WM-Qualifikation Enttäuschendes 0:0: DFB-Frauen rat- und torlos in Österreich
Das hatte sich nicht nur Christian Wück komplett anders vorgestellt. Beim WM-Qualifikationsspiel in Österreich - nur drei Tage nach dem 5:1 in Nürnberg - kommen die DFB-Frauen überhaupt nicht zurecht.
Die deutschen Fußballerinnen haben erstmals in der Qualifikation für die WM 2027 in Brasilien Punkte liegen lassen. Das Nationalteam von Bundestrainer Christian Wück kam in Ried gegen Gastgeber Österreich nicht über ein 0:0 hinaus und zeigte vor rund 4.300 Zuschauern eine enttäuschende Vorstellung. Zu allem Übel sah Spielführerin Janina Minge wegen einer Notbremse in der 79. Minute auch noch die Rote Karte. Im neunten Vergleich konnte Deutschland erstmals nicht gegen Österreich gewinnen.
Jetzt gegen Norwegen unter Druck
Die DFB-Frauen führen zwar die Tabelle der Gruppe 4 weiter mit nun zehn Punkten und 14:1 Toren an, stehen aber am 5. Juni in Köln gegen Verfolger Norwegen unter Druck. Nur der Gruppenerste qualifiziert sich direkt. Nach zuvor drei deutlichen Siegen schwächelte die deutsche Auswahl dieses Mal.
„Es ist ja nichts passiert, wir sind ja noch immer Erster in der Gruppe. Es ist nicht angenehm, solche Spiele zu sehen, aber wir ziehen das Positive raus. Wir wissen, wo wir ansetzen müssen, und das werden wir machen“, sagte Wück in der ARD.
„Bei uns fehlte die Qualität im Passspiel. Es hat vorn und hinten nicht gepasst“, ergänzte Sjoeke Nüsken in der ARD: „Wir haben uns viel vorgenommen, haben es aber leider nicht umsetzen können. Wir sind aber immer noch Erster, in den beiden verbleibenden Spielen wollen wir wieder gewinnen.“ Teamkollegin Linda Dallmann ergänzte: „Wir sind ein bisschen zu spät wach geworden. Aber wir sind eine junge Mannschaft und lernen aus solchen Spielen.“
Austria-Team wehrt sich erfolgreich
Vier Tage nach dem 5:1 in Nürnberg gegen das Austria-Team zeigten die deutschen Frauen sichtlich bemüht, die von Wück geforderte Passsicherheit und auch ein schlaueres Laufverhalten umzusetzen - taten sich aber in der ersten Halbzeit erneut schwer. Die Österreicherinnen, bei denen die verletzte Sarah Zadrazil vom FC Bayern als „Fußballerin des Jahres“ ausgezeichnet wurde, wehrten sich erst mal erfolgreich gegen den Favoriten.
Beide Teams mussten ohne ihre etatmäßigen Kapitäninnen auskommen: Die Münchnerin Giulia Gwinn fehlte der DFB-Elf, nachdem sie sich in Nürnberg die Schulter ausgekugelt hatte, Rekordnationalspielerin und Kapitänin Sarah Puntigam fehlte der Austria-Auswahl wegen einer Gehirnerschütterung.
Wück mit Offensivexperiment
Für Gwinn lief wie erwartet die Leverkusenerin Carlotta Wamser als Rechtsverteidigerin auf. In der Offensive versuchte Wück etwas Neues: Hinter Sturmspitze Nicole Anyomi startete anstelle von Linda Dallmann erstmals Larissa Mühlhaus in ihrem dritten Länderspiel auf der Zehn.
Die 23-Jährige leitete auch mit einem Heber die erste Chance ein. Torhüterin Mariella El Sherif, Clubkollegin von Mühlhaus bei Werder Bremen, rettete in höchster Not (4. Minute) gegen Jule Brand. Ansonsten lief wenig über die Mitte, immer wieder versuchten es die deutschen Frauen über die Flügel - blieben aber ohne Wirkung.
Bundestrainer wird immer lauter
Lautstark und sichtlich ungeduldiger gab Wück an der Seitenlinie nach der Pause seine Anweisungen an der Seitenlinie. Ein Schuss von Elisa Senß knapp am Tor vorbei war zunächst die einzige Ausbeute. Dann brachte der Bundestrainer Bayern-Angreiferin Linda Dallmann für Endemann, später noch Franziska Kett und Torjägerin Lea Schüller.
Die Spielerinnen hatten sichtlich mit der ungewohnten Situation zu kämpfen und agierten zunehmend nervös. „Auf was wartet ihr denn?“, rief Wück von außen, als es nicht schnell genug weiterging. In der 72. Minute wäre das Tor aber fast gefallen: Nach einem Mühlhaus-Freistoß parierte El Sherif den Kopfball von Nüsken, Abwehrchefin Minge köpfte den Abpraller an die Latte (72.). Kurz darauf wurde die Wolfsburgerin vom Platz gestellt, als sie bei einem Konter der Österreicherinnen Julia Hickelsberger unsanft und regelwidrig stoppte.