Gedenken an Holocaust Weitere Stolpersteine für jüdische Mitbürger in Leer verlegt
Rund 150 Menschen kamen am Sonntag zur Verlegung von 16 weiteren Stolpersteinen in Leer. Am Montag geht es in der Innenstadt weiter.
Leer - Dicht an dicht standen an diesem Sonntagvormittag, 2. Juni 2024, die Menschen auf dem Bürgersteig und teilweise auf der Fahrbahn der Hohen Loga in Leer. Die Stadtwerke hatten die Straße einspurig abgesperrt. Vor dem Haus mit der Nummer 34 wurden sechs Stolpersteine verlegt. Sie erinnern an sechs ehemalige jüdische Mitbürger der Stadt. Rund 150 Menschen waren gekommen. Bernd-Volker Brahms von der Initiativgruppe „Stolpersteine für Leer“ konnte auch Angehörige der Verstorbenen oder Vertriebenen begrüßen, unter anderem aus den Niederlanden und aus Frankreich.
„Wir können die Gräueltaten nicht ungeschehen machen, aber wir können die Opfer ehren und an sie erinnern“, sagte Bürgermeister Claus-Peter Horst zu Beginn der Veranstaltung. Nachdem in den vergangenen anderthalb Jahre in Leer insgesamt 32 Stolpersteine im Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus verlegt wurden, folgen jetzt 20 weitere Steine. Sie erinnern an die jüdischen Familien. Benjamin, Weinberg, Mendels, Menkel, de Vries und Mindus. Diesmal wird an zwei Tagen verlegt, sagt Bernd-Volker Brahms von der Initiativgruppe.
Künstler dieses Mal nicht vor Ort
Der erste Teil der Stolpersteinverlegung war an diesem Sonntagvormittag an der Hohen Loga 34. Weiter ging es zur Hohen Loga 14 sowie zum Roten Weg 24 in Loga. Der Künstler Gunter Demnig, der das Stolperstein-Projekt in den 1990er Jahren entwickelt hat und mittlerweile mehr als 110.000 Stolpersteine verlegt hat, ist dieses Mal nicht dabei. Am Sonntag verlegte der Niederländer Bruin Boerema zusammen mit Schülern der BBB II in Leer die Steine. Schülerinnen und Schüler der Möörkenschule und der BBS II lasen jeweils die Biografien der Familien vor. „Die Schicksale dieser Menschen fordern uns auf, für eine gerechte Gesellscahft und gegen Antisemitismus einzustehen. Nie wieder ist jetzt“, sagte BBS-Schüler Arthur Dannemann vor der Hohen Loga 34. Igor Kuzmin sorgte an den ersten zwei Stationen für Musik. Im Roten Weg spielte eine Klezmer-Gruppe.
Rund 20 Mitstreiter bringen das Projekt in Leer unter dem Dach der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit voran. Auch das Stadtarchiv, die Ehemalige Jüdische Schule (EJS) des Landkreises Leer sowie das Heimatmuseum seien beteiligt. „Wichtig ist uns die Zusammenarbeit mit den Schulen und der Kontakt zu den Angehörigen“, sagt Susanne Bracht von der EJS. Viel Energie hat die Recherchegruppe der Stolperstein AG in die Erforschung der Lebensläufe der Menschen gesteckt, für die jetzt Stolpersteine verlegt werden. „Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Fotos, Dokumente und Literatur zu den einzelnen Menschen ausfindig gemacht werden kann“, sagt Brahms.
Weitere Verlegung am Montag in der Innenstadt
Am Montag, 3. Juni, wurden in der Mühlenstraße 98 weitere Stolpersteine verlegt. Die Veranstaltung wurde im Wesentlichen von Schülerinnen und Schülern des Teletta-Groß-Gymnasiums gestaltet. Anschließend fand ein Empfang in der Ehemaligen Jüdischen Schule statt.
Auch diesmal gebe es wieder eine Broschüre, in der die Lebensgeschichten der Familien und weitere Hintergründe dokumentiert sind. Gegen einen Spendenbeitrag von zwei Euro könne das 60 Seiten starke Heft bei der Verlegung am Montag erworben werden, danach auch noch in der Ehemaligen Jüdischen Schule und dem Heimatmuseum.
Künstler Gunter Demnig wird erst im Juni 2025 bei der bereits in Vorbereitung befindlichen Veranstaltung wieder nach Leer kommen, so Brahms. Dann würden Steine in der Rathausstraße verlegt.