Lesermeinung Besteuerung | Stau | Meinungsfreiheit
Bei der OZ reden die Leserinnen und Leser mit. Hier haben wir Leserbriefe der vergangenen Tage gesammelt.
Besteuerung der Überreichen
In seiner Kolumne vom 22. Januar kritisiert Dieter Weirich die SPD. Es sei wegen der momentan kritischen Lage der Wirtschaft nicht der richtige Zeitpunkt über eine Erbschaftssteuer-Reform zu diskutieren. Hält er womöglich die Einlassungen von Kanzler Merz zum Verhalten der Arbeitnehmer für hilfreich: „Missbrauch bei telefonischer Krankschreibung, Work-Life-Balance, zu viele Feiertage“. Ich finde es unredlich und dem Klima im Land nicht dienlich, den Arbeitnehmern die Schuld für das Schwächeln der Wirtschaft zuzuschieben. 2024 betrug die Zahl der Überstunden beispielsweise 1,3 Mrd., das sind durchschnittlich 32 Stunden pro Beschäftigten (Quelle: Manager Magazin“). Gut die Hälfte der Überstunden bekommen die Arbeitgeber geschenkt. Für den sozialen Frieden in diesem Land ist es dringend nötig, die soziale Ungleichheit zu verringern. Die Unwucht bei der Vermögensverteilung ist hinlänglich bekannt. Nur ein Beispiel: In Deutschland ist die Zahl der Milliardäre 2025 um ein Drittel auf nun 172 gestiegen. Darum ist es richtig, jetzt darüber zu diskutieren, wie „Überreiche“ durch höhere Abgaben ihren Beitrag zur Bewältigung der Probleme leisten können. Aber es geht nicht nur um soziales Ungleichgewicht. Die Organisation Oxfam beobachtet besorgt, dass die Wirtschaftsmacht Superreicher sich immer deutlicher in politischer Macht niederschlägt und dadurch die Demokratie immer weiter ausgehöhlt wird. Und dabei muss man nicht nur an Elon Musk denken.
Volker Kähler
Emden
Vier Stunden im Stau
Ich bin am 23. Januar morgens um kurz vor sieben von Westoverledingen nach Emden gefahren. Die K 22 und am Deich war top gepflegt. Man musste nur angepasst fahren. Das Kopfsteinpflaster in den einzelnen Dörfern war selbstverständlich rutschig. Das passiert allerdings auch bei Regen. Die meisten Autofahrer, die ich getroffen habe, haben besonnen reagiert, die Geschwindigkeit angepasst und die Abstände zum Vordermann vergrößert. Es gab natürlich immer wieder Ausnahmen, die meinten überholen zu müssen oder so dicht aufzufahren, dass bei dem ersten Anzeichen von Bremsen der Unfall vorprogrammiert war. Das Navigationssystem lotste mich an der Autobahn Abfahrt vorbei, so dass ich über Hesel auf die Schnellstraße zur A 31 fahren musste. Alle Straßen, die ich befahren habe, waren von den Winterdiensten top vorbereitet worden und wer angepasste Fahrweise eingehalten hat und Abstände einhält, kam auch unbeschadet an. Ab Neermoor war dann die Autobahn geschmeckt mit Blaulicht auf beiden Seiten, was aber den ein oder anderen nicht erschreckte, auch noch mal zu überholen. Ansonsten muss ich sagen, dass die Straßen sehr gut vorbereitet waren die Straßenmeistereien ein super Job abgegeben haben und man problemlos von A nach B fahren konnte allerdings mit eingeschränkter Geschwindigkeit, was dem ein oder anderen irgendwie nicht eingefallen ist.
Peter Groeneveld
Moormerland
Meinungsfreiheit
Zum Thema Meinungsfreiheit möchte ich dem Chefredakteur Burkhard Ewert für seinen kritischen Anstoß danken. Er rührt an ein Grundproblem, das Niklas Luhmann so beschrieb: Massenmedien bilden die Welt nicht ab, sie konstruieren eine eigene Realität. Dabei entsteht ein gefährlicher Widerspruch: Was medial nicht erwähnt wird, existiert im öffentlichen Bewusstsein faktisch nicht. Diese „Zensur durch Schweigen“ ist ein mächtiges Instrument, das auch Politiker nutzen, um Diskussionen in ihrem Sinne zu lenken. Indem bestimmte Themen ausgeblendet und andere künstlich aufgeblasen werden, wird ein enges Narrativ vorgegeben. Ein Beispiel ist die öffentliche Sicherheit: Wenn über reale Missstände geschwiegen wird, entsteht eine Schein-Realität, die mit der Erfahrung der Menschen nicht übereinstimmt. Wer hier nur konsumiert, besitzt keine eigene Meinung, sondern wird zum bloßen Echo einer politisch gewollten Stimmung. Echte Meinungsfreiheit braucht jedoch ein eigenes Fundament. Wir müssen den Mut haben, auch das Unausgesprochene zu suchen und Informationen kritisch zu hinterfragen. Nur wer die Mechanismen der Realitätskonstruktion durchschaut, kann sich ein Urteil bilden, das den Namen „eigen“ wirklich verdient.
