Sexualstraftaten Frauen betäubt, vergewaltigt und gefilmt? Berliner angeklagt

Marion van der Kraats, dpa
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Von Marion van der Kraats, dpa
| 14.07.2026 13:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Staatsanwaltschaft Berlin hat Anklage erhoben gegen einen 68-Jährigen wegen vielfacher Vergewaltigung. (Symbolbild) Foto: Soeren Stache/dpa
Die Staatsanwaltschaft Berlin hat Anklage erhoben gegen einen 68-Jährigen wegen vielfacher Vergewaltigung. (Symbolbild) Foto: Soeren Stache/dpa
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Der Missbrauchsskandal der Französin Gisèle Pelicot hat in Deutschland viele erschüttert. Aber auch hierzulande werden immer öfter Fälle bekannt von Frauen, die betäubt und vergewaltigt werden.

Die Frauen sind bewusstlos, betäubt durch Medikamente. In dieser Situation werden sie vergewaltigt - und dabei gefilmt. Die Ermittler sind überzeugt, dass ein inzwischen 68 Jahre alter Berliner Dutzenden Frauen auf diese Weise Gewalt angetan hat. Die Staatsanwaltschaft Berlin hat gegen den Deutschen, der in Untersuchungshaft sitzt, Anklage erhoben, wie ein Sprecher mitteilte. In dem Verfahren geht es um 22 Fälle und 14 Opfer. Doch die Ermittler gehen von weitaus mehr Betroffenen aus. 

Der Elektriker soll die Frauen mit einem Mix verschiedener Schlafmittel in Kombination mit Alkohol bewusstlos gemacht und dann vergewaltigt haben. Laut Anklage lernte er sie über Online-Dating-Plattformen kennen. Laut Staatsanwaltschaft wussten die Frauen nichts von den Taten und erfuhren erst im Rahmen der Ermittlungen aufgrund von Videos, was ihnen widerfahren ist. 

Chat-Partner in Niedersachsen 

Entdeckt wurden diese Aufnahmen den Angaben zufolge nach einem Hinweis der Polizei in Verden an der Aller in Niedersachsen. Diese ermittelte wegen ähnlicher Vorwürfe Anfang 2025 gegen einen Mann, der inzwischen gestorben ist. Dieser soll ein Chat-Partner des Berliners gewesen sein. 

Die Polizei durchsuchte in der Folge die Wohnung des 68-Jährigen in Berlin-Friedrichsfelde und beschlagnahmte verschiedene Datenträger. Bei deren Auswertung stieß ein Sachverständiger im Februar 2026 auf zahlreiche Videos von Sexualstraftaten, wie es hieß. Mutmaßlicher Täter: der Berliner. Am 3. März 2026 wurde seine Wohnung erneut durchsucht - der Mann kam in Untersuchungshaft. Ihm wird unter anderem Vergewaltigung im besonders schweren Fall und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Das Landgericht Berlin muss über die Anklage gegen einen 68-Jährigen wegen schwerer Vergewaltigung entscheiden. Foto: Monika Skolimowska
Das Landgericht Berlin muss über die Anklage gegen einen 68-Jährigen wegen schwerer Vergewaltigung entscheiden. Foto: Monika Skolimowska

Verdächtiger schweigt 

Er äußert sich laut Staatsanwaltschaft bislang nicht zu den Vorwürfen. Die Ermittler gehen davon aus, dass es insgesamt 58 Betroffene gibt. 10 mutmaßliche Opfer wurden bislang nicht identifiziert, wie der Behördensprecher sagte. 30 weitere Frauen sind demnach inzwischen namentlich bekannt, die Ermittlungen laufen in ihren Fällen aber noch. In drei weiteren Fällen habe sich bislang kein hinreichender Tatverdacht ergeben. 

Im Fall einer Frau, die 36 Mal in den Jahren 2010 bis 2014 von dem 68-Jährigen vergewaltigt worden sein soll, musste das Verfahren laut Staatsanwaltschaft wegen Verjährung eingestellt werden. Eine Gewaltanwendung könne in ihrem Fall nicht mit ausreichender Sicherheit nachgewiesen werden, so der Sprecher. Darum verjährten diese Taten bereits nach fünf Jahren, statt nach 20 Jahren wie in den anderen Fällen. 

