Recherche-Projekt Darum ist das Busfahren in Emden bei Vielen so unbeliebt
Die Redaktion hat die 100eyes-Community befragt, wie sie in Emden unterwegs ist. Mit dem Bus fahren die wenigsten. Warum ist das so?
Emden - Zum Thema Verkehr hat irgendwie jeder in Emden eine Meinung: Die Interessen der verschiedenen Verkehrsteilnehmer gehen zum Teil weit auseinander. Verbesserungsvorschläge gibt es viele. Wo läuft es in Emden und wo kommt man nicht weiter? Wie könnte die Verkehrsführung in der Innenstadt künftig aussehen? Sollen Autos komplett aus dem Zentrum verschwinden? Fragen wie diese bewegen die Menschen in Emden und umzu - vor allem seit Beginn der Verkehrsexperimente im vergangenen Sommer, die vorrangig die Neutorstraße und die Friedrich-Ebert-Straße betreffen.
Was und warum
Darum geht es: Die ersten Ergebnisse unserer 100eyes-Recherche zeigen, dass der Bus für die wenigsten eine Rolle spielt, wenn es darum geht in oder durch die Emder Innenstadt zu kommen.
Vor allem interessant für: alle, die regelmäßig zu Fuß, per Rad oder mit dem Auto durch Emden fahren
Deshalb berichten wir: Wir haben unser neues Projekt Anfang Mai gestartet und unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer befragt. Die ersten Ergebnisse liegen nun vor. Die Autorin erreichen Sie unter: s.tome@zgo.de
Wie könnte ein Verkehrskonzept für die Zukunft aussehen? Was wollen eigentlich die Emder? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Bezirksredaktion Emden-Norden der Ostfriesen-Zeitung im Rahmen eines besonderen Rechercheprojekts, bei dem vor allem die Einwohner selbst gefragt sind. Inzwischen sind mehr als 50 Menschen aus Emden und Umgebung Teil des Projekts, das unter dem Namen „100eyes“ läuft.
´Dabei handelt es sich nicht um eine klassische Umfrage, sondern um eine Recherche, die über Messenger-Dienste in Kontakt tritt. Die „100eyes“-Gemeinschaft setzt sich aus verschiedenen Personen zusammen, denen alle eines gemein ist: Sie alle haben und machen Erfahrungen mit dem Thema Verkehr in Emden, privat oder beruflich. Auf die ersten Fragen gab es eine rege Beteiligung.
Zu welcher Uhrzeit läuft es gut, wann ist eher mit viel Verkehr zu rechnen?
Um diese Frage zu beantworten, stellte die Redaktion den „100eyes“-Teilnehmern die Frage, zu welcher Uhrzeit sie üblicherweise in Emden unterwegs sind. Die Antworten zeigen: Der Verkehr ballt sich vor allem morgens in der Zeit von 7 bis 8 Uhr. Gute Chancen, relativ staufrei durch die Stadt zu kommen, hat man vormittags in der Zeit von 9 bis 11 Uhr, ehe Viele mittags nach der Arbeit wieder den Weg nach Hause ansteuern oder aber Kinder aus Schulen und Kindergärten abholen.
Den Angaben nach zu urteilen, ist in der Mittagszeit etwa gleich viel los, wie zum typischen Feierabendzeitpunkt zwischen 16 und 18 Uhr. Erst am Abend lichtet sich der Verkehr wieder. Außerdem wollten wir wissen:
Wie ist die „100eyes“-Gemeinschaft überhaupt in Emden unterwegs?
Der überwiegende Teil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer fährt entweder mit dem Fahrrad oder dem Auto in die Innenstadt. Viele von ihnen nutzen je nach Situation mal das eine, mal das andere Fahrzeug. Die meisten unserer Befragten geben jedoch an, in erster Linie auf das Fahrrad zu setzen.
Einige sind hin und wieder auch zu Fuß unterwegs, vor allem diejenigen, die in der Innenstadt arbeiten oder aber innenstadtnah wohnen. Der eine oder andere nimmt auch den Elektroroller, um in die Innenstadt zu kommen. Interessant: Der öffentliche Personen-Nahverkehr spielt bei den Antworten kaum eine Rolle.
Warum ist das so?
Die Antworten zu dieser Frage sind vielfältig. Zum einen ist das Busfahren in Emden für Studentinnen und Studenten im Semesterticket nicht inbegriffen, was es für diese Gruppe wenig attraktiv macht. Einer der am häufigsten genannten Kritikpunkte: Das Bussystem in Emden sei zu unübersichtlich und ungünstig getaktet. Wer beispielsweise vom Borssumer Freibad zum Dollart-Center fahren möchte, hat eine 22-minütige Tour vor sich, was auf den ersten Blick nicht allzu lang scheint. Was stört: Um dorthin zu kommen, muss man am Bahnhof in einen anderen Bus umsteigen. Das ist Vielen einfach zu kompliziert. Ein weiterer Minuspunkt, den Viele sehen: Die Busse fahren zu selten. „Von Großfaldern aus fährt einmal stündlich ein Bus und dann bin ich ja auch noch nicht am Ziel. Wenn ich zum Beispiel zur Nesserlanderstraße/Borkumkai möchte, ist es eine logistische Herausforderung“, schreibt 100eyes-Teilnehmerin Nantke Hoogestraat. Ähnlich sieht es Mona Reekers: „Ich persönlich finde, dass der ÖPNV nicht regelmäßig genug fährt. Alle halbe Stunde oder jede Stunde ist für mich nicht ausreichend. Außerdem bin ich mit dem Rad schneller und flexibler.“
Der öffentliche Busverkehr in Emden steht damit nicht zum ersten Mal in der Kritik. Es gibt Aussicht auf Verbesserung: Die Zusammenarbeit der Stadt mit dem Busunternehmen Reiter´s, das das Streckennetz als Dienstleister betreibt, endet 2024. Es muss für die darauf folgenden zehn Jahre neu ausgeschrieben werden. Im Zuge dessen soll es auch einen komplett überarbeiteten Fahrplan geben. Ab 2026 soll zudem fast die Hälfte der gesamten eingesetzten Busse abgasfrei oder zumindest abgasarm unterwegs sein. Im nächsten Beitrag zu unserem Projekt soll es um das Thema „Parken“ gehen. Sehen die Emder in diesem Punkt Verbesserungspotential und wie könnte dieses aussehen?
Wie kann man mitmachen?
Die Redaktion möchte auch weiterhin mit den Emdern direkt ins Gespräch kommen. Um mitmachen zu können, müssen sich Interessierte per Mail an n.harms@zgo.de bei der Redaktion melden, um Zugang zu „100eyes“ zu erhalten und um auswählen zu können, über welchen Kurznachrichtendienst sie teilnehmen möchten.
Die Redaktion verschickt über den ausgewählten Kurznachrichten-Dienst immer wieder Fragen, auf die die Teilnehmer antworten können. Wer bei dem Projekt dabei ist, hat die Möglichkeit, als Teil des Netzwerks seine Beobachtungen, Ideen und Anregungen mitzuteilen und so das Bild zu vervollständigen.
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