Sicherheit
Norder Feuerwehr musste sich bei Einsatzfahrt Weg freiräumen
Die Norder Feuerwehr stieß bei einer Einsatzfahrt auf zahlreiche Hindernisse, so dass sie verspätet am Einsatzort eintraf. Eine Beobachtung ärgert die Einsatzkräfte besonders.
Norden - Die Feuerwehr ist am Montagnachmittag während einer Einsatzfahrt auf dem Neuen Weg in Norden steckengeblieben. Verkaufsstände, Markisen, Sonnenschirme, Bestuhlung und „nicht zuletzt jede Menge ignoranter Menschen“ hätten laut Mitteilung der Feuerwehr die Durchfahrt behindert. Teilweise hätten die Feuerwehrleute sogar aus den Fahrzeugen aussteigen und sich selbst den Weg freiräumen müssen, teilt der stellvertretende Stadtbrandmeister Thomas Weege mit.
In einem Wohn- und Geschäftshaus hatte ein Heimrauchmelder in einer Dachgeschosswohnung ausgelöst. „Ob es dort wirklich brennt, kann bei Eingang des Notrufs niemand sagen. Die Feuerwehr nimmt den Alarm in jedem Fall ernst, denn die Trefferquote von Rauchmeldern in privaten Wohnungen ist nicht gerade niedrig“, so Weege. Im konkreten Fall handelte es sich um einen Fehlalarm. Das war aber erst klar, nachdem sich die Einsatzkräfte ihren Weg durch die Fußgängerzone gebahnt hatten.
Hund wäre beinahe überfahren worden
Einige Geschäftsleute hätten vorbildlich reagiert und Platz geschaffen, sobald sie das Martinshorn gehört hätten. „Bei anderen Gewerbetreibenden entsteht der Eindruck von totaler Ignoranz. Ihre Markisen ragen weit in die Fahrbahn und werden zum Hindernis für die Einsatzfahrzeuge. Gleiches gilt für Werbeschilder und Warenaufsteller“, erklärt die Feuerwehr. „Feuerwehrzufahrten müssen mindestens drei Meter breit sein und das bis in eine Höhe von dreieineinhalb Metern. Dieser Freiraum fehlte am Montag mehrfach“, so die Beobachtung der Einsatzkräfte.
Zu den Hindernissen kämen auch die vielen Menschen hinzu, die in der Fußgängerzone flanieren oder vor Restaurants essen. „Einige verfallen regelrecht in Schockstarre. Die Leute verharren wie angewurzelt auf ihren Stühlen und klammern sich an ihren Eisbecher“, berichtet Thomas Weege, stellvertretender Stadtbrandmeister in Norden. Auf die Idee, selbst Platz zu schaffen, seien die wenigsten gekommen. Dabei würden die großen Einsatzfahrzeuge nur wenige Zentimeter an ihnen vorbeirollen. „Montag wäre beinahe ein Hund unter die Räder gekommen, weil sein Besitzer ihn nicht bei Seite geführt hat“, so die Feuerwehr. Andere Leute hätten sich noch schnell mit ihren Fahrrädern und Rollatoren an den Fahrzeugen vorbeigezwängt. „Als Feuerwehr ist man sprachlos und kocht innerlich. Den Maschinisten rannen die Schweißperlen von der Stirn, nachdem sie sich bis zur Einsatzstelle durchgekämpft haben“, so Weeges Beobachtung.
Die Behinderungen am Montag hätten zu mehrminütigen Verzögerungen geführt. Die Einsatzkräfte sprechen von einem Zeitverlust von drei bis vier Minuten. „Für jemanden, der in einem brennenden Gebäude eingeschlossen ist, ist das eine Ewigkeit und möglicherweise zu viel.“
Feuerwehr kündigt Konsequenzen an
Nach dem Einsatz habe Weege mit den Gewerbetreibenden das Gespräch suchen und für die Problematik sensibilisieren wollen. Die Resonanz sei jedoch „ernüchternd“ gewesen. Die deshalb nachgestellte Durchfahrt sei mit vielen Fotos dokumentiert und am selben Abend noch an die Stadtverwaltung übermittelt worden. „Die Feuerwehr hat Verständnis für die Geschäftsleute, dass sie den Platz vor ihren Läden ausnutzen wollen. In der Vergangenheit hat die Feuerwehr auch immer wieder Zugeständnisse gemacht, wenn es beispielsweise bei Veranstaltungen um Aufstellflächen für Buden oder zusätzliche Verkaufsstände ging“, heißt es in der Mitteilung. Bedingung sei jedoch immer, dass die erforderlichen Durchfahrtsbreiten durch die Geschäftsleute selbst oder ihr Personal im Bedarfsfall ohne großen Aufwand und binnen kürzester Zeit hergestellt werden können. Nun kündigt die Feuerwehr Konsequenzen an: „Wenn dieses Entgegenkommen nicht mehr funktioniert und die Folgen durch ignorante Personen weiter verstärkt werden, dann kann die Feuerwehr zukünftig an der einen oder anderen Stelle ihre Zustimmung nicht mehr geben.“ Man erhoffe sich sowohl von Geschäftsleuten als auch Passanten ein Einsehen.
Die Norder Feuerwehr hat in den vergangenen Jahren kaum gute Erfahrungen auf dem Neuen Weg gemacht, wie Weege sagt. „Vom Mülleimerbrand bis hin zum Brand ganzer Geschäftshäuser hat es dort bereits alles gegeben. In keiner Straße in Norden gab es in den letzten 20 Jahren so viele Großbrände, wie im Neuen Weg. Erst vor einem Jahr brannte dort der Dachstuhl über einem Bekleidungsgeschäft vollständig nieder“, erinnert sich Nordens Stadtbrandmeister, Thomas Kettler. Nur durch einen massiven Großeinsatz der Feuerwehr konnten damals Nachbargebäude gerettet werden. Auch da habe es erhebliche Platzprobleme gegeben.