Analyse der Arbeitsmärkte  Frauen-Lohn auf dem Land – anderswo höher als in Ostfriesland?

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 19.11.2024 17:31 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 8 Minuten
In welchen Jobs arbeiten Frauen – wie viele Frauen sind in Ostfriesland überhaupt erwerbstätig? Symbolfoto: Marijan Murat/dpa
In welchen Jobs arbeiten Frauen – wie viele Frauen sind in Ostfriesland überhaupt erwerbstätig? Symbolfoto: Marijan Murat/dpa
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Berufstätige Frauen werden in Ostfriesland noch schlechter bezahlt als vielerorts in Deutschland. Liegt’s am ländlichen Wirtschaftsraum oder verdienen Frauen in ähnlich strukturierten Gegenden besser?

Ostfriesland - Soweit die bloße Erwerbstätigkeit von Frauen ein Maßstab für Gleichberechtigung ist, liegt Bayern in Deutschland konkurrenzlos vorne. Vergleicht man die 400 Landkreise und kreisfreien Städte, was den Anteil ihrer erwerbstätigen Einwohnerinnen betrifft, sind 55 bayerische Kreise und Städte unter den 70 Bestplatzierten. Aus Niedersachsen haben es nur die Kreise Vechta und Ammerland in die Top 70 geschafft. Das geht aus Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder hervor, die sie in ihrer Zensus-Datenbank im Internet veröffentlicht haben. Stand: 15. Mai 2022.

Der ostfriesische Landkreis Wittmund liegt in diesem Deutschland-Ranking auf Rang 266 – dort sind 45,79 Prozent der Frauen erwerbstätig. Auf Rang 283 folgt der Kreis Leer mit 45,2 Prozent, auf Rang 296 der Kreis Aurich mit 44,94 und auf Rang 350 die Stadt Emden mit 43,35 Prozent. Zum Vergleich: Der erstplatzierte Landkreis Erding kommt auf einen Erwerbstätigen-Anteil von 54,8 Prozent bei den Frauen, die letztplatzierte Stadt Gelsenkirchen auf 36,1 Prozent.

Die Beschäftigungssituation von Frauen in Ostfriesland

In einer kürzlich veröffentlichten Analyse zu den „besonders frauenfeindlichen Arbeitsbedingungen in Ostfriesland“ konnte folgende Frage nur bedingt beantwortet werden: Wie viele Frauen sind in der Region überhaupt berufstätig? Zum damaligen Zeitpunkt lag dem Autor nur die Beschäftigungsquote vor. In dieser Quote, die von der Bundesagentur für Arbeit ermittelt wird, sind aber Mini-Jobberinnen, Beamtinnen, Selbstständige und unbezahlt mithelfende Familienangehörige nicht enthalten.

Beschäftigungsquoten von Frauen und Männern im Deutschland-Ranking. Quelle: Bundesagentur für Arbeit / BMFSFJ
Beschäftigungsquoten von Frauen und Männern im Deutschland-Ranking. Quelle: Bundesagentur für Arbeit / BMFSFJ

Aussagekräftiger ist daher die Erwerbstätigenquote. „Die Erwerbstätigenquote ist der Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung beziehungsweise an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (Bevölkerung im Alter von 15 und mehr Jahren)“, erklärt das Statistische Bundesamt. Die Bundesbehörde und die Statistischen Landesämter betreiben im Internet eine Zensus-Datenbank, in der unter anderem Zahlen zur Erwerbstätigkeit von Frauen und Männern enthalten sind.

Die Zahlen-Verhältnisse von Frauen und Männern in Ostfriesland

Beim Vergleich der geschlechterbezogen aufgeschlüsselten Statistiken fällt Folgendes auf: Es leben mehr Frauen (230.710) als Männer (223.200) in Ostfriesland, aber die Männer sind sowohl bei den Erwerbstätigen (116.190 zu 103.750) als auch bei den Erwerbslosen (7000 zu 6300) in der Überzahl.

