Leichtathletik-EM Ansah sprintet zu Bronze - Hummel gelingt wieder Silber-Coup

Christian Johner und Robert Semmler, dpa
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Von Christian Johner und Robert Semmler, dpa
| 11.08.2026 21:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Owen Ansah konnte trotz der drohenden Sperre nach Bronze bei der EM lächeln. Foto: Sven Hoppe
Owen Ansah konnte trotz der drohenden Sperre nach Bronze bei der EM lächeln. Foto: Sven Hoppe
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Der deutsche 100-Meter-Rekordler Owen Ansah sprintet zu EM-Bronze, doch eine Sperre könnte die Freude bald wieder trüben. Ansahs Medaille ist nicht das einzige deutsche Edelmetall am zweiten EM-Tag.

100-Meter-Läufer Owen Ansah jubelte nach seinem Schlussspurt zu EM-Bronze mit einer Deutschland-Fahne und einem Lächeln in die Kameras, richtig gelöst wirkte der von einer Sperre bedrohte 25-Jährige nach dem größten Erfolg seiner Karriere aber nicht. Denn der dritte Platz von Birmingham steht nur unter Vorbehalt. 

Ansah bescherte dem deutschen Leichtathletik-Team am zweiten Wettkampftag das insgesamt vierte Edelmetall, nachdem gut eine Stunde zuvor Merlin Hummel Silber im Hammerwerfen gewonnen hatte.

Ansah präsentiert sich vom Wirbel unbeeindruckt

Es gebe keine einzige Stimme in seinem Kopf, dass die Medaille bald weg sein könnte, sagte Ansah. Er habe keine Angst, Bronze wieder zu verlieren. „Ich bin im Hier und Jetzt und darauf konzentriere ich mich. Auf die Sachen, die in der Zukunft passieren, da kann ich keinen Einfluss drauf nehmen“, erklärte er. 

Er musste sich in 10,19 Sekunden nur dem britischen Europameister Romell Glave (10,09 Sekunden) sowie dessen Landsmann Jeremiah Azu (10,16 Sekunden) geschlagen geben. Ansah profitierte im Finale auch von einer Verletzung des Titelverteidigers und Tokio-Olympiasiegers Marcell Jacobs aus Italien.

Wegen des Vorwurfs, eine Dopingprobe verweigert zu haben, hat die Nationale Anti Doping Agentur eine vierjährige Sperre gegen den Sportler vom Hamburger SV vorgeschlagen. Der 25-Jährige lehnt das ab und ist derzeit nicht suspendiert, daher durfte er auch bei der EM starten.

Von dem Dopingtest-Wirbel zeigte sich Ansah über 100 Meter unbeeindruckt. Er holte die EM-Medaille eines deutschen Sprinters über 100 Meter seit Stuttgart 1986, als Steffen Bringmann für die DDR Silber bejubelte. Sollte Ansah allerdings nachträglich gesperrt werden, droht ihm die Aberkennung der vorangegangenen Ergebnisse und damit auch der Medaille. Ansah läuft bei der EM noch die 200 Meter, aber startet nicht in den Staffeln.

Hummel zeigt sich „dankbar“ und „glücklich“

Wie Ansah zeigte auch Merlin Hummel mentale Stärke, allerdings auf etwas andere Weise. Der WM-Zweite von Tokio im vergangenen Jahr warf den Hammer im fünften Versuch 81,30 Meter weit und gewann damit seine nächste internationale Plakette. Vollends zufrieden war der Athlet von Eintracht Frankfurt damit aber nicht. „Wenn ich jetzt kritisch sein würde, dann wäre heute mehr drin gewesen“, sagte Hummel nach einem schwierigen Wettkampf, in dem er lange auf eine Topweite warten musste.

Gold wäre für ihn aber selbst bei einem noch besseren Wurf kaum in Reichweite gewesen. Der Titel ging an den Olympia-Zweiten Bence Halasz mit einer überragenden Weltjahresbestleistung von 84,25 Metern, Bronze sicherte sich der Ukrainer Mychaylo Kochan mit 79,49 Metern. Anders als in Tokio, als Hummel Außenseiter war und ihm ein Überraschungserfolg gelang, tat er sich dieses Mal schwerer.

„Ich bin noch sehr, sehr ruhig, aber sehr dankbar auf jeden Fall und sehr glücklich über dieses geile Finale“, sagte Hummel im ZDF. Bereits am ersten Wettkampftag hatten für Deutschland Yemisi Mabry Bronze im Kugelstoßen und Florian Bremm Silber über 5.000 Meter gewonnen.

Hummel: „Extra Fokus aktiviert“

Hummel holte die erste EM-Medaille eines deutschen Hammerwerfers seit 2006, als sich Markus Esser im schwedischen Göteborg Bronze sicherte. Auf das erste Gold eines Hammerwerfers seit Uwe Beyer 1971, der in Helsinki für die DDR gewann, muss Deutschland aber warten.

Hummels Vereinskollege Sören Klose belegte mit 78,13 Metern einen guten sechsten Platz. Der polnische Titelverteidiger Wojciech Nowicki hatte die Qualifikation nicht überstanden.

Dort hatte sich Hummel schon am Montag schwergetan und mit für ihn schwachen 75,49 Metern lediglich den zehnten Rang belegt. Im Finale der besten zwölf Werfer begann er fokussierter und trat bei sommerlichen Temperaturen am Abend auch nicht mehr in einem Trainingsanzug an. Er habe „extra Fokus aktiviert“, betonte Hummel. „Und hat ganz gut geholfen.“

Mit Konzentrationsübung zu Silber

Mit dem ersten Wurf auf 79,08 Meter startete der 24-Jährige gut, doch dann folgten zwei Würfe in das Netz des Wurfkäfigs. 

Zwischendurch hatte Hummel im Schneidersitz noch eine Konzentrationsübung absolviert und meditiert. „Das Feld ist momentan weit offen. Da ist viel möglich. Und da sehen natürlich alle, dass sie da zugreifen wollen. Und da kommen noch mal auch Sachen durch, dass er es mit Gewalt machen will“, sagte Trainerin Klaas.

Im fünften Durchgang fand Hummel seine Lockerheit wieder und brüllte den Hammer auf die Silberweite von 81,30 Metern. Bis auf Halasz, der anschließend die Weltjahresbestleistung warf, hatte die weitere Konkurrenz keine Antwort mehr parat.

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