen gehört der Auslauf eigentlich fest zum Haltungskonzept – unsere Tiere sind es gewohnt, draußen zu scharren, zu picken und sich frei zu bewegen“, so Buttjer. Das solle aber nicht als Kritik an den Maßnahmen verstanden werden. „Natürlich haben wir Verständnis für die Maßnahmen zum Schutz der Geflügelbestände. Für uns hat die Tiergesundheit oberste Priorität. Deshalb halten wir uns konsequent an die vorgegebenen Biosicherheitsmaßnahmen und achten im Alltag sehr darauf, diese auch strikt einzuhalten und hochzuhalten.“

Doppelbelastung wegen Osternachfrage: Welche Maßnahmen gibt es denn?

Die Tiere müssen nach außen – gerade zu Wildvögeln – abgeschirmt werden. Außerdem sollten der Stall oder der Auslauf nur in Schutzkleidung mit entsprechendem Schuhwerk betreten und auf das Händewaschen und das Reinigen und Desinfizieren von Fahrzeugen, Gerätschaften und Maschinen geachtet werden, wenn diese zwischen unterschiedlichen Haltungseinrichtungen eingesetzt werden, erklärt der Landkreis. Aktuell kämen für Betriebe damit Hygienemaßnahmen und Nachfrageanstieg zusammen: „Gerade jetzt vor Ostern merken wir die hohe Nachfrage nach Eiern deutlich. Für uns ist das eine arbeitsintensive Zeit im Stall, in der Versorgung der Tiere und die Einhaltung aller Hygienemaßnahmen besonders im Fokus stehen“, erklärt Kai Buttjer.

Ostereier können kleine Kunstwerke sein – jedenfalls gehören sie für viele fest zum Osterfest dazu. Symbolfoto: Melchert Stromann/Archiv
Ostereier können kleine Kunstwerke sein – jedenfalls gehören sie für viele fest zum Osterfest dazu. Symbolfoto: Melchert Stromann/Archiv

Seit Anfang des Jahres 2026 wurden in Niedersachsen mehr als 30 Ausbrüche der Geflügelpest festgestellt, teilt der Kreis mit. „Die aviäre Influenza (Geflügelpest) wurde mittlerweile in Hausgeflügelbeständen sowie bei Wildvögeln vermehrt in Deutschland nachgewiesen. Die Fälle häufen sich deutschlandweit zunehmend und auch die Nachbarlandkreise melden Fälle in den Hausgeflügelbeständen“, schreibt der Landkreis Leer. Vor diesem Hintergrund hatte der Landkreis Leer die Aufstallung von Geflügel als Präventivmaßnahme ab 8. November 2025, angeordnet. „Wir hoffen sehr, dass sich die Situation rund um die Geflügelpest bald entspannt und unsere Hühner wieder auf die Wiese dürfen“, sagt Buttjer.

Ostereier schon nachgefragt: Wie sieht es aktuell im Handel aus?

Sorge vor leeren Regalen braucht die Kundschaft nicht zu haben. Das erklärt das Unternehmen Bünting. Die Firma mit Sitz in Leer betreibt unter anderem Combi-Märkte in der Region. „Durch unseren Mix aus Eigenmarken und regionalen Partner sind wir gut aufgestellt und können die Versorgung aller Haltungsformen gewährleisten“, erklärt Sprecherin Johanna Ammermann.

Eine Mitarbeiterin stellt Eier in ein Regal in einem Supermarkt. Foto: Marcus Brandt/dpa
Eine Mitarbeiterin stellt Eier in ein Regal in einem Supermarkt. Foto: Marcus Brandt/dpa

Wegen der erhöhten Nachfrage vor Ostern passe Bünting die Bestellmengen an und es werde langfristig geplant. Schließlich werden auch in diesem Jahr wieder jede Menge Traditionen rund ums Osterei gefeiert: Eiertrüllen, Eierbicken, Eiersmieten und Eierloop gehören dazu. Wann genau es mit dem Ostereier-Geschäft losgehe, sei naturgemäß jedes Jahr je nach Osterdatum unterschiedlich, so die Sprecherin. Aber da Frischeier ein Mindesthaltbarkeitsdatum von 28 Tagen haben – bunte Eier sind länger haltbar, weil gekocht – würden Eier von der Kundschaft meist grob geschätzt in den letzten drei Wochen vor Ostern stärker nachgefragt, erklärt die Sprecherin. Werden Freilandeier denn unter anderem Label verkauft, wenn die Tiere schon eine Weile keinen „Freigang“ mehr haben durften? „Nein, die Regelung gab es früher, wird heute aber nicht mehr angewandt“, so Ammermann.

Beim Eiertrüllen ging es für die Eier auch 2025 den Plytenberg hinunter. Foto: Jonas Bothe/Archiv
Beim Eiertrüllen ging es für die Eier auch 2025 den Plytenberg hinunter. Foto: Jonas Bothe/Archiv

Freiland und Bio ohne Freigang? So ist die Regelung

So ist es auch beim Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) nachzulesen. „Gilt eine amtlich angeordnete vorübergehende Stallpflicht auf Grundlage von EU-Recht, dürfen Eier aus Freilandhaltung trotz Aufstallung weiterhin als Freilandeier vermarktet werden“, schreibt das Laves. Die frühere Begrenzung möglicher Vermarktung als Freilandeier trotz Aufstallung auf einen Zeitraum von maximal 16 Wochen sei entfallen.

Selbstgefärbte Ostereier werden auch in diesem Jahr in die Körbchen wandern. Foto: Caroline Seidel/dpa
Selbstgefärbte Ostereier werden auch in diesem Jahr in die Körbchen wandern. Foto: Caroline Seidel/dpa

Das gleiche gilt übrigens auch bei Bio-Eiern: „Nach der EU-Öko-Verordnung muss den Tieren ständiger Zugang zu Freigelände gewährt werden, es sei denn tierseuchenrechtliche Anordnungen stehen dem entgegen“, schreibt das Landesamt. „Die Eier dürfen trotz Aufstallpflicht weiter als Bio-Eier verkauft werden. Aber die Hühner müssen im Stall ständig Zugang zu ausreichend Raufutter und geeignetem Material haben, um ihren verhaltensbiologischen Bedürfnissen nachkommen zu können.“

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