25. Album von Jagger und Co. Rolling Stones zeitlos gut: „Es macht immer noch Spaß“

Philip Dethlefs, dpa
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Von Philip Dethlefs, dpa
| 07.07.2026 09:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Auf dem neuen Album klingen die Rolling Stones - Ronnie Wood (79), Mick Jagger (82) und Keith Richards (82) - zeitlos gut. Foto: Evan Agostini
Auf dem neuen Album klingen die Rolling Stones - Ronnie Wood (79), Mick Jagger (82) und Keith Richards (82) - zeitlos gut. Foto: Evan Agostini
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Auf ihrem neuen Album „Foreign Tongues“ strotzen die Rolling Stones vor Energie und Spielfreude. Mick Jagger und Ronnie Wood über mühelosen Falsettgesang, stilistische Vielfalt und Tanzen im Studio.

In diesem Monat wird Mick Jagger 83 Jahre alt. Auf „Foreign Tongues“, dem neuen, insgesamt 25. Album seiner Rolling Stones, klingt der Sänger so frisch, als wäre die Zeit stehen geblieben. Man höre sich nur die lässige Single „Jealous Lover“ mit R&B- und Soul-Groove an. Jagger singt mühelos Falsett und beeindruckt mit stimmlicher Energie.

Das passiere beim Schreiben ganz von selbst, erzählt Jagger im Interview der Deutschen Presse-Agentur in London. „Ich habe das auf dem Klavier geschrieben und alles in Falsett gesungen“, sagt der 82-Jährige. Erst beim Aufnehmen habe er entschieden, mehrere Stimmlagen zu nutzen. „Um ehrlich zu sein, ist das nicht besonders schwer.“

Doch selbst seinen Bandkollegen beeindruckte Jagger damit. „Er hat uns damit überrascht, wie viel Kraft noch immer in seiner Stimme steckt“, erzählt Gitarrist Ronnie Wood im dpa-Gespräch. „Mit seinem Gesang setzt er die Messlatte jedes Mal wieder etwas höher.“

Nicht nur deshalb klingt „Foreign Tongues“, als hätten Jagger, Keith Richards (82) und Ronnie Wood (79) eine Zeitmaschine benutzt.

Unverkennbarer Stones-Sound

Vom Start weg hat die neue Platte den unverkennbaren Stones-Sound. Los geht es mit dem krachenden Bluesrocker „Rough And Twisted“, mit dem Jagger und Co. zu ihren musikalischen Anfängen zurückkehren.

Darauf folgt die stadiontaugliche Midtempo-Hymne „In The Stars“ mit ihrem lebensbejahenden Refrain und einem Gitarrenriff, das irgendwie vertraut klingt, zwischen „Start Me Up“ und „Rock And A Hard Place“. So poppig klangen die Stones schon lange nicht mehr.

Typisch für die Stones ist die neue Platte äußerst vielseitig. „Man möchte möglichst viele verschiedene Stilrichtungen auf einem Album haben“, erklärt Jagger das Rezept dafür, dass ein Album frisch und zeitlos klingt. In diesem Fall sei das „Rock, Dance, Country, Balladen und alles dazwischen.“

Die markanteste Dance-Hymne des Albums ist „Never Wanna Lose You“, angetrieben von einer pulsierenden Basslinie und einem unwiderstehlichen Groove. Hingegen ist „Hit Me In The Head“ ein krachender Rocksong.

Erinnerung an Brian Wilson und politische Untertöne

„Back in Your Life“ ist eine melancholische, emotionale Ballade. Bei seinem ausgedehnten Gitarrensolo wurde Wood vom Tod zweier seiner Helden inspiriert - Beach Boy Brian Wilson und Soullegende Sly Stone.

„Beide waren wichtige Einflüsse in meinem Leben und es war ein schwerer Verlust, dass sie beide in einer Woche gestorben sind“, so Wood. „Ich dachte vor allem an Brian. Und auf einmal war es, als würde die Gitarre für mich wie von selbst spielen.“

Nach langer Zeit sind auch wieder politische Untertöne vernehmbar. Die Country-Folk-Ballade „Ringing Hollow“ wirkt zunächst wie ein gewöhnliches Liebeslied - bis man feststellt, dass es sich bei der Verflossenen um die USA handelt. „Lady Liberty sieht nicht so gut aus, wenn sie das Gesicht verzieht“, singt Jagger.

Zudem erlaubt er sich bei „Mr Charm“ einen Seitenhieb gegen den „verrückten Mogul Mr. Musk“.

Das neue Rolling-Stones-Album „Foreign Tongues“ erscheint am 10. Juli. Foto: Universal Music/dpa
Das neue Rolling-Stones-Album „Foreign Tongues“ erscheint am 10. Juli. Foto: Universal Music/dpa

Der Schwung der 60er Jahre

2023 begeisterten die Rolling Stones mit „Hackney Diamonds“, ihrem ersten Studioalbum seit 18 Jahren. Nur drei Jahre später ist „Foreign Tongues“ sogar noch stärker. „Genau das brauchen wir“, sagt Ronnie Wood, „den alten Schwung, den die Stones damals in den Jimmy-Miller-Zeiten hatten.“ Miller produzierte einst Klassiker wie „Let It Bleed“ (1969) und „Exile on Main St.“ (1972).

Für das 25. Stones-Album stand - wie schon bei „Hackney Diamonds“ - Topproduzent Andrew Watt an den Reglern. Der 35-Jährige produzierte auch das jüngste Album von Paul McCartney, „The Boys of Dungeon Lane“. Der Ex-Beatle gastiert auf „Foreign Tongues“ und spielt Bass bei „Covered in You“.

Watt bringe jugendliche Energie, Begeisterung und musikalisches Know-how mit, schwärmt Wood. „Er kann das, was er sagt, auch musikalisch untermauern. Er kann ein wenig singen und ein paar Instrumente spielen. Er weiß also, wovon er spricht - deshalb hören wir auf ihn.“

Gute Stimmung im Studio

Nach dem Tod von Charlie Watts ist „Foreign Tongues“ das zweite Album mit Schlagzeuger Steve Jordan, der den Songs mit seinem druckvollen Spiel ordentlich Wucht verleiht. „Steve ist wie eine Explosion“, findet Wood. „Er führt Charlies Vermächtnis weiter, nur mit einem noch explosiveren Beat.“

Die Band veröffentlichte ein Video aus dem Studio, in dem Jagger mit Jordan beim Tanzen zu sehen war - nicht nur zum Spaß. „Steve und ich müssen völlig im selben Takt sein, so wie ich das früher mit Charlie war“, erklärt der Sänger. „Deshalb machen wir das - damit ich spüren kann: Ist das der richtige Groove für diesen Song? Du siehst mich im Studio tanzen, aber eigentlich arbeite ich.“

Es zeigt auch, wie gut die Stimmung im Studio ist. „Wir können jahrelang nichts voneinander hören und dann - Bumm - kommen wir wieder zusammen, und die alte Energie ist sofort wieder da, sogar noch stärker als früher“, bestätigt Ronnie Wood, der seit 50 Jahren festes Bandmitglied ist. Und Jagger sagt: „Es macht immer noch Spaß.“

Diese Energie und Spielfreude hört man den neuen Songs an. Nach über 60 Jahren Bandgeschichte klingen die Rolling Stones verblüffend frisch. „Foreign Tongues“ ist kein Nostalgie-Trip, sondern ein zeitlos gutes Rock’n’Roll-Album.

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