Konjunktur Deutsche Wirtschaft wächst stärker - Staat tief im Minus
Die deutsche Wirtschaft bleibt trotz aller Krisen robust und wächst im dritten Quartal in Folge. Kommt der lange erhoffte Aufschwung - auch dank staatlicher Milliardeninvestitionen - endlich in Fahrt?
Die deutsche Wirtschaft sendet mit einem erneuten Mini-Wachstum im Frühjahr ein Lebenszeichen inmitten aller Krisen. Im Zeitraum April bis Juni legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit 0,3 Prozent zum Vorquartal etwas stärker zu als zunächst berechnet, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Europas größte Volkswirtschaft ist somit drei Quartale in Folge gewachsen.
„Wie schon im ersten Quartal ging der Anstieg vor allem auf die gute Exportentwicklung zurück“, sagte die Präsidentin des Statistischen Bundesamtes, Ruth Brand. Insgesamt wurden 2,0 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als im ersten Quartal 2026. Dagegen legten sowohl die privaten als auch die staatlichen Konsumausgaben mit jeweils 0,1 Prozent nur leicht zu. Die Investitionen etwa in Maschinen und Fahrzeuge sanken.
Defizit steigt deutlich
Der Dürre-Sommer bringt neue Probleme für Unternehmen und Verbraucher. Und die finanziellen Herausforderungen für den Staat bleiben gewaltig: In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres gab der Staat 71,3 Milliarden Euro mehr aus als er einnahm. Das staatliche Defizit war damit um 36,6 Milliarden Euro höher als im Vorjahreszeitraum.
Bezogen auf die Wirtschaftsleistung lag das Defizit von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung im ersten Halbjahr 2026 bei 3,1 Prozent, wie das Bundesamt auf Basis vorläufiger Daten errechnete. Das ist etwas mehr als die 3,0 Prozent, die europäische Vorgaben zum Haushaltsdefizit erlauben.
Wirtschaft hält sich wacker trotz Iran-Krieg
Zuletzt mehrten sich die Anzeichen, dass die deutsche Wirtschaft langsam an Fahrt gewinnt - getragen von starken Exporten, hohen Unternehmensgewinnen und einer Belebung am Bau, wo wieder deutlich mehr Wohnungen genehmigt werden. Auch die Stimmung in den Unternehmen hellt sich auf. Achim Wambach, Präsident des Mannheimer Forschungsinstituts ZEW, sprach jüngst von einem „positiven Trend in den Erwartungen“.
Einige Ökonomen korrigierten ihre Konjunkturprognosen nach oben. Nachdem die deutsche Wirtschaft bereits im ersten Quartal mit 0,4 Prozent kräftiger zulegte als erwartet, trauen einige Fachleute der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr etwa ein Prozent Wachstum zu. Das wäre zwar noch kein fulminanter Aufschwung, aber deutlich mehr als die 0,2 Prozent Plus 2025 nach zwei Jahren mit schrumpfender Wirtschaftsleistung.
Niedrigwasser bremst Erholung aus
Während die Milliarden-Ausgaben der Bundesregierung für Infrastruktur und Verteidigung die Konjunktur stützen, birgt das Rekord-Niedrigwasser am Rhein allerdings das nächste Risiko: Da der Warentransport über das Wasser stockt, wird die Produktion in manchen Branchen wie der Chemieindustrie gedämpft.
„Im dritten Quartal dürften die Folgen der niedrigen Pegelstände auf wichtigen Wasserstraßen die Erholung der deutschen Wirtschaft vorübergehend ausbremsen“, prognostizierte jüngst die Bundesbank. Die Wirtschaft dürfte von Juli bis September demnach „allenfalls noch leicht zulegen“.
Von einer Krise in die nächste
Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Zoll-Streit, Iran-Krieg und nun das Niedrigwasser: Seit 2020 reiht sich eine Krise an die andere. Immer wieder gerät der erhoffte Aufschwung der deutschen Wirtschaft in Stocken.
Doch es gibt Lichtblicke: Im Juni lieferten deutsche Unternehmen Waren im Rekordwert von 139,3 Milliarden Euro ins Ausland - und das trotz höherer Zollhürden im wichtigen US-Markt. Es war bereits der fünfte Monat in Folge mit einem Wachstum für die deutschen Exporteure, die von starken Geschäften in Europa profitieren.
Iran-Konflikt und kein Ende
Hohe Energiepreise bleiben jedoch eine Belastung für Unternehmen und Verbraucher. Nach Auslaufen des Tankrabatts stieg die Inflationsrate im Juli direkt um 0,5 Prozentpunkte auf 2,8 Prozent.
In den nächsten Monaten könnte die Teuerung weiter anziehen. Denn der Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist nach wie vor ungelöst und die für den weltweiten Öl- und Gashandel wichtige Straße von Hormus faktisch blockiert. Die fragile Lage bleibt eine Belastung für die von Rohstoffimporten abhängige deutsche Wirtschaft.
Lebt Deutschland über seine Verhältnisse?
Auch bei den Staatsfinanzen bleibt die Lage angespannt. Weil der Staat schuldenfinanziert Milliarden in Straßen, Schienen und Verteidigung steckt, erwarten Experten, dass die Defizitquote von 2,7 Prozent im vergangenen Jahr auf mehr als vier Prozent 2027 steigen wird.