Bahn stand still Bahn-Chaos: Was wir über die Störung wissen und was nicht

dpa
|
Von dpa
| 23.06.2026 23:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine Störung des Bahnfunksystems hatte drastische Folgen. Foto: Rolf Vennenbernd
Eine Störung des Bahnfunksystems hatte drastische Folgen. Foto: Rolf Vennenbernd
Artikel teilen:

Ein Funk-Ausfall legt Züge lahm, die Deutsche Bahn sucht nach Antworten – und Fahrgäste nach Informationen. Was passiert ist und was vorerst ungeklärt bleibt.

Bei der Deutschen Bahn kam es am späten Dienstagabend zu einer deutschlandweiten Störung des digitalen Bahnfunksystems GSM-R, die rund zwei Stunden lang den Bahnverkehr weitgehend zum Stillstand brachte. Kurz nach Mitternacht wurde das Problem behoben, ab etwa 0.30 Uhr fuhren die ersten Züge wieder und der Verkehr lief schrittweise an.

 

Was wir wissen:

• Die Bahn nennt als Ursache eine Funkstörung. Betroffen ist der digitale Bahnfunk GSM-R. GSM-R steht für „Global System for Mobile Communications - Railway“. „Das GSM-R Mobilfunknetz ersetzt nahezu alle analogen Funksysteme der Deutschen Bahn AG“, heißt es auf der Webseite der DB InfraGo, der Betreiberin der Infrastruktur der Deutschen Bahn.

• Die Deutsche Bahn teilte mit, dass die Ursache der Störung in der Nacht identifiziert und behoben worden sei.

• Bahn-Chefin Evelyn Palla erklärte, die Lage sei mit Hilfe eines Notfallsystems stabilisiert worden.

• Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und die Deutsche Bahn stehen seit Dienstagabend im Austausch über den Vorfall.

• Als wahrscheinliche Ursache wird in Sicherheitskreisen ein fehlerhaftes Software‑Update der Deutschen Bahn vermutet. Sicherheitsbehörden gehen nach übereinstimmenden Angaben nicht von Sabotage oder einem Cyberangriff aus.

• Am Morgen danach lief der Zugverkehr im Regional‑ und Fernverkehr sowie im S‑Bahn‑Betrieb weitgehend planmäßig, wenn auch mit einzelnen Folgeverspätungen. Am Abend der Störung waren Fern‑ und Regionalverkehr, S‑Bahnen und Bahn‑Mitbewerber sowie der nächtliche Güterverkehr bundesweit betroffen.

• In der Nacht waren viele Reisende auf Bahnhöfen gestrandet; es kam zu langen Warteschlangen vor Informationen, vereinzelt fehlte die Kommunikation über Abfahrten. Taxi‑ und Hotelgutscheine wurden ausgegeben, allerdings waren nicht überall Unterkünfte verfügbar.

• Unter anderen Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), NRW‑Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) sowie der Verband der privaten Güterbahnen forderten eine vollständige Aufklärung des Vorfalls.

• Der stellvertretende SPD-Fraktionschef im Bundestag, Armand Zorn, fordert, wenn eine technische Störung den Bahnverkehr in großen Teilen Deutschlands beeinträchtigen könne, müsse schnell und umfassend gehandelt werden.

 

Was wir nicht wissen:

• Die Deutsche Bahn nannte trotz Identifizierung der Ursache zunächst keine konkreten technischen Details. Unklar bleibt daher, welche Komponenten oder Systeme genau betroffen waren.

• Es ist offen, ob tatsächlich ein fehlerhaftes Software‑Update verantwortlich war; hierzu laufen weiterhin interne Untersuchungen der Deutschen Bahn.

• Noch unklar ist, weshalb ein einzelnes System einen bundesweiten Komplettausfall verursachen konnte und warum bestehende Notfallmechanismen den Stillstand nicht verhindern konnten.

• Nicht geklärt ist, weshalb die Informationslage für Reisende an mehreren Bahnhöfen unzureichend war und welche Kommunikationsketten versagt haben.

• Offen ist bisher, wie viele Bahn-Reisende bundesweit in der Nacht betroffen waren.

• Keine Angaben liegen bisher zu den möglichen Kosten der Störung für die Bahn vor.

Ähnliche Artikel