Einspeisevergütungen  EWE Netz rechnet ausstehende Solarstrom-Fälle in Ostfriesland ab

| | 05.05.2026 10:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Den Großteil der Fälle von fehlender Einspeisevergütung hat EWE Netz abgearbeitet. Manche Fälle erweisen sich jedoch als so komplex, dass ihre Lösung noch auf sich warten lässt. Foto: Melanie Hanz
Den Großteil der Fälle von fehlender Einspeisevergütung hat EWE Netz abgearbeitet. Manche Fälle erweisen sich jedoch als so komplex, dass ihre Lösung noch auf sich warten lässt. Foto: Melanie Hanz
Artikel teilen:

Viele tausend PV-Anlagenbetreiber warteten teilweise Jahre auf ihre Vergütung. Warum manche nun weiter warten müssen.

Ostfriesland/Oldenburg - Sie mussten teilweise mehrere Monate oder sogar Jahre auf ihre Einspeisevergütung für Solarstrom warten: Doch nun hat der Netzbetreiber EWE Netz für den größten Teil der Solarstrom-Einspeiser die fehlenden Abrechnungen erstellt. Zu den einigen tausend PV-Anlagenbetreibern, deren ausstehende Vergütungen nun aufgearbeitet sind, gehören auch zahlreiche Betroffene aus Ostfriesland.

EWE Netz: Taskforce prüft bekannte Fälle aus Ostfriesland

Es ging um Abschlagszahlungen und Jahresabrechnungen: Beträge für die Einspeisung von Solarstrom ins Stromnetz werden von EWE Netz monatlich als Abschlag auf die jährliche Einspeisevergütung ausgezahlt. Sie liegen bei den Betroffenen laut dem Oldenburger Netzbetreiber meist bei rund 30 Euro – abhängig von Anlagengröße, Eigenverbrauch und Vergütungssatz.

EWE Netz hatte für alle Fälle aus Ostfriesland, die über diese Redaktion bekannt wurden, eine Taskforce eingerichtet. „Sämtliche von Ihnen übermittelten Kundenfälle haben wir vollständig geprüft und abschließend gelöst“, teilte ein Sprecher nun mit. Lediglich in einem Fall ist die finale Abrechnung davon abhängig, dass der Stromanbieter noch Gerätedaten übermittelt, so EWE Netz.

Das sagt einer der Betroffenen

Einer der Betroffenen aus Ostfriesland bestätigt, dass sein Fall nun abgeschlossen ist. „Nachdem sich die ganze Zeit nichts tat, hatte ich EWE Netz am 11.4. erneut angeschrieben. Dann, und nur dann, ging es schnell. Schon am nächsten Tag erhielt ich die ausstehenden Jahresabrechnungen 2024 und 2025 sowie alle bis dato angefallenen Netzentgelte, also inklusive aktueller Abschlagszahlungen, für unsere Einspeisungen. Das musste ich dann erstmal intensiv prüfen“, berichtet er.

Zwar seien ihm dabei einige Dinge aufgefallen, doch „da ich weder kleinlich noch nachtragend sein möchte, gebe ich mich damit zufrieden, dass die Vergangenheit aufgearbeitet ist und es ab jetzt hoffentlich läuft“. Allerdings hätte er eine Versäumnisverzinsung erwartet. Denn: „Wir erhielten das Geld bis zu 18 Monate zu spät. Die EWE Netz konnte also mit Geld haushalten, das ihr nicht zusteht.“ Doch natürlich gab es nichts in dieser Form.

Aufarbeitung begann im Oktober 2025

Mitte Oktober 2025 hatte der Oldenburger Energienetzbetreiber eingeräumt, dass man bei einer mittleren vierstelligen Zahl von PV-Anlagen im Netzgebiet in einen Bearbeitungsstau geraten war. Um alle Fälle abzuarbeiten, hatte EWE Netz sich bis Frühjahr 2026 Zeit erbeten. Die Kundinnen und Kunden, die am längsten warteten, sollten ihr Geld zuerst erhalten, sagte das Unternehmen damals zu. Bei dieser Redaktion hatten sich daraufhin zahlreiche Betroffene aus Ostfriesland gemeldet, um ihren Frust und Ärger loszuwerden.

„Wir haben den Großteil der offenen Fälle bei der Auszahlung von Einspeisevergütungen aufgearbeitet“, sagte jetzt Claudia Lüke, Leiterin Marktprozesse und Kundendaten bei EWE Netz, auf Nachfrage. Noch offen sei jetzt eine niedrige vierstellige Zahl an Fällen. „Wir wissen, dass jeder noch offene Fall für die Betroffenen belastend ist. Dass einige Kundinnen und Kunden weiter auf Auszahlungen warten, bedauern wir sehr. Die verbleibenden Fälle bearbeiten wir mit hoher Priorität und zahlen sie so schnell wie möglich aus“, so Lüke. Es gehe dabei um weniger als 1 Prozent der rund 200.000 Solarstrom-Einspeiser im Netzgebiet.

Warum es länger dauert: mehr komplexe Altfälle

Dass die Aufarbeitung länger dauert als ursprünglich erwartet, hat laut EWE Netz zwei wesentliche Gründe: Zum einen sei die Zahl der manuell zu bearbeitenden Fälle im Verlauf der Aufarbeitung deutlich gestiegen. „Für mehrere tausend Fälle war vorgesehen, die monatlichen Zahlungen automatisiert wieder aufzunehmen. Das ließ sich technisch nicht wie geplant umsetzen“, erklärt Claudia Lüke. Dadurch habe die Fallzahl zeitweise etwa doppelt so hoch gelegen wie ursprünglich erwartet. „Diese zusätzlichen Fälle mussten einzeln bearbeitet werden.“

Zum anderen habe sich gezeigt, dass insbesondere ältere Fälle häufig deutlich komplexer sind als zunächst absehbar. „Hier müssen Angaben und Abrechnungsgrundlagen teilweise erneut im Detail geprüft und mit weiteren Beteiligten abgestimmt werden, etwa mit Installateuren, Messstellenbetreibern oder Vermarktern. Das macht die Bearbeitung zeitaufwendig“, erläutert Lüke.

Ein Abschlussdatum für die übrigen offenen Fälle lasse sich derzeit nicht bestimmen. „Grund ist, dass die übrigen Fälle unterschiedlich komplex sind und weitere individuelle Klärungen erfordern.“

Ähnliche Artikel