Gegen Lebensmittel-Verschwendung  Restaurant Fang in Rhauderfehn verschenkt Sushi und Nachtisch

Clarissa Scherzer
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Von Clarissa Scherzer
| 16.10.2023 12:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Tilo Bunger (15) aus Ostrhauderfehn probiert im Asia-Restaurant Fang Sushi vom Buffet. Falls abends zu viel vom Essen übrigbleibt, verschenkt das Restaurant mittlerweile an ausgewählten Tagen die Spezialitäten. Fotos: Scherzer
Tilo Bunger (15) aus Ostrhauderfehn probiert im Asia-Restaurant Fang Sushi vom Buffet. Falls abends zu viel vom Essen übrigbleibt, verschenkt das Restaurant mittlerweile an ausgewählten Tagen die Spezialitäten. Fotos: Scherzer
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Um gegen die Verschwendung von Lebensmitteln vorzugehen, hat sich das Asia-Restaurant etwas Neues ausgedacht. Es ist nicht die erste Aktion, mit der der Betrieb das Wegwerfen von Essen bekämpfen will.

Westrhauderfehn - Ende des vergangenen Jahres machte das Asia-Restaurant Fang in Westrhauderfehn durch die Einführung von zehn Euro Bußgeld für nicht leer gegessene Teller deutschlandweit Schlagzeilen. Nun wartet Fangs Restaurantmanager Zi Ye mit einer weiteren Aktion zur Rettung von Nahrungsmitteln auf. Damit am Ende des Tages noch weniger Lebensmittel im Müll landen, gibt es seit Anfang Oktober an ausgewählten Tagen Gratis-Essen zum Mitnehmen.

„Wir haben immer viele Tischreservierungen, aber man weiß nicht, wie viele Tagesgäste dazu kommen. Das ist so“, schilderte der Restaurantmanager die Problematik. Es lasse sich im Vorfeld also schwer einschätzen, wie viel Lebensmittel tatsächlich benötigt werden. Was übrig bleibt, gibt es gratis. „Wir verschenken es, wir haben ein gutes Herz“, beschreibt Ye die neue Aktion, die er bislang zweimal durchführte. „Wir haben heute viel Sushi über. Wir verschenken es kostenlos. Bringen Sie einen Dose mit“, lautete der Aufruf im Sozialen Netzwerk Facebook. Die spontane Aktion sei bei den Kunden gut angekommen. Am ersten Tag hätten mehr als zehn Leute bei Fang Gratis-Essen abgeholt. Beim zweiten Mal sei das Interesse deutlich größer gewesen. „Am zweiten Tag waren noch mehr da. Teilweise wollten sie uns Trinkgeld geben. Aber wir sagten: Nein, wir verkaufen das nicht. Einige riefen an, ob noch was da sei“, berichtete der Manager, der von der großen Nachfrage nach kostenlosem Essen überrascht gewesen ist.

Aktionen finden spontan statt

Aber auch seine Stammkunden profitierten von Gratis-Sushi. „Stammkunden sind wie Freundschaften und gute Bekannte. Die fragen wir, ob sie noch Essen mitnehmen wollen. Viele Gastronomen schmeißen lieber etwas weg, als es zu verschenken“, kritisierte Ye, der wie andere auch für die Entsorgung von Speiseresten Gebühren zahlen muss.

Wer Gratis-Essen von Fang möchte, muss spontan sein. Die Aktion werde kurzfristig und unregelmäßig auf Facebook angekündigt. Nur, wenn viel übrig sei und die Qualität noch stimme, werde Essen verschenkt. Aber nicht alles sei dafür geeignet. „Wir verschenken nur Sushi und Nachtisch. Warme Speisen, die im Buffet bei hoher Wassertemperatur gelagert werden, geben wir abends nicht mit. Wir garantieren nicht, dass es dann noch schmeckt“, betont Ye.

Nur wenige Bußgeld-Zahlungen

Übrigens: Die seit Ende 2022 geltende Regelung, dass bei nicht leer gegessenen Tellern mehr bezahlt werden muss, zeigt Wirkung. Bis heute habe Ye lediglich in wenigen Fällen von extremer Verschwendung das angedrohte Bußgeld in Rechnung gestellt.

Laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft landen deutschlandweit pro Jahr circa elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Dazu gehören übrig gebliebene Speisereste, nicht verkaufte Lebensmittel und ungenießbare Bestandteile wie Nuss- und Obstschalen, Strünke und Blätter, Kaffeesatz oder Knochen. Von den elf Millionen Tonnen Lebensmittel, die weggeworfen werden, entfallen 17 Prozent auf die Außer-Haus-Verpflegung durch Restaurants, Imbissbuden und Kantinen. Der Großteil der Lebensmittelabfälle entsteht mit 59 Prozent (6,5 Millionen Tonnen) in privaten Haushalten.

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