Kinder in der Krummhörn  Nur rund 71 Euro pro Spielplatz

| | 07.11.2022 07:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mehrere Spielgeräte auf Spielplätzen in der Krummhörn weisen Mängel auf. Geld zum Beheben ist kaum vorhanden. DPA-Symbolbild: Woitas
Mehrere Spielgeräte auf Spielplätzen in der Krummhörn weisen Mängel auf. Geld zum Beheben ist kaum vorhanden. DPA-Symbolbild: Woitas
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Die Freepsumer möchten einen neuen Spielturm für ihren Spielplatz – und finanzielle Unterstützung von der Gemeinde. Doch das Budget ist knapp, erstaunlich knapp.

Krummhörn - Bei Grundschulen wird gerne das Motto „kurze Beine, kurze Wege“ zitiert. Es bedeutet, dass Kinder möglichst wohnortsnah in die Grundschule gehen sollen. Ob dieses Motto auch künftig bei Spielplätzen gelten wird, könnte jetzt auf den Prüfstand kommen.

Was und warum

Darum geht es: Die Krummhörner Politik will die Spielplätze unter die Lupe nehmen.

Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für kindgerechte Angebote in der Krummhörn interessieren.

Deshalb berichten wir: Im Fachausschuss wurde deutlich, wie wenig Geld rechnerisch pro Spielplatz in der Gemeinde zur Verfügung steht.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Wie im zuständigen Fachausschuss der Gemeinde deutlich wurde, gibt es rund 70 Spielplätze unterschiedlicher Größe in der Krummhörn. Und für Unterhalt und Instandsetzung gibt es erstaunlich wenig Geld.

Ungefähr 71 Euro pro Spielplatz pro Jahr

5000 Euro pro Jahr sind im Doppelhaushalt für dieses und das kommende Jahr vorgesehen. Das macht bei 70 Spielplätzen ungefähr 71 Euro pro Jahr pro Spielplatz für notwendige Instandsetzungsarbeiten. Das kristallisierte sich heraus, nachdem ein Antrag für einen neuen Spielturm in Freepsum gestellt wurde. Der bisherige Spielturm auf dem dorfeigenen Spielplatz wurde vor Kurzem während der jährlichen Hauptinspektion, die gesetzlich verpflichtend ist und von externen Gutachtern durchgeführt wird, stillgelegt.

14.000 Euro, ohne Transport, soll ein neuer, haltbarerer Spielturm kosten. 7500 Euro will die Dorfgemeinschaft selbst aufbringen, wie Mit-Antragsteller Heiko Ringena, der zwar nicht für die FBL im Fachausschuss aber im Rat sitzt, erklärte. Die übrigen 7000 Euro, so der Antrag, soll auf zwei Jahre verteilt von der Gemeinde übernommen werden.

Ein Spielplatz pro Neubaugebiet

Auch bei einem weiteren Tagesordnungspunkt, bei dem es um einen neuen Spielplatz für Pilsum ging, wurde die Problematik deutlich: Ähnlich wie bei den anstehenden Straßensanierungen laut Prioritätenliste fehlt es der Gemeinde schlicht an Geld, um allen 70 Spielplätzen in der Gemeinde gerecht zu werden.

Wie es überhaupt zu so einer hohen Anzahl an Spielplätzen gekommen ist, wurde ebenfalls deutlich: Eine Zeitlang war es Vorgabe, dass in jedem Neubaugebiet auch ein Spielplatz einzurichten sei. Dem ist mittlerweile nicht mehr so, deswegen gibt es einen solchen Platz im Neubaugebiet Escherweg in Pewsum nicht.

„Entweder mehr Geld oder ein anderes Konzept“

„Wenn wir so viel von den 5000 Euro im Haushalt binden, können wir in anderen Orten weniger Reparaturen auf Spielplätzen machen“, so Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos). Bei der Jahreshauptinspektion hätten sich größere Mängel auf Spielplätzen in verschiedenen Orten gezeigt, die perspektivisch behoben werden müssten.

Die zuständige Fachbereichsleiterin Ina Droll-Dannemann schätzte, dass mindestens das Doppelte an Finanzmitteln pro Jahr zur Verfügung gestellt werden müsste. „Entweder mehr Geld oder ein anderes Konzept“, so die Schlussfolgerung, die nicht nur ein wenig an die Diskussion um die Straßensanierung erinnerte.

Politik: neues Konzept

Ebenfalls ähnlich wie bei den Straßen: Das Thema ist nicht zwangsläufig neu. Pewsums Ortsvorsteherin Sonja Heyen meldete sich aus dem Zuschauerraum und berichtete von mehreren Gesprächen mit der Verwaltung in der Vergangenheit, bei denen es um die Instandsetzung der Spielplätze in Pewsum gegangen sei. Sie wies auch auf den Escherweg hin. Die Kinder, die dort im Neubaugebiet künftig leben, sollen zum Spielen auf den Platz im Möhlenhörn. Die Spielgeräte dort seien allerdings so alt, auf denen hätte Heyen schon gesessen. „Und ich bin über 50.“

Die Antwort eines Verwaltungsmitarbeiters fiel misstönig aus, offenbar macht sich auch in der Verwaltung Frustration breit. Die Lösung? Die Politik verwies den Antrag zum Spielturm in Freepsum an den nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss – und sprach sich für eine Analyse und ein Spielplatzkonzept aus. Dies könnte dazu führen, dass es deutlich weniger, dafür größere Spielplätze in der Gemeinde gibt. Von diesen größeren Plätzen gibt es in der Krummhörn bislang zwei: in Greetsiel und am Trockenstrand in Upleward. Ein anderer in Pewsum ist als „Erlebnispark“ in Planung. 30.000 Euro sind hierfür im Haushalt eingestellt, 25.000 Euro dem Vernehmen nach bereits verplant.

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