Osnabrück

Moskau straft Polen ab: Beim Kampf ums Gas wird es ernst

Thomas Ludwig
|
Von Thomas Ludwig
| 27.04.2022 14:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Verdichterstation für russisches Erdgas in Polen: Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Verdichterstation für russisches Erdgas in Polen: Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Artikel teilen:

Russland hat die Gaslieferungen an Polen und Bulgarien ausgesetzt. Damit spitzt sich der Wirtschaftskrieg zu. Ob es auch Deutschland treffen könnte, hängt nicht zuletzt von Berlin ab.

Moskau hat Polen und Bulgarien den Gashahn zugedreht. Der Schritt zeigt, wie brachial der Wirtschaftskrieg zwischen Russland und der EU als Folge des russischen Überfalls auf die Ukraine inzwischen geführt wird. Überrascht haben dürfte Polen und Bulgarien das Ende der Gaslieferungen indes nicht.

Beide Länder weigern sich, die ihre Energierechnung in Rubel zu bezahlen. Das aber hatte Russlands Präsident Wladimir Putin als Reaktion auf die umfangreichen Strafmaßnahmen der EU verfügt. Ziel der Maßnahme war es, dem Verfall der Landeswährung Einhalt zu gebieten und Druck auf die Europäer auszuüben.

Konkret müssen Kunden in westlichen Staaten nun ein Konto bei der Gazprombank eröffnen. Dann können sie das Gas wie in der Vergangenheit in Euro oder Dollar bezahlen. Die russische Bank konvertiert den Betrag wiederum in Rubel, kauft die Währung an der Moskauer Börse und überweist das Geld weiter an Gazprom.

Unumstritten ist dieser Kreislauf nicht. Er hält aber beide Seiten im Geschäft. Zwar ist der Ausstieg Europas aus russischem Gas beschlossene Sache. Noch aber braucht man den Rohstoff – und Russland die Einnahmen.

Solange sich Deutschland und andere Staaten an die von der EU-Kommission gutgeheißene Kontolösung halten, müssen sie vorerst nicht befürchten, von russischem Gas abgeschnitten zu werden. Warschau und Sofia treiben den Konflikt lieber auf die Spitze, um Putin als Aggressor zu brandmarken. Das ist verständlich, bleibt naturgemäß aber nicht ohne Konsequenzen.

Und noch etwas verschärft die Lage: Die EU bereitet seit Wochen ein Embargo russischer Öleinfuhren vor. Das ärgert Moskau besonders, denn das schwarze Gold bringt Russland die größten Einnahmen. So bleibt die Drohung mit dem Gashahn auf beiden Seiten ein probates Mittel, den Gegner vor sich her zu treiben.

Ähnliche Artikel