Hamburg Hitze: Wann wird ein Auto zur Todesfalle für Mensch und Tier?
Schnell in den Supermarkt flitzen und das Kind oder den Hund kurz im Auto lassen – auch bei Temperaturen unter 30 Grad kann das lebensgefährlich werden. So schnell heizen sich Autos im Sommer auf.
Die Polizei warnt immer wieder: Kinder dürfen an heißen Tagen nicht allein im Auto zurückgelassen werden. Im hessischen Wettenberg ist ein 18 Monate altes Kleinkind an Überhitzung gestorben. Der Vater des Jungen habe das Kind offenbar am Morgen versehentlich in seinem Auto vergessen, teilte das Polizeipräsidium Mittelhessen mit.
In Italien ereignete sich Anfang Juni etwas Ähnliches. Ein Vater vergaß seine Tochter im Auto und ging ins Büro, da er glaubte, das Kind bereits in der Krippe abgeliefert zu haben. Am Nachmittag entdeckte die Mutter ihre Tochter tot im Wagen, berichtet die Zeitung „20 Minuten“.
Doch auch kürzere Zeiträume im warmen Auto sind gefährlich, denn die Temperaturen im Wageninneren steigen rasant. Die American Meterological Society gibt an, dass sich ein Auto bei direkter Sonneneinstrahlung schon innerhalb von 5 Minuten um 4 Grad Celsius, in 10 Minuten um 7 Grad, in 30 Minuten um 16 Grad und in 60 Minuten um 26 Grad aufwärmt. Selbst bei 26 Grad Außentemperatur ist es im Auto nach einer halben Stunde also 52 Grad warm.
So schnell heizt sich das Auto bei direkter Sonneneinstrahlung auf:
Selbst etwaig geöffnete Fenster helfen nicht, damit es drinnen kühl bleibt. Der ADAC hat entsprechende Untersuchungen gemacht. Dabei haben baugleiche Autos mit unterschiedlich geöffneten Fenstern bei 28 Grad Außentemperatur fast dieselben bedrohlichen Werte erreicht. Blieben die Fenster zu, stieg die Temperatur schon nach zehn Minuten auf 38 Grad. Deutlich über 50 Grad wurden nach einer Stunde in der prallen Sonne in beiden Autos gemessen.
Experten warnen regelmäßig vor den Risiken vor allem für Kleinkinder durch das schnelle Aufheizen von Autos im Sommer. Ihre Körper seien nicht so gut wie die von Erwachsenen fähig, Temperaturen zu regeln und erwärmten sich drei- bis fünfmal schneller, heißt es etwa vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Ab 46 Grad Celsius wird es im Auto für Kinder kritisch, so die Experten.
Für Hunde gilt: Bereits ab 40 Grad können bleibende Schäden entstehen; jenseits der 45 Grad besteht unmittelbare Lebensgefahr durch einen Hitzschlag, so der ADAC.
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Wer als Passant im Sommer ein Auto mit allein zurückgelassenen Kindern oder Tieren entdeckt, sollte je nach Situation schnell handeln. Der ADAC weist darauf hin, dass insbesondere kleine Kinder sich nicht zu helfen wissen und meist auch gar nicht allein aus dem Kindersitz kommen. Deshalb ist es ratsam, im Zweifel andere auf die Situation hinzuweisen.
Auf einem Supermarktparkplatz könnte man zuerst versuchen, die Verantwortlichen im Laden ausrufen zu lassen. Aber auch Polizei oder oder Feuerwehr zu rufen, sei stets richtig. Die Rettungskräfte können das Auto öffnen, ohne die Scheibe einzuschlagen, was ansonsten vielleicht die Insassen verletzen könnte.
Mit dpa-Material