Tour de France Bittersüß: Kanter sprintet auf Platz zwei und will mehr
Ein Sturz kurz vor dem Ziel, nervöse Fahrer und ein packendes Finale: Max Kanter sprintet bei der Tour de France fast zum Sieg - und peilt schon die nächste Chance an.
Der starke zweite Platz bei seinem ersten Sprint um einen Etappensieg bei der Tour de France machte Max Kanter Lust auf die nächste Chance. „Ich habe großes Vertrauen in meine Jungs und ich habe einen ordentlichen Sprint. Und wenn alles zusammenkommt, können wir auch eine Etappe gewinnen“, sagte der 28-Jährige nach dem hektischen Finale der fünften Etappe, in dem nur der Niederländer Olav Kooij schneller war. „Aber natürlich ist es immer, wie sagt man so gut auf Englisch, bittersweet, Zweiter zu werden. Aber ich glaube, darauf können wir aufbauen.“
Am Mannschaftsbus klatschte er mit seinen Kollegen und auch Teamchef Alexander Winokurow ab. „Mein Team hat einen super Job gemacht, die Beine waren gut heute“, ergänzte der Brandenburger bei Eurosport. „Ich bin eigentlich ein relativ konstanter Sprinter, kann immer wieder Topplatzierungen einfahren, und dann gucken wir mal.“ In der Wertung für das Grüne Trikot des besten Sprinters liegt der Deutsche auf Rang drei.
Kanter: „Ziemlich nervös im Feld“
Es war am Ende der 158,3 Kilometer die erste Chance für die schnellen Männer bei dieser Tour. Knapp fünf Kilometer vor dem Ziel kamen mehrere Fahrer nach einer Kurve zu Fall.
„Es war ziemlich nervös im Feld. Jeder wollte vorne fahren, weil es halt einige Kreisverkehre, einige Inseln im Finale gab. Da ist es immer vorprogrammiert, dass Stürze entstehen, und dadurch ist es extrem stressig gewesen, und jeder wollte in der richtigen Position sein“, sagte Kanter der ARD. „Man muss da ein bisschen den Kopf ausschalten, um ehrlich zu sein. Und halt auch manchmal hoffen, dass einfach alles gut geht.“
Am Ende fuhr nur eine kleinere Gruppe zusammen auf die Zielgerade zu. Der Belgier Tim Merlier wurde Dritter. Die Deutschen Pascal Ackermann (12.) und Phil Bauhaus (18.), der seinen 32. Geburtstag feierte, kamen nicht in die Top Ten.
Norweger Torstein Træen bleibt im Gelben Trikot
In der Gesamtwertung gab es am Tag vor der nächsten schweren Bergetappe in den Pyrenäen trotz des Sturzes keine großen Veränderungen an der Spitze. Der Norweger Torstein Træen, der sich das Gelbe Trikot in Foix am Dienstag als Teil einer Fluchtgruppe gesichert hatte, stürzte vorher auf der Etappe, verlor aber keine Zeit und verteidigte seine Führung. Die Top-Favoriten Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard liegen mit 7:53 Minuten dahinter weiter auf Rang vier und fünf. Der deutsche Jungstar Florian Lipowitz bleibt Elfter mit 8:46 Minuten hinter Træen.
Solo-Ausreißer lange vorn
Nach vier schweren Tagen zum Start war es das erste Teilstück, das auf die Sprinter ausgerichtet war, die sich ungewöhnlich lange gedulden mussten. Solche Etappen sind in den vergangenen Jahren von den Planern seltener als früher ins Programm genommen worden, auch weil der Ablauf in der Regel erst am Ende Spannung verspricht.
Es gab keine größeren Anstiege, nur eine kurze Bergwertung der dritten Kategorie stand auf dem Programm. Pau ist ein traditionsreicher Etappenort der Tour, oft mit einer Chance für die schnellen Männer. Die Deutschen Marcel Kittel, Erik Zabel und Dietrich Thurau haben in der Stadt im Vorland der Pyrenäen schon Siege geholt.
Nach der extremen Hitze am Vortag war es etwas kühler, aber immer noch deutlich über 30 Grad und schwül. Der Franzose Baptiste Veistroffer hatte vor dem Start eine Attacke angekündigt und setzte seinen Vorsatz direkt nach dem Start um. Auf dem Weg durch die Sonnenblumenfelder der Region fuhr er schnell einen Vorsprung um drei Minuten auf das Hauptfeld heraus, das ihn erst einmal gewähren ließ.
Schwierige Pyrenäen-Etappe folgt
Die Mannschaft vom Gesamtführenden Træen leistete zunächst die Führungsarbeit, ehe die Teams von Jasper Philipsen und später Merlier übernahmen und den Abstand kontrollierten. 14 Kilometer vor dem Ziel war die Flucht von Veistroffer beendet. Zuvor hatten nach der Bergwertung noch drei Fahrer versucht, sich aus dem Feld abzusetzen.
Die Sprinter haben am Freitag in Bordeaux erneut eine Chance. Zuvor sind aber wieder die Favoriten und Bergfahrer gefragt. Auf der schwierigsten Etappe der Pyrenäen zwischen Pau und Gavarnie-Gèdre stehen an diesem Donnerstag 4.100 Höhenmeter auf dem Programm, darunter der legendäre Col du Tourmalet als Bergwertung der höchsten Kategorie. Der Schlussanstieg nach Gavarnie-Gèdre ist mehr als 18 Kilometer lang, aber im Durchschnitt nicht extrem steil.