Frau am Freitag Mental Load bis zum Mond
Was tun, wenn das Druckerpapier unauffindbar ist – und die Person, die weiß, wo es liegt, im Weltall unterwegs ist? Und derjenige, der sucht, auch noch ausgerechnet ein Mann ist?
Was macht man, wenn man das Druckerpapier nicht finden kann und die Person, die vielleicht weiß, wo es liegt, blöderweise gerade auf einer Raumstation durchs Weltall fliegt? Klingt nach einer merkwürdigen Frage? Glauben Sie mir, die Antwort ist noch absurder. Die Frau am Freitag lehnt sich ganz weit aus dem Fenster und behauptet: Wären Frauen in dieser Situation, gäbe es für die meisten zwei Möglichkeiten: a) Sie suchen so lange weiter, bis sie das verdammte Papier gefunden haben. b) Sie fahren zum nächsten Supermarkt und kaufen einfach neues.
Allerdings war es in diesem Fall ein Mann, der das Papier nicht finden konnte. Und der entschied sich nicht für Möglichkeit a oder b, sondern hielt Möglichkeit c für am sinnvollsten: Er rief seine Frau, die NASA-Astronautin Christina Hammock Koch, auf der ISS an.
Koch, die zuletzt Astronautin bei der Artemis-2-Mission war, dem ersten Flug zum Mond seit Apollo 17, hatte in einem Interview erzählt, dass ihr Mann sie während ihrer früheren ISS-Mission mehrfach angerufen habe, weil er Dinge im Haushalt nicht habe finden können. In verschiedenen Medienberichten liest man, dass es sich dabei um Druckerpapier gehandelt haben soll. Ob es wirklich das Papier war oder die Fernbedienung oder die blaue Krawatte, spielt dabei aber überhaupt keine Rolle.
Nein, es sind bestimmt nicht alle Männer so. Manche können sicherlich selbst das Druckerpapier oder den Pfannenwender finden. Wir sind stolz auf euch. Aber sind wir mal ehrlich: Jede Frau hat doch schon solche Geschichten aus dem Bekanntenkreis gehört. Da ruft der Mann an, um zu fragen, wann nochmal der Zahnarzttermin ist oder weil er das Lieblingsstofftier vom Kind nicht findet.
Und nun könnte man das Ganze abtun und sagen: Na und? Hat er halt nachgefragt. Aber es geht nicht um diese eine Frage. Es geht darum, dass es noch immer selbstverständlich scheint, dass Frauen den Laden zusammenhalten, an alles denken, auf Abruf bereit sind und all die vermeintlich unwichtigen Dinge im Hinterkopf haben, für die der Mann in seinem Kopf keine Kapazitäten freiräumen will. Und da ist es egal, ob die Frau gerade in Elternzeit zu Hause oder als Ingenieurin im Weltall ist: Mental Load reicht von der Haustür bis (fast) zum Mond.