Holladihiti in Emden  So gingen Ottos Geburtstagspartys in den 1980er Jahren ab

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 22.07.2024 10:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Sie waren gute Freunde: Willem (von links), Otto Waalkes und Bauer Piepenbrink alias Günther Willumeit. Fotos: H. Müller/Archiv
Sie waren gute Freunde: Willem (von links), Otto Waalkes und Bauer Piepenbrink alias Günther Willumeit. Fotos: H. Müller/Archiv
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Otto Waalkes wird an diesem Montag, 22. Juli 2024, 76 Jahre alt. In den 1980er Jahren feierte er noch Partys mit hoher Promi-Quote am Uphuser Meer in Emden. Ein Blick zurück.

Emden - Holladihiti! Der Komiker Otto Waalkes ist seit mehr als fünf Jahrzehnten aus der deutschen Humorlandschaft nicht wegzudenken. Es gibt kaum jemanden, der den „Friesenjung“ aus Emden seine Gags, Filme oder Ottifanten nicht kennt – über mehrere Generationen hinweg. Sein unverkennbarer Stil hat sich dabei kaum geändert. Zugleich erfindet sich der Kult-Ostfriese immer wieder neu – er ist Schauspieler, Komiker, Musiker und Maler. An diesem Montag, 22. Juli 2024, wird der Tausendsassa 76 Jahre alt.

Zum 35. gab es einen Hubschrauber aus Marzipan

Eine besondere Torte gab es für Otto vor 40 Jahren zu seinem 35. Geburtstag. Es war ein Hubschrauber aus Marzipan, den ihn damals Freunde schenkten. Das spezielle Backwerk sollte an die Künste des Komikers in der Luft erinnern. Denn der ostfriesische Götterbote hat einen Pilotenschein. In früheren Zeiten kam er manches Mal auch mit dem Flugzeug oder einem Hubschrauber in seine Vaterstadt.

Seinen 35. und auch einige folgende Geburtstage feierte der Komiker nach seinem großen Durchbruch damals in seiner ostfriesischen Heimat, genauer gesagt am Uphuser Meer, dem idyllischen Binnensee vor den Toren Emdens. Reporter Heiko Müller war damals schon für diese Zeitung dabei und erinnert sich ebenso wie alte Emder Freunde von Otto sowie einige Wochenendhausbesitzer am Uphuser Meer noch gut daran. Er hatte seine Erinnerungen schon 2013 für diese Zeitung geschildert und hat jetzt noch einmal im Archiv gekramt.

Promis gaben sich die Klinke in die Hand

In den 80er Jahren verwandelte sich das eher beschauliche Uphuser Meer einige Male in einen Ort mit hohem Promi-Faktor. Wenn Otto Waalkes zu seinen Geburtstagspartys lud, gaben sich damals schon Größen aus Fernsehen, Funk und Film dort die Klinke in die Hand, wo sich sonst Fuchs und Hase gute Nacht sagen.

Otto besaß damals ein Wochenendhaus am Uphuser Meer – eine „Meerbude“, die sich im bescheidenen Komfort von anderen nicht unterschied. Während sein Ruhm stets wuchs, erholte sich der Komiker zurückgezogen und ungestört von Fans und Autogrammjägern zwischen seinen Auftritten oder bereitete sich auf Tourneen vor.

Im Tieflug über das Uphuser Meer

Damals war der Blödel-König ein „Meerfahrer“ wie jeder andere. Er fiel nur auf, wenn er auf dem Surfbrett, im Segelboot oder beim Schwimmen seine typischen Faxen machte. Wenn er seine Heimatstadt verließ, verabschiedete sich der Komiker mit Pilotenschein häufig auch mit einem Tiefflug über das Uphuser Meer von seinen Nachbarn und Freunden.

