Lesermeinung Freibad | Militärhafen | Teekultur

| 27.08.2026 13:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
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Bei der OZ reden die Leserinnen und Leser mit. Hier haben wir Leserbriefe der vergangenen Zeit gesammelt.

Freibad-Forderung nicht seriös

Der Artikel bestätigt sehr schön mit aktuellen Zahlen, was schon 2015 die Beratungsfirma Constrata ermittelte: Bei maximal 25 besucherstarken Sonnentagen entfallen 25-30 % der gesamten Unterhaltskosten allein auf den viermonatigen Freibadbetrieb. Ein Parallelbetrieb von Hallen- und Freibad ist aktuell personell nicht realisierbar. Bundesweit bleibt fast jede zehnte Stelle in Bädern unbesetzt – wer soll ein zweites Bad betreiben? Die Kausalkette „fehlende Schwimmkompetenz – Badeunfälle – neues Freibad zur Schwimmausbildung“ wirkt sehr bemüht. Schwimmen lernt man ganzjährig im bereits vorhandenen, modernen Hallenbad (2019). Sinnvoller wären vergünstigte Eintrittspreise für Schulen und Vereine, die sich Badbesuche zunehmend nicht mehr leisten können, obwohl sie maßgeblich zur Schwimmkompetenz der Bevölkerung beitragen. Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Sinkflug. Entsprechend verzeichneten die deutschen Kommunen 2025 mit knapp 32 Milliarden Euro das höchste Finanzierungsdefizit seit der Wiedervereinigung. Der Schuldenberg wächst auch in Leer. In dieser Situation ein freiwilliges Millionenprojekt zu fordern, ohne einen Finanzierungsvorschlag zu machen, ist da nicht seriös, sondern reiner Populismus und Wahlkampf auf Pump. Wer Freibad-Flair will, sollte auf einen Natur- oder Badesee setzen: Bau- und Betriebskosten liegen weit unter denen eines Chlorbads. Ein Naturbad wäre eventuell realisierbar – eher jedenfalls als ein Wahlversprechen ohne Deckung.

Harbert Freesemann

Leer

Aus Kriegen wenig gelernt

Wessen Hoffnung auf einen Militärhafen nährt wohl eine Politikerin, die auch für einen passenden „Nickname“ bekannt ist? Dass eine IHK-Veranstaltung in den ehrwürdigen Mauern der ehemaligen Großen Kirche, der Moderkeerk, stattfindet, erscheint mir höchst problematisch — gerade an einem Ort, der durch Krieg und Rüstungsproduktion vor mehr als 60 Jahren selbst schwer getroffen wurde. Die Zurückhaltung von Herrn Kruithoff als amtierendem Oberbürgermeister und OB-Kandidaten ist vor diesem Hintergrund verständlich, denn er wird sich kaum mit den Stimmen vieler friedliebender Bürgerinnen und Bürger überwerfen wollen. Zugleich hat die Verwaltung mit der maritimen Konferenz bereits eine Position bezogen. Umso erstaunlicher ist es, dass rüstungsaffine Teile von Gesellschaft und Politik offenbar wenig aus den Erfahrungen zweier verheerender Kriege gelernt haben. Der Rysumer Nacken könnte stattdessen Ort von Projekten sein, die Ostfriesland stärken und dem Frieden dienen.

Edgar Boomgaarden

Emden

Kritik an Teekultur

Wie schön, dass die Universität Oldenburg sich nun auch der ostfriesischen Teekultur annimmt. Während der normale Ostfriese seinen Tee trinkt, um in der Vergangenheit das brackige Wasser überhaupt genießbar zu machen, belehren uns die Kollegen aus Oldenburg, wir gingen zu unkritisch mit der kolonialen Herkunft um. Ein offener Brief mit dem Titel „Drei Tassen Tee ist Ostfriesenrecht!?“ – da fühlt man sich gleich richtig verstanden. Es ist ja auch praktisch: Früher haben die Oldenburger Grafen schon mal die Hand nach Ostfriesland ausgestreckt, ohne es je zu schaffen. Heute versucht man es offenbar auf akademischem Wege. Und während wir uns fragen, ob die großen ostfriesischen Teehandelshäuser eigentlich fair gehandelten Tee verkaufen – was der normale Ostfriese ohnehin schwerlich beeinflussen kann – wird uns ein mahnender Zeigefinger entgegengestreckt, der in diese Zeit wirklich nicht mehr passt. Nun sind wir Ostfriesen eben freie Friesen und lassen uns nur ungern gerade von den Oldenburgern irgendetwas erklären. Diejenigen, die den Tee auch gerne täglich zu sich nehmen, werden dies auch weiterhin ohne schlechtes Gewissen tun und ihre Tee-Tradition hochhalten. Manchmal ist eine Tasse Tee eben nur eine Tasse Tee.

