Sprache

Wenn Schwarzwälder Platt schnacken

| | 15.01.2022 15:01 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Sina Blust-Dormeier mit ihrem Mann Thomas. Die Familie lernt im Schwarzwald eifrig Platt. Foto: privat
Sina Blust-Dormeier mit ihrem Mann Thomas. Die Familie lernt im Schwarzwald eifrig Platt. Foto: privat
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Eine Familie aus dem Schwarzwald lernt Plattdeutsch. Ihr Lehrer ist unter anderem der Krummhörner Plattdeutschbeauftragte Heinz Richter.

Krummhörn/Emmendingen - Wer in Baden-Württemberg, im Bereich der Stadt Emmendingen nahe des Schwarzwaldes unterwegs ist, der könnte plötzlich neben dem ortstypischen „Goede Morge“ oder dem abendlichen „Nobe“ auch ein „Moin!“ mit einem alemannischen Einschlag hören. Nicht wegen Exil-Ostfriesen, sondern wegen der Familie Dormeier. Sina Blust-Dormeier, ihr Mann Thomas sowie die Söhne Maximilian und Ben sind nämlich riesige Ostfriesland-Fans – und lernen fleißig Plattdeutsch.

Was und warum

Darum geht es: Johann Saathoff gründet eine Plattdeutschgruppe im Bundestag und ungefähr zeitgleich melden sich Platt-lernende Schwarzwälder.

Vor allem interessant für: Plattproters, Sprachinteressierte

Deshalb berichten wir: Durch Zufall stießen wir gleich auf zwei plattdeutsche Themen. Das haben wir zum Anlass genommen, etwas weiter auszuholen.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Warum? Das ist eine dieser Geschichten, die das Leben so schreibt. 2013 war die Familie erstmals in Ostfriesland. „Wir wollten einfach das Meer, die Luft, die Landschaft kennenlernen“, so Blust-Dormeier. Nur mit dem Plattdeutschen wurden sie weniger „konfrontiert“ als sie es erwartet haben. „Wir wurden nun nicht gerade überrollt mit dem niederdeutschen Dialekt, es war eher ein erstes zartes Anstupsen“, erinnert sie sich. Doch was sie aufschnappten, gefiel ihnen.

Zweites Eheversprechen beim Plattdeutschbeauftragten

Zum Lernen kam es aber erst durch weitere Zufälle. Eine wichtige Rolle dabei spielte das zweite Eheversprechen, welches sich beide im Pilsumer Leuchtturm gaben. Abgenommen hat dies der Plattdeutschbeauftragte der Krummhörn Heinz Richter. Und da waren die Baden-Württemberger an genau der richtigen Adresse.

„Wir sind ins Gespräch gekommen“, erinnert sich Richter. Dabei ging es dann auch ums Plattdeutsche – und vor allem darum, dass das Hochdeutsche den plattdeutschen Zungenschlag immer mehr verdränge. „Genau das macht uns traurig. Wenn Dialekte nicht mehr gelernt, gesprochen und gelebt werden, verlieren solche wunderbaren Regionen keine Last, sondern einen besonderen Schatz. Dialekte machen Regionen unverkennbar, sehens- und hörenswert“, so Blust-Dormeier gegenüber unserer Zeitung.

„Nachhilfe“ auch per WhatsApp

Deswegen beschloss die Familie, gemeinsam Plattdeutsch zu lernen. Unterstützt werden sie dabei von Richter, der ihnen regelmäßig Lernmaterial zur Verfügung stellt – und auch bei der Aussprache behilflich ist. „Notfalls schnell über Whatsapp oder Telefon“, sagt Blust-Dormeier. „Die Familie gibt sich da wirklich Mühe“, bestätigt Richter. Dass sich Urlauber so viel Mühe geben, komme derweil nicht so häufig vor. „Aber natürlich habe ich nach all den Jahren schon Kontakt zu einigen“, sagt er.

„Wenn wir alle nur noch die allgemeine, öde Hochdeutschsuppe löffeln, wie fade und arm wäre Ostfriesland ohne sein Platt, der Schwarzwald ohne sein Alemannisch, der Süden ohne seinen bayerischen Dialekt, um nur einige der sechs großen Dialektfamilien zu nennen. Ganz sicher würden wir – und ich glaube, ich spreche für Viele – etwas Großes vermissen“, sagt Blust-Dormeier. Nur im Schwarzwald, da müssten sie mit ihren neuen Plattdeutsch-Kenntnissen etwas vorsichtig sein. „Schwarzwälder und Badener sind mit einem frischen Moin am Abend schon überfordert“, sagt sie.

Wie unsere Zeitung auf die plattschnackenden Badener aufmerksam geworden ist? Die Familie hatte mitbekommen, dass sich ein Gemeinderatsmitglied in Ostrhauderfehn beschwerte, weil er die plattdeutschen Redebeiträge in der Sitzung nicht verstehen würde. Ein Artikel, der viele Leserkommentare hervorrief. Auf Plattdeutsch zu verzichten, das heißen die Badener nicht gut. „Wir unterstützen und begrüßen es, dass Platt auch als Unterrichtsfach in Schulen unterrichtet und dieses kostbare Kulturgut auf diesem Wege weitergegeben und gelebt wird. Bitte gebt nicht auf!“, so Blust-Dormeier.

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