Katastrophen Ausländische Helfer fliegen nach Erdbeben nach Venezuela
Mit Rettungskräften und Spürhunden unterstützen Länder wie Deutschland und Mexiko die Suche nach Überlebenden. THW-Präsidentin Lackner spricht von „entscheidenden Stunden“.
Internationale Hilfsteams mit Spürhunden bereiten sich auf den Einsatz in Venezuela vor. Nach den tödlichen Erdbeben, die das südamerikanische Land erschüttert haben, werden aus Ländern wie Deutschland und Mexiko Rettungskräfte entsandt, um nach Überlebenden zu suchen. Knapp 50 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) fliegen an diesem Freitag in das Katastrophengebiet.
Laut der Regierung des südamerikanischen Landes wurden bislang 235 Tote gezählt. Mehr als 4.300 Verletzte seien bisher in öffentlichen Krankenhäusern behandelt worden, sagte der venezolanische Gesundheitsminister Carlos Alvarado im Fernsehsender VTV. Rund 200 weitere Menschen sollen noch immer unter den Trümmern verschüttet sein, wie der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, sagte. Dabei dürfte es aber nur um diejenigen gehen, die bereits unter den Trümmern verortet wurden. Es gibt Hinweise darauf, dass die Gesamtzahl der Verschütteten in die Tausende gehen könnte.
„Entscheidende Stunden“
„In der Regel sagt man, 72 Stunden nach einem Erdbeben, das sind ganz entscheidende Stunden. Da können wir auch noch sehr viele Menschen lebend retten“, sagte THW-Präsidentin Sabine Lackner in Köln kurz vor der Abreise des Teams aus Deutschland. Es gebe aber auch danach immer wieder „Wunder“.
Der Abflug des THW-Teams war für Freitagmorgen vom Fliegerhorst Wunstorf in Niedersachsen mit einer Bundeswehr-Maschine geplant. Im Vordergrund stünden die Bergung und Rettung von Personen aus zerstörten Gebäuden, sagte Lackner. Zu der Schnell-Einsatz-Einheit gehörten vier Rettungshundeführer mit jeweils einem Hund.
Gemeinsame Lagebeurteilung mit Caracas geplant
Mexiko, das selbst schwere Erdbebenkatastrophen erlebt hat, schickt ein 250-köpfiges Team aus Rettungskräften und Medizinern mit vier Flugzeugen nach Venezuela, wie Präsidentin Claudia Sheinbaum mitteilte. Fünf Spürhunde und eine Drohne seien ebenfalls Teil des Einsatzes. „Sobald sie dort angekommen sind und gemeinsam mit den venezolanischen Behörden eine Lagebeurteilung vorgenommen haben, werden wir sehen, welche zusätzliche Hilfe sie benötigen“, sagte Sheinbaum. Auch weitere Länder haben Hilfe zugesagt.
Schwerste Naturkatastrophe seit Jahrzehnten in Venezuela
Zwei schwere Beben der Stärke 7,2 und 7,5 hatten am Mittwoch den Norden und das Zentrum Venezuelas erschüttert - im Abstand von nur 39 Sekunden. Es sei die schwerste Naturkatastrophe, die Venezuela in den vergangenen 30 Jahren erlebt habe, sagte Rodríguez, Präsident der Nationalversammlung und Bruder der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez. 250 Gebäude seien komplett zerstört oder beschädigt worden. Acht Krankenhäuser, 20 Einkaufszentren und 68 öffentliche Infrastruktureinrichtungen seien betroffen.
Schwere Schäden gab es besonders im Bundesstaat La Guaira an der Karibikküste. Die geschäftsführende Präsidentin reiste ins Katastrophengebiet. Auch in der Hauptstadt Caracas und in anderen Regionen stürzten laut Behördenangaben Gebäude ein. Viele Überlebende haben ihr Zuhause verloren.
Auch das deutsche Botschaftsgebäude wurde beschädigt
Nach Angaben des stellvertretenden deutschen Botschafters in Venezuela, Stephan Wendt, wurde auch das deutsche Botschaftsgebäude von den Erdbeben beschädigt. „Wir können aktuell nicht vom klassischen Botschaftsgebäude aus arbeiten. Wir befinden uns aktuell in der deutschen Residenz, arbeiten von dort aus“, sagte er im ZDF-„heute journal“. „Auch einigen Kolleginnen und Kollegen ist es momentan nicht möglich zurückzukehren in ihre eigene Wohnung, es haben ja auch einige in der Residenz übernachtet auf Feldbetten.“
Vereinte Nationen: „Tief betroffen“
UN-Generalsekretär António Guterres sprach Betroffenen und Hinterbliebenen sein Mitgefühl aus und sicherte der Regierung sowie der Bevölkerung Solidarität zu. „Der Generalsekretär ist tief betroffen über die Todesopfer und die weit verbreiteten Zerstörungen“, teilte Sprecher Stéphane Dujarric in New York mit.
Washington mobilisiert 150 Millionen US-Dollar
US-Präsident Donald Trump bekräftigte bei einem Abendessen mit Farmern im Rosengarten des Weißen Hauses, dass sein Land Venezuela helfen werde. Auch das US-Militär soll dabei unterstützen - dafür seien unter anderem ein amphibisches Transportschiff, ein Küstenkampfschiff und Transportflugzeuge bereitgestellt worden, teilte das zuständige US-Regionalkommando Southcom mit.
Zuvor hatte das US-Außenministerium bereits angekündigt, zusätzlich zur logistischen Unterstützung 150 Millionen Dollar (rund 132 Mio. Euro) an Hilfsgeldern zu mobilisieren. 100 Millionen davon sollen direkt an das UN-Büro für humanitäre Angelegenheiten OCHA gehen. Kanada sagte laut Angaben des Außenministeriums in Ottawa 5 Millionen kanadische Dollar (gut 3 Mio. Euro) humanitäre Hilfe zu.
Das US-Finanzministerium teilte zudem mit, im Zusammenhang mit Erdbebenhilfemaßnahmen in Venezuela vorübergehend Transaktionen zu erlauben, die andernfalls wegen Sanktionen verboten wären. Die Ausnahmegenehmigung gilt demnach bis zum 23. Oktober 2026 (00.01 Uhr US-Ortszeit).
Chinesische Staatsbürger bei Erdbeben ums Leben gekommen
China teilte unterdessen laut Staatsmedien mit, dass zwei chinesische Staatsbürger bei dem Erdbeben ums Leben gekommen seien. Am Vortag hatte Peking seine Bereitschaft gezeigt, seinem diplomatischen Verbündeten zu helfen. „Wir glauben, dass sich das venezolanische Volk unter der Führung der venezolanischen Regierung bald erholen und seine Heimat wieder aufbauen wird“, erklärte ein Außenamtssprecher weiter.
Das erdölreiche Venezuela erlebt turbulente politische Zeiten. Im Januar hatte das US-Militär den Machthaber Nicolás Maduro gefangengenommen und in die USA gebracht. Delcy Rodríguez ist geschäftsführend im Amt.