Loitering Munition Rheinmetall setzt bei Kamikaze-Drohnen auf Salven-Schwärme

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Von dpa
| 16.06.2026 03:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Rheinmetall-Manager Timo Haas bewarb den Abschuss-Container bei der Rüstungsmesse Eurosatory. Auf dem Dach des Containers ist eine Kamikaze-Drohne zu sehen. Foto: Wolf von Dewitz/dpa
Rheinmetall-Manager Timo Haas bewarb den Abschuss-Container bei der Rüstungsmesse Eurosatory. Auf dem Dach des Containers ist eine Kamikaze-Drohne zu sehen. Foto: Wolf von Dewitz/dpa
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Neuss war einst ein großes Autozuliefer-Werk von Rheinmetall. Das ist Geschichte, nun wird das Werk auf Militärgüter getrimmt. Auf einer Waffenmesse gab die Firma Einblick in die künftige Produktion.

Deutschlands größte Waffenschmiede Rheinmetall kommt bei ihren Produktionsplänen zu Kamikaze-Drohnen voran. Auf der Pariser Rüstungsmesse Eurosatory stellte die Firma einen Container als mobile Abschussbasis vor, in dem 18 Drohnen gelagert werden und nach oben in den Himmel katapultiert werden können. Wie bei einem Schwarm können mehrere gleichzeitig starten - Rheinmetall spricht von möglichen Salven beim Start. 

Besatzung ist nicht vor Ort, vielmehr werden die Flugkörper aus der Ferne gesteuert. Es wird auch Künstliche Intelligenz (KI) genutzt - die Drohnen können bis zu 70 Minuten in der Luft sein, ihre Reichweite beträgt Firmenangaben zufolge 100 Kilometer. Sie suchen menschengesteuert oder selbstständig ein Ziel, auf das sie sich stürzen und explodieren. Ein Mensch bleibt Firmenangaben zufolge jederzeit in den Entscheidungsprozess eingebunden.

Finden die Flugkörper mit dem Modellkürzel FV-014 kein Ziel in der vorgegebenen Zeit, werden sie kontrolliert zum Absturz gebracht - sie gehen also dort zu Boden, wo niemand ist und der Schaden gering ist. An Bord haben sie eine Sprengladung, die inklusive Zünder vier Kilo wiegt. Landen können sie nicht mehr, da sie keine Landevorrichtung haben und nach dem Start scharfgeschaltet sind. Die Kamikaze-Drohnen und wohl auch die Container sollen in Neuss hergestellt werden, der Produktionsstart der Loitering Munition soll im dritten Quartal sein. 

Nachdem sie nach oben katapultiert ist, fährt die Loitering Munition ihre Flügel aus und fliegt bis zu 100 Kilometer weit. Foto: Wolf von Dewitz/dpa
Nachdem sie nach oben katapultiert ist, fährt die Loitering Munition ihre Flügel aus und fliegt bis zu 100 Kilometer weit. Foto: Wolf von Dewitz/dpa

Flugkörper werden in umgebautem Autozuliefer-Werk gefertigt

In Neuss hatte Rheinmetall früher einen Standort als Autozulieferer, dieser Geschäftsbereich wird aber abgegeben. Daher wird das Werk weitgehend umgebaut, künftig sollen dort Drohnen, Weltraum-Satelliten und Gefechtstürme für Flugabwehr-Panzer gebaut werden. Neuss hatte vor kurzem noch mehr als 1000 Beschäftigte, inzwischen sind es nur noch mehrere Hundert.

Auf der Rüstungsmesse Eurosatory präsentierte der Chef des Rheinmetall-Konzernbereichs für digitale Systeme, Timo Haas, den „Containerized Missile Launcher“ (CML). Es seien nicht nur Rheinmetall-Flugkörper nutzbar, sondern auch Flugkörper anderer Firmen, sagte der Manager. 

Es handelt sich um einen handelsüblichen 20-Fuß-Container, der also etwa sechs Meter lang und jeweils zweieinhalb Meter breit und hoch ist. Er kann auf Schiffe, Züge und Lastwagen gehievt werden oder er wird als Container einfach hingestellt. Vernetzt ist er über die digitale Software-Plattform „Rheinmetall Battlesuite“.

Nimmt man die weiße Fronthaube ab, so kommt ein dunkles Plastikbehältnis zum Vorschein: Darin ist der Sprengstoff. Foto: Wolf von Dewitz/dpa
Nimmt man die weiße Fronthaube ab, so kommt ein dunkles Plastikbehältnis zum Vorschein: Darin ist der Sprengstoff. Foto: Wolf von Dewitz/dpa

Luftkampf wird wichtiger für Rheinmetall

Das Kerngeschäft von Rheinmetall dreht sich nach wie vor um Stahlkolosse und andere Metallprodukte - ob Panzer, Flugabwehrgeschütze, Artillerie oder Munition. Allerdings wird die Digitalisierung immer wichtiger, die Gefechtsführung der Zukunft wird eine Vernetzung verschiedener Kampfmittel sein, darin sind sich Militärexperten weitgehend einig: Luft- und Boden-Drohnen agieren abgestimmt mit Artillerie, Panzern, Infanteristen und anderen Militäreinheiten. 

Um nicht als „Old Economy“-Panzerfirma abgehängt zu werden, hat Rheinmetall daher neue Geschäftsfelder erschlossen. So wurde ein Schiffsbauer gekauft und eine Satelliten-Tochterfirma gegründet. Das Drohnenvorhaben ist ein weiterer Schritt, um als militärischer Komplettanbieter für die Zukunft gerüstet zu sein. Wettbewerber bei Kamikaze-Drohnen sind die noch recht jungen Firmen Helsing aus München und Stark Defence aus Berlin.

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