Diese Tabelle zeigt, wie viele Frauen und Männer in Ostfriesland leben und wie viele von ihnen erwerbstätig sind – und wie viele erwerbslos. Diese Daten aus der Zensus-Datenbank haben den Stand vom 15. Mai 2022. Quelle: Statistik-Ämter / Zensus-Datenbank
Diese Tabelle zeigt, wie viele Frauen und Männer in Ostfriesland leben und wie viele von ihnen erwerbstätig sind – und wie viele erwerbslos. Diese Daten aus der Zensus-Datenbank haben den Stand vom 15. Mai 2022. Quelle: Statistik-Ämter / Zensus-Datenbank

Erwerbstätige und Erwerbslose bilden die Gruppe der Erwerbspersonen. Dazu zählen laut Definition der Bundeszentrale für politische Bildung „alle Arbeitnehmer in einem Arbeitsverhältnis, die Selbstständigen und die Angehörigen der freien Berufe, sowie die Erwerbslosen, das heißt die Arbeitslosen, die einen Arbeitsplatz suchen, unabhängig davon, ob sie bei der Agentur für Arbeit gemeldet sind oder nicht“. Alle anderen Einwohnerinnen und Einwohner sind demnach „Nichterwerbspersonen, die keinerlei auf Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben oder suchen, zum Beispiel Kinder, Schüler, Studenten, ältere Personen und Frauen oder Männer, die ausschließlich im eigenen Haushalt tätig sind“ (siehe Hausfrauen-Analyse).

Die Stellung der Frauen im Beruf – in Ostfriesland und Nachbarschaft

Aus den Statistiken geht auch hervor, welche Stellung Frauen und Männer im Beruf haben. Es geht darum, wie viele als Angestellte beziehungsweise Arbeiter*innen tätig sind, wie viele als Beamt*innen arbeiten und wie viele als Selbstständige mit oder ohne Beschäftigte Geld verdienen. Im Landkreis Wittmund sind die Hälfte der Angestellten/Arbeitenden weiblich, ansonsten sind Frauen überall in der Unterzahl – nur nicht bei den „Mithelfenden Familienangehörigen“. Da sind sie deutlich in der Überzahl.

Die Frauenanteile an den Erwerbstätigen insgesamt sowie an Angestellten/Arbeiter*innen, Beamt*innen, Selbstständigen mit und ohne Beschäftigten sowie mithelfenden Familienangehörigen – in den Landkreisen Aurich, Leer und Wittmund sowie der Stadt Emden. Und in den ostfriesischen Nachbarkreisen Ammerland, Cloppenburg, Emsland und Friesland sowie der Stadt Wilhelmshaven. Quelle: Statistik-Ämter / Zensus-Datenbank

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In benachbarten Gebietskörperschaften sieht es für Frauen teilweise besser aus. Im Landkreis Ammerland sind sie bei den Angestellten/Arbeitenden sogar in der Überzahl, im Beamtenapparat sind sie gleichauf. In den Landkreisen Cloppenburg und Emsland gibt es sogar mehr Beamtinnen als Beamte.

Frauen im Staatsdienst – so wenige Beamtinnen gibt es in Ostfriesland

Geht der Staat als Arbeitgeber mit gutem Beispiel voran, was die Gleichberechtigung von Frauen und Männern betrifft? Erstellt man ein Deutschland-Ranking bezüglich des Beamtinnen-Anteils, so finden sich die Stadt Emden und die Landkreise Leer, Aurich und Wittmund in der unteren Hälfte. In Emden ist der Beamtinnen-Anteil immerhin etwas höher als der Frauen-Anteil an den Erwerbstätigen insgesamt. Im Kreis Leer sind die beiden Prozentwerte ungefähr gleich hoch. Der Landkreis Wittmund belegt mit einem Beamtinnen-Anteil von 38,1 Prozent den 379. Platz von 400.

