Aurich Mit Kunst „aufrütteln, ohne laut zu sein“
Herbert Müller aus Südbrookmerland hat das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen bekommen. Der Künstler engagiert sich auf vielfältige Weise.
Aurich - Für sein langjähriges und außergewöhnliches Engagement für die Erinnerungskultur, das soziale Miteinander und die Völkerverständigung ist Herbert Müller aus Südbrookmerland mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Die Ehrung würdigt seinen jahrzehntelangen, nachhaltigen Einsatz für ein respektvolles Miteinander und die Aufarbeitung der Geschichte des Konzentrationslagers Engerhafe, teilt der Landkreis Aurich mit.
„Sie schaffen es, sich in Ihren Bildern in beeindruckender Weise mit Themen wie Krieg, Diktatur und Gewalt auseinander zu setzen. Dabei mahnen und erinnern Sie, um die Gesellschaft wach zu rütteln“, sagte Landrat Olaf Meinen bei der Ordensübergabe im Sandhorster Krug. „Sie setzen sich für die Stärkung der Demokratie ein, ohne auf jemanden mit dem Finger zu zeigen. Und trotzdem gelingt es Ihnen, der Gesellschaft auch immer wieder einen Spiegel vorzuhalten“, so Meinen.
Treibende Kraft gegen das Vergessen
Seit drei Jahrzehnten ist Herbert Müller die treibende Kraft für die Erinnerungskultur rund um das ehemalige Konzentrationslager Engerhafe. Er trägt gemeinsam mit anderen engagierten Bürgern dazu bei, dass dieses dunkle Kapitel der Geschichte im Südbrookmerlander Ortsteil Engerhafe nicht vergessen wird.
Seit dem Jahr 1989 beschäftigt sich Herbert Müller in künstlerischer Form mit dem Lager, den Häftlingen, ihrem Leiden und dem dörflichen Umfeld. In Einzelwerken und Bildzyklen, die in mehreren Ausstellungen der Öffentlichkeit präsentiert wurden, verarbeitet der Künstler Berichte von Überlebenden und Aussagen von Zeitzeugen in eindrucksvollen Bildern.
Dieses Engagement hat 2009 zur Gründung des Vereins Gedenkstätte Konzentrationslager Engerhafe beigetragen. Im Vorstand des Vereins hat sich Herbert Müller von Anfang an als künstlerischer Leiter eingebracht. So entstand die Großplastik im Sandhorster Wald in Aurich, die auf den ehemaligen Einsatz- und Leidensort der Zwangsarbeiter hinweist. 2022 wurde das Umfeld des Mahnmals am Panzergraben mit neuen Hinweistafeln versehen. Sie ermöglichen Interessierten einen Zugang zur regionalen Zeitgeschichte.
Leidenschaft für ostfriesische Landschaftsbilder
Das gesellschaftliche Engagement von Herbert Müller geht weit über die Grenzen Ostfrieslands hinaus, teilt der Landkreis Aurich weiter mit. Er engagiere sich im Lions-Club Krummhörn und unterstütze als Mitglied ein Schulprojekt in Kambodscha, das er selbst initiiert hat. Inzwischen konnte dort eine Schule gebaut werden, die vielen jungen Menschen eine Lebensperspektive eröffnet.
Neben diesen Schwerpunkten seines Schaffens hegt der Künstler eine Leidenschaft für ostfriesische Landschaftsbilder, heißt es weiter. „Ihre Kunst rüttelt auf, ohne dabei laut zu sein“, sagte Olaf Meinen bei der Ordensverleihung vor Müllers rund 30 Weggefährten: „Und sie erinnert uns daran, wie zerbrechlich die Demokratie ist.“
„Angesichts all der lobenden Worte und der Anerkennung fühle ich mich ganz klein“, sagte ein sichtlich gerührter Herbert Müller im Anschluss an die Ehrung. Er selbst sehe sich als Teil vieler Projekte, die nur Mithilfe anderer möglich seien.