Iran-Krieg USA und Iran treiben Eskalation am Golf weiter voran

Arne Bänsch und Amira Rajab, dpa
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Von Arne Bänsch und Amira Rajab, dpa
| 13.07.2026 05:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Das US-Militär hat erneut an der iranischen Südküste angegriffen. (Archivbild) Foto: Amirhosein Khorgooi
Das US-Militär hat erneut an der iranischen Südküste angegriffen. (Archivbild) Foto: Amirhosein Khorgooi
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Die USA greifen erneut iranische Ziele an, Teheran reagiert mit Angriffen auf mehrere Golfstaaten. Eine Rückkehr zur Waffenruhe liegt im Ungewissen.

Im Konflikt um die Straße von Hormus treiben Washington und Teheran die Eskalation am Persischen Golf weiter voran. Bereits zum vierten Mal binnen einer Woche griff das US-Militär den Iran an. Die im Iran mächtigen Revolutionsgarden reagierten erneut mit Vergeltungsangriffen auf die Golfstaaten Kuwait und Bahrain sowie auf das gut 1.000 Kilometer entfernte Jordanien. Ob es einen diplomatischen Ausweg gibt oder wie eine Rückkehr zur Waffenruhe gelingen soll, ist völlig unklar. 

Das US-Militär attackierte mit ihrer jüngsten Angriffswelle eigenen Angaben nach Dutzende Ziele an mehreren Orten im Iran. Ziel sei, Irans Fähigkeit zu schwächen, Schiffe in der für den weltweiten Energiehandel wichtigen Straße von Hormus anzugreifen, teilte das für die Region zuständige US-Kommando Centcom mit. Neben Kampfflugzeugen und Flugdrohnen wurden demnach erstmals auch schwimmende Kampfdrohnen eingesetzt.

Die Revolutionsgarden zielten iranischen Medien zufolge als Reaktion unter anderem auf ein mobiles Raketenartilleriesystem der US-Armee in Kuwait, auf Treibstofftanks und Munitionslager des Luftwaffenstützpunkts Prince Hassan in Jordanien sowie auf ein Kontrollzentrum des US-Stützpunkts Scheich Isa in Bahrain. Außerdem sei ein Radar zur Erkennung von Schiffen im Sultanat Oman angegriffen und zerstört worden. Die Angaben beider Kriegsparteien lassen sich nicht unabhängig verifizieren.

Berichte über Explosionen an Irans Südküste

Iranische Medien meldeten in der Nacht zum Montag erneut Explosionen an der Südküste, unter anderem auf der Insel Gheschm und in Sirik nahe der Straße von Hormus. Beide Orte waren bereits in den vergangenen Tagen mehrfach Ziel von Bombardierungen. Auch die Industrieprovinz Chusestan im Südwesten Irans wurde angegriffen. In der Stadt Mahschahr sei ein Wachmann getötet worden, der vor einer landwirtschaftlichen Wasserpumpstation stationiert war, berichtete das Onlineportal „Hammihan“.

Der als Vahid bekannte Netzjournalist berichtete über heftige Explosionen in einer Hafenstadt am Persischen Golf. „In Bandar Abbas schlagen sie ununterbrochen zu, und die Schüler der elften Klasse müssen in einer Stunde in der Schule sein, weil sie eine Prüfung haben“, zitierte er einen Bewohner. „Es ist die größte Ungerechtigkeit gegenüber den Kindern im Süden. Wegen der Explosionsgeräusche haben sie die ganze Nacht kein Auge zugemacht.“

Warum der Iran die offene Konfrontation in Kauf nimmt

Mehrfach hatte der Iran innerhalb der vergangenen Woche Schiffe in der Straße von Hormus angegriffen. Damit begründeten die USA wiederum ihre Angriffe. Obwohl sich die Konfliktparteien Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen geeinigt hatten, das auch die Forderung nach einer Öffnung der für den globalen Energiehandel wichtigen Meerenge beinhaltet, ist der Streit darum nicht gelöst. 

Schon kurz nach Beginn der israelisch-amerikanischen Angriffe erwies sich die Straße von Hormus für die Führung in Teheran als wirkungsvolles Druckmittel, um den USA in Verhandlungen Zugeständnisse abzuringen. 

„Der Iran betrachtet die Kontrolle über die Straße von Hormus als ein wichtiges strategisches Ziel, und seine Führung ist der Ansicht, dass ein Kriegsende ohne die Kontrolle über die Meerenge eine schwere strategische Niederlage bedeuten würde“, heißt es in einer aktuellen Analyse des Critical Threats Project (CTP), das von den in Washington ansässigen Denkfabriken Institute for the Study of War (ISW) und American Enterprise Institute betrieben wird. 

Mit Drohungen und Angriffen hatte der Iran den Verkehr faktisch zum Erliegen gebracht. Eine Normalisierung der Lage ist weiter nicht in Sicht. Das spiegelt sich auch in den Energiepreisen wider - am Montag zogen die Ölpreise wieder deutlich an. Die gestiegenen Energiepreise erhöhen auch den innenpolitischen Druck auf US-Präsident Trump. 

Experte: Irans Führung pragmatischer, aber nicht gemäßigter

Mit der Tötung einflussreicher Generäle und hochrangiger Politiker haben die Revolutionsgarden, Irans mächtige Militärorganisation, nach gängiger Experteneinschätzung ihre Macht in der Islamischen Republik weiter ausgebaut. Die neue Führung sei sich bewusst, dass gegenüber den USA ein gewisses Maß an Pragmatismus erforderlich ist, schrieb der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz in einem Gastbeitrag für die Zeitung „Israel Hayom“.

Teheran sei heute eher bereit, konsequent militärische Gewalt einzusetzen, schrieb Citrinowicz. Es handle sich um eine Führung, die „bei der Bewältigung der Krise pragmatischer vorgeht, ideologisch jedoch nicht gemäßigter ist“. Washington müsse sich entscheiden: die Konfrontation in der Straße von Hormus zu verschärfen oder eine Vereinbarung zu akzeptieren und sich darauf zu konzentrieren, Teheran am Bau einer Atomwaffe zu hindern.

Oman und Iran sprechen über Meerenge - kein Durchbruch

In dem Mitte Juni unterzeichneten Rahmenabkommen sagte Iran zu, sich „nach besten Kräften“ um eine sichere und für 60 Tage gebührenfreie Passage von Handelsschiffen durch die Meerenge zu bemühen. Zudem sollten Iran und Oman unter Einbeziehung weiterer Golfanrainer über die künftige Verwaltung der Straße von Hormus beraten.

Oman, das in dem Konflikt auch als Vermittler auftrat, legte in den vergangenen Tagen einen Vorschlag für eine gebührenfreie Durchfahrt der Meerenge vor. Demnach soll der Schiffsverkehr auf der südlichen Route wie vor dem Krieg frei möglich sein, berichtete der Sender CNN. Für die nördliche Route entlang der iranischen Küste wären dem Sender zufolge Genehmigungen Teherans nötig. Gespräche am Samstag in der omanischen Hauptstadt Maskat endeten ohne Durchbruch.

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