Der Frauen-Anteil an allen Erwerbstätigen im Vergleich zum Frauen-Anteil im Beamtenbereich – in den Landkreisen Aurich, Leer und Wittmund sowie in der Stadt Emden. Und in den ostfriesischen Nachbarlandkreisen Friesland, Ammerland, Cloppenburg und Emsland sowie der Stadt Wilhelmshaven. Quelle: Statistik-Ämter / Zensus-Datenbank

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Mit Beamten und Beamtinnen werden Stellen besetzt, die für das Funktionieren des Staates besonders wichtig erscheinen. Das Verhältnis von Männern und Frauen ist hier also nicht nur eine Frage der Gleichberechtigung bei der Stellenvergabe. Die Zahl der Beamtinnen könnte sich vielmehr auch auf das Behördenhandeln auswirken, wenn es um die Gleichberechtigung der Geschlechter geht.

In welchen Wirtschaftsbereichen arbeiten viele Frauen in Ostfriesland?

Die Zensus-Datenbank bietet zudem Zahlen aus dem Jahr 2022, die Aufschluss darüber geben, wie die erwerbstätigen Frauen auf die drei Wirtschaftszweige verteilt sind. Sogar in Ostfriesland spielt der Sektor Land- und Forstwirtschaft samt der Fischerei keine große Rolle: 2,5 Prozent der erwerbstätigen Frauen arbeiten hier in diesem Sektor. Der überwiegende Teil der erwerbstätigen Frauen in der Region ist in Dienstleistungsbereichen tätig: 85,6 Prozent.

Die Frauenanteile an den Erwerbstätigen in verschiedenen Wirtschaftsbereichen – in den Landkreisen Aurich, Leer und Wittmund sowie der Stadt Emden. Und in den ostfriesischen Nachbarkreisen Ammerland, Cloppenburg, Emsland und Friesland sowie der Stadt Wilhelmshaven. Quelle: Statistik-Ämter / Zensus-Datenbank
Die Frauenanteile an den Erwerbstätigen in verschiedenen Wirtschaftsbereichen – in den Landkreisen Aurich, Leer und Wittmund sowie der Stadt Emden. Und in den ostfriesischen Nachbarkreisen Ammerland, Cloppenburg, Emsland und Friesland sowie der Stadt Wilhelmshaven. Quelle: Statistik-Ämter / Zensus-Datenbank

Beim Vergleich von Männern und Frauen stellt sich heraus, dass mehr als die Hälfte der Dienstleistungs-Jobs von Frauen erledigt werden. Im produzierenden Gewerbe dominieren die Männer mit rund 80 Prozent, im Bereich der Landwirtschaft in den ostfriesischen Landkreisen mit rund 70 Prozent. Der Nachbarlandkreis Ammerland fällt mit einem überdurchschnittlich hohen Frauen-Anteil in der Landwirtschaft auf: 39,2 Prozent.

So wenig Geld bekommen arbeitende Frauen in Ostfriesland

Ein Hauptzweck der Erwerbstätigkeit ist es, Geld zu verdienen. Aus der Analyse bezüglich der Arbeitsbedingungen für Frauen in Ostfriesland ging hervor, dass die mittleren Frauen-Einkommen in der Region (Medianentgelte pro Monat) noch niedriger sind als anderswo in Deutschland – und der Einkommensabstand zu den Männern noch größer ist als andernorts. Inwieweit ist dieser Zustand von Akteurinnen und Akteuren vor Ort zu verantworten – inwieweit ist diese Benachteiligung von Frauen strukturellen Rahmenbedingungen geschuldet, die landes- oder bundespolitischer Maßnahmen bedürften?