Peter Groeneveld

Westoverledingen

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Vielleicht ein Perspektivwechsel

Als Angehöriger derselben Boomer-Generation möchte ich Herrn Ewert einen kleinen Perspektivwechsel anbieten – ganz ohne therapeutischen Anspruch. Therapie ist schließlich etwas mehr, als einem Menschen zu erklären, er solle sein Problem einfach anders betrachten. Wer in den 1970er- oder 1980er-Jahren Ausbildung oder Studium begann, konnte von Bedingungen profitieren, die wir heute gern vergessen: weitgehend gebührenfreie Hochschulen, ein ausgebauter öffentlicher Bildungssektor, vergleichsweise erschwinglicher Wohnraum und zeitweise ein BAföG, das stärker als heute als gesellschaftliche Investition verstanden wurde. Auch Kindern aus Familien ohne großes Vermögen sollte der Bildungsaufstieg möglich sein. Natürlich wohnten Studenten damals bescheidener. Wir jobbten, lebten in WGs und fuhren nicht alle nach München. Dieser Boomer-Satz stimmt also durchaus: Es hat uns nicht geschadet. Merkwürdig wird er erst, wenn daraus folgt, die nächste Generation müsse sich eben mit schlechteren Bedingungen arrangieren. Man kann jungen Menschen auch Doppelzimmer, Hotel Mama und Emden empfehlen. Man könnte allerdings ebenso fragen, warum eine reiche Gesellschaft es nicht mehr schafft, bezahlbaren Wohnraum dort bereitzustellen, wo sie ihre Hochschulen betreibt. Das wäre vielleicht sogar ein Perspektivwechsel.

Rudi Steiner

Emden

Kein „Weiter so“

„Wer mehr Müll verursache, der solle mehr bezahlen, als jemand, der wenig Abfall hinterlässt“, so wird Klaus Anneken in der OZ vom 25.07.2026 zitiert. So weit so gut. Doch wird hier nicht mit zweierlei Maß gemessen? Täglich werden Müllberge an den Kleidercontainern im Stadtgebiet von Leer eingesammelt und abgefahren. Dies jedoch auf Kosten der Allgemeinheit. Lädt das nicht zur „günstigen Entsorgung“ ein? Wo bleibt da das Verursacherprinzip? Eher werden diejenigen, die ihren Sperrmüll, auch bei kleineren Mengen, selber in Breinermoor abgeben, kräftig zur Kasse gebeten. Andere Orte in Ostfriesland bauen bereits Container wegen Vermüllung ab – so in Emden laut OZ vom 25.07.2026. Doch in Leer hält man durch und möchte „den Service“ weiterhin bieten – den Service, weiterhin den Müll an den Containern auf Kosten der Allgemeinheit abzufahren? Nein, Herr Anneken, ich verstehe den Service nicht mehr und möchte ihn nicht mehr tragen. Ich empfinde dieses Vorgehen von einigen Mitbürgern inzwischen als Zumutung und fordere die Stadt Leer auf, nach Lösungen zu suchen. Ein „Weiter so“ kann es auch im Sinne der Mehrheit verantwortungsvoll handelnder Bürger nicht mehr geben.

Sabine Ahsendorf

Leer

Wozu brauchen wir Grenzen?

Der Artikel macht einen entscheidenden Denkfehler: Er setzt politische Grenzen mit der Begrenzung menschlicher Bewegungsfreiheit gleich. Ja, Staaten brauchen Zuständigkeiten. Es muss klar sein, welches Recht gilt, wer Steuern erhebt und wer politische Verantwortung trägt. Aber daraus folgt nicht, dass Menschen an diesen Grenzen aufgehalten werden müssen. Auch Emden hat eine Stadtgrenze. Niedersachsen hat eine Landesgrenze. Niemand käme auf die Idee, daraus Passkontrollen zwischen Emden und Leer abzuleiten. Grenzen können Verwaltungsräume markieren, ohne Barrieren zu sein. Europa beweist das längst. Deutschland und die Niederlande sind weiterhin souveräne Staaten mit unterschiedlichen Gesetzen, Steuern und Sozialsystemen. Trotzdem kann man die Grenze vielerorts überqueren, ohne sie überhaupt zu bemerken. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht: Brauchen wir Grenzen? Sondern: Wozu brauchen wir sie? Zur Regelung politischer Zuständigkeit – selbstverständlich. Als Instrument, das Menschen nach ihrem zufälligen Geburtsort unterschiedliche Bewegungsrechte zuweist – darüber muss man streiten. Vögel zahlen keine Steuern. Richtig. Aber das ist kein Argument für Schlagbäume. Politische Verantwortung braucht Zuständigkeit. Zuständigkeit braucht keine Abschottung.

Rudi Steiner

Emden

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