Notfälle Pfleger stirbt nach Tigerangriff nahe Leipzig – Ermittlungen
Der Angriff der Raubkatze nahe Leipzig auf einen Mann hatte Mitte Mai für Entsetzen gesorgt. Nun ist der 72-Jährige gestorben. Wie es dazu kam, wird wohl ein Rätsel bleiben.
Vor zwei Monaten hatte ein Tigerangriff nahe Leipzig die Menschen erschüttert. Der knapp 300 Kilogramm schwere „Sandokan“ attackiert seinen Pfleger, verletzt ihn schwer und entkommt aus der Anlage einer ehemaligen Zirkus-Artistin in einem Gewerbegebiet in Dölzig nahe der Autobahn 9. Die Polizei erschießt das Tier.Gut zwei Monate kämpfte der 72-Jährige mit dem Tod. Nun ist er gestorben, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.
„Der Mann war so schwer verletzt, dass er in der ganzen Zeit nicht vernommen werden konnte“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage. Die Obduktion sei angeordnet worden, die Ergebnisse lägen aber noch nicht vor. Der 72-Jährige war alleine mit dem Tiger, die ehemalige Dompteurin und Halterin der Anlage war bei dem Angriff nicht vor Ort. So bleibt nach wie vor unklar, was genau zu der Attacke geführt hat.
Nach dem Tod des 72-Jährigen ermittelt die Staatsanwaltschaft Leipzig nun wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung durch Unterlassung gegen die Halterin der Anlage.
Neun Tiger in der Anlage - dramatische Rettungsaktion
In der Anlage hatten vor dem Angriff neun ausgewachsene Raubkatze gelebt. Die Rettungskräfte waren unter Polizeischutz in das Gehege gegangen und hatten den 72-Jährigen gerettet. „Wir wussten zu diesem Zeitpunkt ja nicht, ob noch weitere Tiere frei herumlaufen“, hatte der Einsatzleiter der Feuerwehr Dölzig, Patrick Siebeck gesagt. Der Verletzte hatte demnach mehrere Biss- und Kratzverletzungen erlitten.
Parallel zu der Rettungsaktion begann für die Polizeibeamten die gefährliche Suche nach „Sandokan“. Neben mehreren Großfahrzeugen der Feuerwehr kam auch eine Drohne zum Einsatz, um die Lage aus der Luft zu überwachen. Das Tier hatte sich an dem sonnigen Sonntagmittag auf eine gut besuchte Kleingartenanlage zubewegt.
„Sandokan“ vom Autodach aus erschossen
Deren Besucher waren durch Lautsprecheransagen der Polizei über die besonders gefährliche Lage informiert worden. Sie sollten in ihren Gartenlauben bleiben oder sich in ihren Autos verschanzen. Eine 68-Jährige hatte beobachtet, wie Polizisten auf ein Autodach gestiegen waren und dreimal auf den Tiger geschossen hatten. Dieser lag nur wenige Meter von dem Zaun der Gartenanlage entfernt. Das Tier starb.
Halterin ist sich keiner Schuld bewusst: „Anlage war sicher“
Die Halterin hatte in einem Interview gesagt, dass sie keine Erklärung dafür habe, wie es zu dem Ausbruch kommen konnte. „Ich habe nichts falsch gemacht. Meine Helfer sind zu 100 Prozent instruiert. Ich verstehe nicht, was hier passiert ist“. Ihre Anlage sei sicher. Die Dompteurin hatte in der Vergangenheit sogar private Vorführungen, auch für Kinder, mit ihren Tigern veranstaltet.
Zugleich hatte es aber auch seit 2024 Streit mit den Behörden gegeben. Die Tigerhaltung genüge nicht den Anforderungen, hieß es vonseiten des Landratsamtes Nordsachsen, und die Shows in dem Gewerbegebiet wurden untersagt. Generell ist die Haltung von Raubkatzen in Sachsen aber erlaubt.
Im sogenannte Säugetiergutachten des Bundeslandwirtschaftsministeriums heißt es, dass für ein oder zwei Tiger ein Außengehege von mindestens 200 Quadratmetern Fläche zur Verfügung stehen muss. Für jedes weitere ausgewachsene Tier müssen es je 100 Quadratmeter mehr sein.
Sechs Tiger inzwischen nach Spanien gebracht
Anfang Juli wurden dann sechs Tiger abtransportiert. Das Areal sei für die Anzahl der Tiger zu klein gewesen, hieß es vom Landratsamt. Die Tiere wurden an die Tierschutzorganisation Animal Advocacy and Protection (AAP) übergeben und in eine Auffangstation nach Spanien gebracht. Dort sollen sie Tiere nach einer Quarantäne in einem rund 3.000 Quadratmeter großen Außengehege mit Naturboden, Badebecken und Rückzugsmöglichkeiten leben. Die Organisation hatte von der größten Tigerrettung, die sie bislang in Deutschland durchgeführt hat, gesprochen.