Unsere Redaktion hat die Medianentgelt-Statistiken der Bundesagentur für Arbeit für das Jahr 2023 unter Geschlechter- und Ostfriesland-Aspekten ausgewertet. Diese Tabelle zeigt, dass die ostfriesischen Landkreise unter den 400 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland weit hinten liegen – auf Platz 299 bis 327 bei den Männern. Bei den Frauen liegen die Kreise Aurich, Leer und Wittmund noch schlechter – auf den Rängen 349 bis 384. Quelle: Bundesagentur für Arbeit
Unsere Redaktion hat die Medianentgelt-Statistiken der Bundesagentur für Arbeit für das Jahr 2023 unter Geschlechter- und Ostfriesland-Aspekten ausgewertet. Diese Tabelle zeigt, dass die ostfriesischen Landkreise unter den 400 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland weit hinten liegen – auf Platz 299 bis 327 bei den Männern. Bei den Frauen liegen die Kreise Aurich, Leer und Wittmund noch schlechter – auf den Rängen 349 bis 384. Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Die Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP hat mit ihrem Gleichwertigkeitsbericht 2024 das Ziel verfolgt, gleichwertige Lebensverhältnisse in Deutschland zu schaffen – daher der Vergleich der Situation in allen 400 Landkreisen und Kreisfreien Städten. Im Oktober 2024 hat der Bundestag begonnen, sich mit dem Regierungsbericht zu befassen – doch kurz darauf ist bekanntlich die Regierungskoalition auseinandergebrochen. Schon die Initiative einer früheren Regierung aus CDU, CSU und SPD für ein gutes Leben in Deutschland ist nicht über einen Auftaktbericht hinausgekommen.

Eine Auswahl ähnlich strukturierter Landkreise und Kreisfreier Städte

Unabhängig davon, was die nächste Bundesregierung macht, stellt sich für Frauen in Ostfriesland die Frage, ob die Benachteiligung in der Region eher hausgemacht ist oder nicht. Mal provokativ überlegt: Vielleicht machen im ländlichen Raum mehr Frauen eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin als ein Studium für ein Lehramt oder an einer Verwaltungshochschule? Das könnte niedrige Monatsentgelte erklären – aber trotzdem ein Hinweis auf fehlende Gleichberechtigung sein.

Unsere Redaktion hat die Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland ausgewählt, die von Einwohnerzahl und Fläche her den Landkreisen Aurich, Leer und Wittmund sowie der Stadt Emden am ähnlichsten sind. Wenn man die Lebensverhältnisse in diesen Gebietskörperschaften vergleicht, wird tendenziell ersichtlich, für welche guten oder schlechten Kennzahlen es eher strukturelle Ursachen (bei ähnlichen Werten) oder ortsspezifische Ursachen (bei unterschiedlichen Werten) gibt. Quelle: Statistik-Ämter / Zensus-Datenbank
Unsere Redaktion hat die Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland ausgewählt, die von Einwohnerzahl und Fläche her den Landkreisen Aurich, Leer und Wittmund sowie der Stadt Emden am ähnlichsten sind. Wenn man die Lebensverhältnisse in diesen Gebietskörperschaften vergleicht, wird tendenziell ersichtlich, für welche guten oder schlechten Kennzahlen es eher strukturelle Ursachen (bei ähnlichen Werten) oder ortsspezifische Ursachen (bei unterschiedlichen Werten) gibt. Quelle: Statistik-Ämter / Zensus-Datenbank

Der Autor dieser Analyse hat daher Landkreise und Kreisfreie Städte gesucht, die strukturell – also von Einwohnerzahl, Fläche und Bevölkerungsdichte her – den Landkreisen Aurich, Leer und Wittmund sowie der Stadt Emden ähnlich sind. Dem Landkreis Aurich sind demnach der Alb-Donau-Kreis und die Landkreise Lüneburg, Ostholstein und Biberach am ähnlichsten. Bezüglich des Kreises Leer sind es die Kreise Waldshut und Herzogtum Lauenburg. Am Kreis Wittmund ist der Kreis Cochem-Zell am nächsten dran. Und der Stadt Emden ist die kreisfreie Stadt Neustadt an der Weinstraße am ähnlichsten.