Das Landgericht Berlin muss entscheiden, ob es im Fall des 68-Jährigen die Anklage zulässt und wann es zum Prozess kommen soll. Die Staatsanwaltschaft strebt nach eigenen Angaben neben der Verurteilung des Mannes auch eine Anordnung der Sicherungsverwahrung nach einer Haftstrafe an.

Der Angeklagte hält sich zum Beginn des Prozesstages im Kriminalgericht Moabit einen Aktenordner vors Gesicht. (Archivbild) Foto: Soeren Stache
Der Angeklagte hält sich zum Beginn des Prozesstages im Kriminalgericht Moabit einen Aktenordner vors Gesicht. (Archivbild) Foto: Soeren Stache

„Im Internet verbreitet und beklatscht“

Erst in der vergangenen Woche ist in Berlin ein 32-Jähriger aus China in einem vergleichbaren Fall zu fünf Jahren Haft verurteilt worden wegen Beihilfe zur schweren Vergewaltigung sowie der schweren sexuellen Nötigung in drei Fällen. Er gehörte nach Überzeugung der Richter einem Missbrauchs-Netzwerk an, in dem sich mehrere Männer über sexuelle Übergriffe auf betäubte Frauen austauschten. Der 32-Jährige, ein inzwischen promovierter Mediziner, gab laut Urteil in einer Chatgruppe medizinische Ratschläge zur Sedierung von Opfern. 

„Solche Fälle sind frauenverachtend, weil Frauen zu reinen Objekten degradiert werden“, so der Vorsitzende Richter Thilo Bartl bei der Urteilsverkündung. Man müsse davon ausgehen, dass es sich um ein Massenphänomen handele. „Sexualstraftaten werden nicht mehr still und heimlich begangen, sondern öffentlich im Internet verbreitet und beklatscht“, so Richter Bartl. 

Der Richter wies unter anderem auf Verfahren in München und Großbritannien hin, bei denen es um „die serienmäßige Vergewaltigung von Frauen“ geht. Das Landgericht München I hatte im April einen Studenten aus China zu elf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, der seine Freundin mit Narkosemitteln betäubt, vergewaltigt und dabei gefilmt hat. 

Gisèle Pelicot ist von ihrem Mann wiederholt mit Medikamenten betäubt, missbraucht und Fremden zur Vergewaltigung angeboten worden. (Archivbild) Foto: Alberto Paredes/EUROPA PRESS/dpa
Gisèle Pelicot ist von ihrem Mann wiederholt mit Medikamenten betäubt, missbraucht und Fremden zur Vergewaltigung angeboten worden. (Archivbild) Foto: Alberto Paredes/EUROPA PRESS/dpa

„Pelicot ist kein Einzelfall“

Weltweit bekannt wurde der Fall der Französin Gisèle Pelicot, die von ihrem damaligen Ehemann über knapp zehn Jahre immer wieder mit Medikamenten betäubt, missbraucht und Dutzenden Fremden zur Vergewaltigung angeboten worden war. 

„Pelicot ist kein Einzelfall“, sagte Richter Markus Koppenleitner im April in München bei der Verurteilung des Studenten aus China. „Das ist kein chinesisches und auch kein französisches Phänomen, sondern auch ein Phänomen in Deutschland und letztlich auch weltweit.“

Blick auf das Gebäude der EU-Polizeibehörde Europol in Den Haag. Foto: Jerry Lampen/anp/dpa
Blick auf das Gebäude der EU-Polizeibehörde Europol in Den Haag. Foto: Jerry Lampen/anp/dpa

Internationale Ermittlungen zu Online-Netzwerk

Erst vor wenigen Tagen sind internationale Ermittler gezielt gegen Online-Netzwerke von Männern vorgegangen, die ihre Partnerinnen betäuben, sexuell missbrauchen und Aufnahmen von dem Missbrauch ins Netz stellen. 156 mutmaßliche Opfer und Täter seien identifiziert worden, teilte Europol in Den Haag mit. An dem „Projekt Medusa“ waren maßgeblich das Bundeskriminalamt (BKA) und das Hamburger Landeskriminalamt beteiligt. 

Es ist im April gestartet worden mit dem Ziel, die Online-Netzwerke hinter diesem Missbrauch zu zerschlagen. Seit April wurden Europol zufolge in den beteiligten Ländern 57 Männer festgenommen und 158 Opfer in Sicherheit gebracht.

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