Mögliche Amoktat Gewalttat am Gymnasium - „Schreckliche Stunden“ in Schongau

Sabine Dobel, Frederick Mersi und Christoph Trost, dpa
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Von Sabine Dobel, Frederick Mersi und Christoph Trost, dpa
| 08.07.2026 13:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Polizisten auf dem Schulgelände. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Polizisten auf dem Schulgelände. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Schock im oberbayerischen Schongau: Bei einer mutmaßlichen Amoktat an einem Gymnasium werden zwei Mädchen schwer verletzt. Und es hätte wohl alles noch schlimmer kommen können.

„Meine Beine sind ganz schwach geworden“, sagt die 13-Jährige. „Ich habe gar nicht mehr gewusst, wie ich jetzt reagieren soll, ob ich irgendwie kurz nach Hilfe rufen soll oder einfach mich ganz leise verhalten soll.“ Sie habe sich mit zwei Freunden für die zweite Variante entschieden. „Wir haben dann einfach weggeschaut und gehofft, dass der uns nicht bemerkt.“

Zwei gleichaltrige Mädchen haben nicht so viel Glück bei der Gewalttat an einem Gymnasium in Oberbayern. Die beiden Schülerinnen, die, wie die 13-Jährige sagt, in ihre Parallelklasse gehen, werden am Mittwoch schwer verletzt - offenkundig von einem mit einer Pistole bewaffneten 16-Jährigen, der laut Polizei einen Schuss abgibt und dann, als die Waffe versagt, mit Messern in der Schule in Schongau auf seine Opfer losgeht.

Spezialkräfte durchsuchen die Schule. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Spezialkräfte durchsuchen die Schule. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Drohte der mutmaßliche Täter schon früher?

„Wir erleben schreckliche Stunden hier in Schongau“, sagt Bundesinnenminister Alexander Dorbindt, in dessen Bundestagswahlkreis Schongau liegt. „Wir stehen schockiert vor dieser irrsinnigen Tat.“

Diese mutmaßliche Amoktat erschüttert den oberbayerischen Ort. Der Teenager, ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums, wird unter Tatverdacht festgenommen und sitzt laut Dobrindt in Untersuchungshaft. Nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wird geprüft, ob er womöglich früher schon einmal Drohungen ausgesprochen hat.

Es ist 12.50 Uhr am Mittwochmittag, als ein Notruf über eine Gewalttat am Welfen-Gymnasium die Polizei erreicht. Kurz darauf ist sie mit einem Großaufgebot vor Ort - und findet die beiden schwer verletzten, 13 Jahre alten Mädchen. Wo, das sagen die Ermittler zunächst nicht. Weil die Polizisten so schnell vor Ort sind, können sie den mutmaßlichen Täter festnehmen. „17 Minuten nach der Alarmierung war der Täter überwältigt von Polizeikräften und Lehrkräften“, sagt Dobrindt.

Dabei hätte wohl alles noch viel schlimmer kommen können: Nach ersten Erkenntnissen war der mutmaßliche Täter laut Polizei nicht nur mit einem Messer, sondern eben auch mit einer Pistole bewaffnet. Ein abgegebener Schuss habe niemanden getroffen, dann habe die Waffe versagt, erläutert Dobrindt. Die Tatwaffe sei dann das Messer gewesen. Wie Herrmann sagt, war der 16 Jahre alte Kroate, der den Angaben zufolge bei seinen Eltern lebte, in der Vergangenheit in psychiatrischer Behandlung.

Die Polizei sprach von einer Amoklage. Foto: Lennart Preiss/dpa
Die Polizei sprach von einer Amoklage. Foto: Lennart Preiss/dpa

Während Polizisten das Schulgelände weiter durchsuchen, um auszuschließen, dass es weitere Täter geben könnte, kommt aus der Klinik eine gute Nachricht: Die beiden schwer verletzten Mädchen, von denen eines mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gekommen war, schweben am Nachmittag nicht mehr in Lebensgefahr.

Was ist das Motiv?

Das Motiv für die Tat bleibt zunächst jedoch unklar. „Die beiden Opfer, die schwerstverletzten Mädchen, sind nach unserer Einschätzung zufällige Opfer, die in dem Moment in seine Schreckensbahn gekommen sind. Wir gehen von einer Amoktat aus eines Einzeltäters“, sagt Dobrindt. Und: „Wir gehen weiter davon aus, dass es sich um eine psychische Ausnahmesituation gehandelt hat.“

Laut Polizei bekamen viele Schüler die Tat hautnah mit. Sie werden - wie auch Lehrer und später auch Einsatzkräfte - psychologisch betreut. 

Einsatzwagen auf dem Schulhof. Foto: Lennart Preiss/dpa
Einsatzwagen auf dem Schulhof. Foto: Lennart Preiss/dpa

Anlaufstelle für Angehörige und Schüler bei Feuerwehr

Schongau befindet sich an diesem Tag im Ausnahmezustand: Überall Blaulicht, der Bereich um die Schule weitgehend abgesperrt, zeitweise kreisen Hubschrauber. Die Menschen im Ort werden aufgerufen, das Areal zu meiden. Für Angehörige und Eltern von Schülerinnen und Schülern wurde eine Anlaufstelle am Feuerwehrhaus eingerichtet.

Schongau ist eine Kleinstadt am Ufer des Lechs im westlichen Oberbayern mit mehr als 12.000 Einwohnern. Das Welfen-Gymnasium liegt nur wenige Hundert Meter von Altstadt und Lech entfernt. Laut Internetseite werden dort etwa 800 Schüler von mehr als 80 Lehrkräften unterrichtet. In direkter Nachbarschaft gibt es auch eine Grund-, Mittel- und Realschule.

Das Gelände wurde abgesucht. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Das Gelände wurde abgesucht. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

In Bayern laufen die letzten Wochen des Schuljahres. Abiturienten haben bereits vor knapp zwei Wochen, am 26. Juni, ihre Zeugnisse erhalten, bei den restlichen Schülern steht dies am 31. Juli an. Das Welfen-Gymnasium hat sich laut seiner Homepage das Thema Gewaltprävention besonders auf die Fahnen geschrieben. 

„Unsere Schule fördert aktiv Medien-, Gewalt- und Suchtprävention“, heißt es dort. Alle 7. Klassen sollen an einem Gewaltpräventionsprojekt mit der Polizei und Mitarbeitern des Jugendzentrums teilnehmen. Der Projektname: „zammgrauft“. „Hierbei sollen die Schüler und Schülerinnen durch vielfältige Interaktionen für die unterschiedlichen Formen von Gewalt sensibilisiert werden und sich aktiv mit dem Thema auseinandersetzen“, heißt es auf der Internetseite der Schule.

Noch am Nachmittag sind Schüler und Eltern in der eingerichteten Betreuungsstelle. Ein Elternpaar zeigt sich aufgewühlt von den Hubschraubern, dem Blaulicht und der Nachricht, an der Schule ihrer Kinder sei etwas passiert. Sie habe geweint, sagt die Frau, bis die erlösende Nachricht von ihrer Tochter kam: „Mama, mir geht’s gut.“

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