Ort der Geburtstagsparty zum 35. war eine Kneipe am Ufer des Binnensees. Es war eine Art Bretterbude mit knarrendem Tanzboden, Musicbox und alten Sofas – nicht gerade exklusiv, aber speziell. Mehr als 100 Gäste drängten sich in dem Lokal mit dem langen Tresen. Neben der Familie, Freundin Manou Ebelt, die Otto später heiratete, und alten Freunden aus Emden kamen auch Künstler, Fernsehmacher und Filmschaffende.

Alte Hamburger Freunde gaben sich ein Stelldichein

Es waren zwar noch nicht die ganz großen Namen des Show-Geschäfts, aber es waren alles Wegbegleiter und Wegbereiter von Waalkes, dessen große Karriere in der berühmten „Hamburger Szene“ der 70er Jahre begann. Wenige Wochen nach seinem 35. Geburtstag startete Otto Waalkes eine Tournee durch die Bundesrepublik, Österreich und die Schweiz, bei der Ottos zehnte Fernsehshow und sein zehntes Album aufgenommen wurden.

Bei der Feier zum 38. Geburtstag: Otto Waalkes (Mitte) im Kreise von Emder Freundinnen und Freunden.
Bei der Feier zum 38. Geburtstag: Otto Waalkes (Mitte) im Kreise von Emder Freundinnen und Freunden.

Doch im Laufe der Jahre wuchs mit der Popularität Ottos auch die Gästeschar. Die kleine Kneipe reichte nicht mehr. Die Party zum 38. Geburtstag stieg 1986 mit 300 Gästen in einem Festzelt, in dem es von Ottifanten nur so wimmelte – sowohl auf den Tischdecken, auf Luftballons und auf der dreistöckigen Geburtstagstorte trieben sich die Comictiere herum. Einige Gäste aus Hamburg wurden damals eigens mit einem Hubschrauber eingeflogen, der auf einer grünen Wiese gleich neben dem Festzelt am Uphuser Meer landete. Drei Bands spielten.

Willem hatte es auf die Krabben abgesehen

Eine der schillerndsten Figuren unter den Stammgästen der Partys war Wilken F. Dincklage alias „Willem“ oder „der dicke Willem“. Der 1994 im Alter von 52 Jahren gestorbene Schlagersänger, Musiker und Radiosprecher hatte 1972 zusammen mit Otto und anderen aus der Hamburger Szene die „Rentnerband“ gegründet. Später spielte er in den ersten drei Otto-Filmen mit.

Ausgestattet mit schwarzem Schlapphut auf Wuschelhaar, mit Kinn- und Backenbart machte sich das Schwergewicht bei den Otto-Partys immer als erster über das kalte Büfett her. Ebenso gut gelaunt wie brummelig hatte er es vor allem auf die Greetsieler Krabben abgesehen, von denen Otto immer reichlich auffahren ließ. Der Komiker selbst liebt Krabben, die er auch heute bei Besuchen in der Heimat stets genießt.

Auch Fernsehmacher und Filmproduzenten waren dabei

Nur die Hummer auf den Büfetts bekamen die Gäste allenfalls zu sehen. Damals erzählte man sich, dass Ottos Freundin Manou die schmackhaften Krustentiere frühzeitig für den Eigenverzehr „in Sicherheit“ brachte.

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Zu den Stammgästen der Geburtstagspartys gehörten auch der TV-Unterhaltungsredakteur und Regisseur Rolf Spinrads, der Waalkes im Fernsehen populär machte, Filmproduzent Horst Wendlandt, der Musiker, Komiker, Radiomoderator und Schauspieler Hans Herbert Böhrs, der in Emden auch schon für die TV-Comedyshow „Bananas“ vor der Kamera stand und einer der Gründungsväter der „Hamburger Szene“ war. Auch der frühere Stern-Herausgeber und Stifter der Emder Kunsthalle, Henri Nannen, stieß vor 40 Jahren mit Otto auf das neue Lebensjahr an.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel ist in ähnlicher Form zum ersten Mal am 19. Juli 2023 erschienen.