Wohnen oder Urlaub  Die unendliche Geschichte – Greetsiel und die Ferienwohnungen

| | 09.11.2022 07:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Greetsiel ist Ausflugs- und Urlaubsort Nummer 1 in der Krummhörn. Doch über Umfang und Art der Ferienwohnungen wird gestritten. Symbolfoto: Archiv
Greetsiel ist Ausflugs- und Urlaubsort Nummer 1 in der Krummhörn. Doch über Umfang und Art der Ferienwohnungen wird gestritten. Symbolfoto: Archiv
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Erneut ging es in der Krummhörner Politik um Ferienwohnungen im Fischerdorf Greetsiel. Die FBL sieht weiter Handlungsbedarf, Teile der anderen Parteien auch. Einen Entschluss gibt es dennoch nicht.

Krummhörn/Greetsiel - Die Freie Bürgerliste Krummhörn (FBL) macht ihre Ankündigung war: „Der Bebauungsplan 0530 in Greetsiel wird die Blaupause werden“, sagte FBL-Chef Heiko Ringena im April gegenüber dieser Zeitung. Damals war es der FBL nach Jahren erfolgloser Versuche gelungen, eine politische Mehrheit für eine Veränderungssperre auf Teilen von Greetsiel zu finden – und eine Überarbeitung des besagten Bebauungsplanes in die Wege zu leiten.

Das Ziel damals: Den starken Zuwachs an Ferienwohnungen zulasten klassischer Wohnbebauung eindämmen und unter Kontrolle zu bekommen. Das versucht die FBL nun auch in anderen Teilen von Greetsiel zu erreichen. Der erste Aufschlag im zuständigen Fachausschuss war allerdings wenig erfolgreich, wirft aber Fragen auf.

Betonung liegt auf „wünschen“

Die FBL wollte mit einem Antrag erreichen, dass im Bereich Pferdekoppel und Pilsumer Weg, und das Gebiet im Bereich Boomstroat die Bauleitplanung begonnen wird. Das bedeutet: Hier gibt es noch gar keinen gültigen Bebauungsplan, der vorgibt, wie gebaut werden darf. Dies soll geändert werden, wenn es nach der FBL geht, bis dies geschieht, wünscht sich die Bürgerliste eine Veränderungssperre für beide Bereiche. Zudem soll es auch eine Veränderungssperre für den bestehenden Bebauungsplan Nr. 0536 („Achterum“) geben, bevor dieser neu aufgestellt wird.

Betonung liegt auf „soll“ und „wünscht sich die Bürgerliste“, denn die Mehrheit des Ausschusses sprach sich dafür aus, dass der Antrag abgelehnt wird. Mit dieser Empfehlung geht der Antrag zumindest erstmal an den nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss.

„Der Bereich ist eh verloren!“

Nach der ausufernden Diskussion um die schlussendlich beschlossene Veränderungssperre und Änderung des Planes 0530 ist dies nur bedingt überraschend. Interessant waren aber einzelne Aspekte der Diskussion. So wurde deutlich, dass das Grundproblem auch von anderen Parteien erkannt wird. „Der Bereich ist eh verloren!“, hieß es beispielsweise seitens der SPD. Die Sozialdemokraten wollen beispielsweise im Bereich Boomstroat schon die Folgen der ausgesprochenen Veränderungssperre zu sehen. Hier seien „mehrere Häuser“ durch Investoren aufgekauft und abgerissen worden.

Überprüfen lässt sich dies zunächst nicht genau. Eine Anfrage an Gemeinde und Landkreis, ob es jetzt beispielsweise im Nachgang der Sperre einen Anstieg von neuen Ferienwohnungen gab, blieb bislang unbeantwortet. Dieser Anstieg wurde von verschiedenen Ratsmitgliedern befürchtet, frei nach dem Motto: Investoren sichern sich jetzt schnell noch möglichst viele Grundstücke und bauen Ferienwohnanlagen, bevor es noch mehr Sperren und Beschränkungen gibt.

Greetsiel als Ganzes betrachten?

Eine weitere Befürchtung scheint bislang nicht eingetroffen zu sein: die Schließung von Ferienwohnungen von Amtswegen. Im Bebauungsplan 0530 seien, so wurde mehrfach betont und bestätigt, manche Ferienwohnungen in rechtlichen Grauzonen betrieben worden. Auch in anderen Teilen von Greetsiel könnte dies so sein. „Es wurde bislang keine Nutzungsuntersagung ausgesprochen“, so der Landkreis auf Nachfrage. Einzelne Fälle seien allerdings „derzeit in individueller Prüfung“. Im Rahmen dieser Prüfung werde unter anderem auch der Stand der Bauleitplanung der Gemeinde Krummhörn für den jeweiligen Bereich berücksichtigt, so der Landkreis weiter.

Aber noch ein anderer Aspekt wurde auf der Sitzung des Fachausschusses mehrfach angesprochen: Man komme immer dann mit so etwas um die Ecke, wenn die Messe schon gesungen sein. Auch greife man durch solche punktuellen Veränderungen „massiv in den Markt ein“.

Warum also nicht gleich Greetsiel als Ganzes betrachtenund sämtliche Bebauungspläne neu ordnen? Diese aufgeworfene Frage verhallte ohne nennenswerte Reaktionen – außer zustimmendem Nicken hier und da.

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