Ostfriesland im Vergleich mit ähnlich strukturierten Kreisen und Städten

Das Frauen-Medienentgelt im Landkreis Aurich lag im Jahr 2023 laut Arbeitsagentur bei 2971,77 Euro. Die Vergleichslandkreise bewegen sich zwischen 2797 Euro (Vogtlandkreis) und 3853 Euro (Landkreis Biberach). Die Vergleichskreise von Leer (2974,82 Euro) liegen zwischen 3191 (Günzburg) und 3333 Euro (Rhein-Lahn-Kreis), die Vergleichskreise von Wittmund (2838,78 Euro) zwischen 2789 Euro (Sömmerda) und 3465 Euro (Holzminden).

Mittlere Monatseinkommen in den Landkreisen Aurich, Leer und Wittmund sowie in der Stadt Emden – sowie in strukturell ähnlichen Landkreisen und Kreisfreien Städten. Das Medianentgelt ist das mittlere monatliche Arbeitseinkommen von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten – brutto, also bevor Steuern und Sozialversicherungsbeiträge abgezogen werden. Quelle: Bundesagentur für Arbeit

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Die Stadt Emden, in der sich ein VW-Werk befindet, schneidet besser ab: 3424,18 Euro. Die Vergleichsstädte kommen auf 3157 Euro (Zweibrücken) bis 3516 Euro (Ansbach und Baden-Baden). Und Neustadt an der Weinstraße – die Emden strukturell ähnlichste Kreisfreie Stadt – liegt mit 3404,49 Euro praktisch gleichauf.

In Ostfriesland werden Frauen überdurchschnittlich diskriminiert

Erstellt man ein Deutschland-Ranking der 400 Landkreise und Kreisfreien Städte bezüglich der mittleren Monatseinkommen von Frauen, so belegt Aurich unter den Vergleichslandkreisen den zweitschlechtesten Platz (Rang 351), Leer den schlechtesten Platz (349) und Wittmund den zweitschlechtesten Platz (384). Die Stadt Emden liegt dahingegen auf dem mittleren Platz unter den Vergleichsstädten und relativ weit oben in der bundesweiten Rangliste – auf Platz 130.

Der bereinigte Gender Pay Gap (Entgeltabstand zwischen Männern und Frauen) ist beispielsweise um den Effekt bereinigt, dass Frauen teilweise in schlechter bezahlten Branchen arbeiten. Der bereinigte Parameter soll also aufzeigen, in welchem Ausmaß die Geschlechter-Unterschiede beim Lohn auf Diskriminierung zurückzuführen sind. Aus der Tabelle geht hervor, wie Ostfriesland und die Landkreise Friesland, Ammerland, Cloppenburg und Emsland sowie die Stadt Wilhelmshaven im Deutschland-Vergleich der Bundesregierung abgeschnitten haben. Quelle: Gleichwertigkeitsbericht 2024 der Bundesregierung
Der bereinigte Gender Pay Gap (Entgeltabstand zwischen Männern und Frauen) ist beispielsweise um den Effekt bereinigt, dass Frauen teilweise in schlechter bezahlten Branchen arbeiten. Der bereinigte Parameter soll also aufzeigen, in welchem Ausmaß die Geschlechter-Unterschiede beim Lohn auf Diskriminierung zurückzuführen sind. Aus der Tabelle geht hervor, wie Ostfriesland und die Landkreise Friesland, Ammerland, Cloppenburg und Emsland sowie die Stadt Wilhelmshaven im Deutschland-Vergleich der Bundesregierung abgeschnitten haben. Quelle: Gleichwertigkeitsbericht 2024 der Bundesregierung

Im Ergebnis bedeutet das, dass sich die besonders niedrigen Medianentgelte von Frauen in den Landkreisen Aurich, Leer und Wittmund nicht mit der ländlichen Struktur des Wirtschaftsraums erklären lassen. Die Ursachen für die überdurchschnittliche berufliche Benachteiligung von Frauen in Ostfriesland sind folglich anderer Natur. Das belegt auch der Umstand, dass die Arbeitsentgelte von Frauen noch weiter unter den Arbeitsentgelten von Männern liegen als in anderen Regionen (Gender Pay Gap). Man nennt das Diskriminierung – und das ist das Gegenteil von Gleichberechtigung.

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