Autobauer Volkswagen VW im Umbruch: Vorstand erntet heftige Kritik für Sparkurs

Christian Brahmann, dpa
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Von Christian Brahmann, dpa
| 25.08.2026 03:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Blick auf das Tor Sandkamp am Volkswagenwerk - Wohin geht es für Volkswagen? Foto: Stefan Rampfel/dpa
Blick auf das Tor Sandkamp am Volkswagenwerk - Wohin geht es für Volkswagen? Foto: Stefan Rampfel/dpa
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VW steht vor tiefgreifenden Veränderungen und Vorstandschef Blume sieht drastische Einschnitte dabei als unvermeidbar. Der Gegenwind fällt heftig aus.

Volkswagen fährt im Krisenmodus. Der Vorstand sieht den Autobauer in der größten Transformation der Unternehmensgeschichte. Um den Konzern dafür zukunftsfest aufstellen, sind für die Führung Sparmaßnahmen unvermeidbar. Dazu gehört der Abbau von Stellen, den VW-Chef Oliver Blume jeweils zur Hälfte in Deutschland und im weltweiten Konzerngeflecht sieht. 

Aber: Der Betriebsrat, die Gewerkschaft und die Politik teilen viele Einschätzungen nicht. Kann eine Serie von Betriebsversammlungen Ruhe bringen? Beim Auftakt in Wolfsburg sieht es nicht so aus. 

Das Problem: 

Vorstandschef Oliver Blume betont in diesen Tagen immer wieder, dass es sich nicht um ein VW-internes Problem handelt. „Die gesamte Autoindustrie steht unter enormem Druck“, sagt er auch am Dienstag in der Wolfsburger Konzernzentrale. US-Zölle, die Marktentwicklung in China und mehrere politischen Krisen, zählt er zur Lagebeschreibung auf, die alle großen Hersteller und auch Zulieferer treffe.

In dem Wettbewerbsvergleich schlägt sich das Unternehmen nach den Worten Blumes ordentlich. Aber: „Wir müssen Komplexität reduzieren, unsere Strukturen konsequent verschlanken und Kosten senken“, betont er in seiner Rede an die Belegschaft. VW habe „frühzeitig gegengesteuert“ und begonnen, Konzern und Marken neu auszurichten.

Der Konzern ist aus Sicht des Vorstands zwar handlungsfähig, hat aber auch akuten Handlungsbedarf. Dazu verweist Blume auf 3,8 Prozent operative Rendite, die in dieser anspruchsvollen Situation zwar solide seien. „Das reicht aber nicht aus, um unsere Zukunft aus eigener Kraft zu finanzieren“, bekräftigt der VW-Chef. 

Die Pläne:

Bis 2030 hat Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben. 

In diesem Frühjahr legte Blume nach und kündigte an, an einem neuen „Zielbild 2030“ für den Konzern zu arbeiten und dabei auch den Sparkurs deutlich verschärfen zu wollen. Seitdem wird bei VW um Zehntausende zusätzliche Stellen und vier ganze Standorte gebangt. 

Die dabei genannte Zahl von 50.000 bezeichnet Blume als keine „Zielgröße“, sondern eine „theoretische Rechengröße“, die sich aus den Kosten ableiten. Etwa die Hälfte dieses Bedarfs sieht er in Deutschland und die andere weltweit in rund 170 Gesellschaften. 

Mit Blick auf mögliche Werksschließungen in Emden, Zwickau und Hannover sowie bei der Tochter Audi in Neckarsulm spricht Blume Ende Juli von einer letzten Option, die er gern vermeiden möchte. Für die vier Werke gebe es derzeit noch keine „wettbewerbsfähige Belegung“ für die 2030er Jahre. „Unser Ziel ist es, in den nächsten 6 bis 12 Monaten belastbare Perspektiven für alle Standorte zu schaffen“, sagt Blume. 

In Emden und Zwickau, wo VW in den vergangenen Jahren viel Geld in den Umstieg auf Elektromobilität investiert hatte, hat sich Blume für diesen Mittwoch angekündigt. Hannover bildet am 31. August den Abschluss der Reihe.

Zudem will der Vorstand die mehr als 2.000 Beteiligungen und das Modellangebot in den Fokus rücken. „Da müssen wir uns ehrlich fragen: Was stärkt unser Kerngeschäft?“, sagt Blume. Und eine gestraffte Modellpalette bedeutete weniger Komplexität, weniger Aufwand in Entwicklung und Produktion. 

Die Reaktionen: 

Der mächtige Betriebsrat zeigte sich entrüstet und berief außerordentliche Betriebsversammlungen an mehreren Standorten ein. Zum Auftakt in die Reihe am Stammsitz kritisiert Betriebsratschefin Daniela Cavallo den Vorstand um Blume hart. Das Vertrauen insbesondere in den Konzernchef sei beschädigt, sagt Cavallo nach Angaben aus Teilnehmerkreisen im Stammwerk. „Mit einem CEO, der seinen Leuten nicht sagt, was ist, lässt sich nicht arbeiten“, schimpft sie über die bisherige Kommunikation rund um geplante Sparmaßnahmen.

Mit Blick auf 50.000 Jobs spricht Cavallo von einer plakativen Zahl, die bei der Börse immer gut ankomme. Es gebe dazu aber keine Erklärungen, welche Schwerpunkte es geben müsse und welche Marken, Regionen und Gesellschaften im Fokus liegen dürften. „Nein, das alles sagt man nicht“, kritisiert Cavallo den Angaben zufolge. Sie habe dafür Applaus von deutlich mehr als 10.000 Beschäftigten erhalten. 

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) betont zuletzt mehrfach, dass Fabrikschließungen keine Option seien. Die Größe des Konzerns sei vielmehr eine Chance, sagt der Regierungschef, der aufgrund seines Amts im VW-Aufsichtsrat sitzt. Das Land Niedersachsen hält 20 Prozent der Stimmrechte an Europas größtem Autobauer. Lies spricht sich zudem dafür aus, Wachstumspotenziale vor allem im E-Mobilitätsmarkt zu nutzen. Eine Möglichkeit sei auch die Produktion für die Rüstung, um phasenweise die Auslastung von Werken sicherzustellen.

Branchenexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) erwartet einen „heißen Herbst“ bei Volkswagen. Aber auch von den kommenden Betriebsversammlungen sei für ihn nicht viel Klarheit zu erwarten. „Im Aufsichtsrat werden die strategischen Entscheidungen getroffen“, sagt Bratzel. Die nächste Sitzung dieses Gremiums steht im September an.

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