Dietmar Fecht
Moormerland
„Ein Krieg ist doch wohl etwas ganz anderes“
Die Kolumne von Frau Cordes in der Ausgabe am 27. Januar hat mich erschrocken zurückgelassen. Da sie die Registrierung zum Erwerb von Konzertkarten mit einen Krieg betitelt hat mach vom Sprachgebrauch geschockt. Ein Krieg ist doch wohl etwas ganz anderes, bei einem Krieg werden auf bestialische Weise Menschen gerötet, versehrt und vertrieben. Es werden und wurden Städte, Dörfer und ganze Landstriche verwüstet, es ist ja täglich zu lesen, sehen und zu hören. Ob es ihr bewusst war, dass wir gestern den Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust hatten, weiß ich nicht. Daher bitte ich sie, Frau Cordes in Zukunft etwas sorgfältiger mit dem Wort Krieg umzugehen.
Erich van der Wall
Moormerland
Teilzeitarbeit
Der Vorschlag aus der CDU-MIT hat sofort reflexartig eine Empörungswelle ausgelöst. Dabei geht es nicht um Abschaffung von Teilzeitarbeit, sondern nur um Einschränkung des Rechtsanspruches auf Teilzeitarbeit bei bestehenden Arbeitsverhältnissen und auch nicht um eine generelle Abschaffung. Im Kern geht es um eine gesetzliche Regelung, die eigentlich zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einvernehmlich ausgehandelt werden sollte. Sie stammt aus einer Zeit, als 5 Millionen Deutsche arbeitslos waren und Arbeit fehlte. Heute fehlen Facharbeiter und Arbeitsplätze für gering Qualifizierte. Die Empörungswelle wirft ein Schlaglicht auf die generellen Probleme der deutschen Wirtschaft. Ständig steigende Sozialversicherungsbeiträge und die Steuerprogression machen Mehrarbeit unattraktiv. Der Faktor Arbeit darf nicht durch Sozialversicherungsbeiträge immer weiter belastet werden. Das ruft nach einer umfassenden Sozialstaatsreform. Ist unsere Gesellschaft aber überhaupt reformfähig für dieses Kernthema? Unsere Gesellschaft möchte die sozialen Errungenschaften unbedingt erhalten und ausbauen, aber sie übersieht, dass sie ohne Neujustierung nicht zu finanzieren sind. Und haben unsere Politiker den Mut gegen diese Welle der Reformverweigerung zu entscheiden? Zweifel sind wohl sehr berechtigt.
Erich Hinrichs
Wittmund
„Danke für euren Einsatz!“
Blutspenden retten Leben – das ist uns allen bewusst. Doch viel zu selten schauen wir auf die Menschen, die solche Termine überhaupt erst möglich machen. In Wiesens werden die Blutspendetermine dreimal im Jahr von der Freiwilligen Feuerwehr Wiesens organisiert – und das nahezu vollständig ehrenamtlich. Neben Feuerwehrmitgliedern engagieren sich auch viele freiwillige Helferinnen und Helfer, die nicht der Feuerwehr angehören. Gemeinsam stemmen sie diese wichtige Aufgabe in Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz. Während andere ihren Feierabend genießen, stehen diese Menschen den ganzen Nachmittag in der Küche, bereiten alles vor, versorgen die Spenderinnen und Spender und spülen aus Gründen der Nachhaltigkeit Teller, Tassen, Gläser und Besteck von Hand. Wenn der Blutspendetermin gegen 20 Uhr endet, ist für sie noch lange nicht Schluss: Dann wird aufgeräumt, sauber gemacht und alles wieder an seinen Platz gebracht. Und am nächsten Morgen? Da stehen sie wieder ganz normal im Alltag: als Mütter und Väter, im Beruf, im Haushalt – oder vielleicht sogar im nächsten Einsatz als Helfer für andere. Ohne Applaus, ohne große Worte und ohne nach Anerkennung zu suchen. Genau deshalb möchte ich hier einfach einmal Danke sagen. Danke für euren Einsatz, eure Zeit, eure Geduld und euer Engagement. Ihr seid ein unverzichtbarer Teil unserer Gemeinschaft und ein starkes Beispiel dafür, was Ehrenamt wirklich bedeutet.
Timo Seeberg
Aurich-Wiesens