Frau am Freitag Ist die Gen Z zu erwachsen?
Wenig Alkohol, viel Selbstkontrolle: Viele junge Menschen leben bewusster als frühere Generationen. Die Frau am Freitag fragt sich, was verloren geht, wenn Leichtigkeit und Unfug fehlen.
Kein Alkohol, Nichtraucher, wenig Party: So lebt offenbar ein großer Teil der Gen Z, also grob gesagt der Jahrgänge zwischen 1995 und 2010. Das ist vernünftig und gesund, findet die Frau am Freitag, die übrigens zur Generation der Millennials gehört. Es ist aber auch ein kleines bisschen traurig.
Das soll kein Aufruf zum Besäufnis sein. Niemand braucht Filmrisse für die persönliche Entwicklung. Aber wenn wir früher gefeiert haben, wurde selten darüber nachgedacht, ob das Verhalten gerade gesundheitsschädlich ist oder andere schwerwiegende Folgen haben könnte. Die Pläne, die wir hatten, reichten oft nur bis zur nächsten Abfahrtszeit der Nachteule – das war der Bus, der uns nachts von der Disco nach Hause brachte.
Vor allem mussten wir keine Angst haben, dass in den nächsten Minuten peinliche Fotos von uns im Internet landen. Wer sich blamierte, tat das höchstens vor den Anwesenden – und mit etwas Glück hatten die am nächsten Morgen selbst genug damit zu tun, ihre Würde wiederzufinden.
Ein bisschen mehr Unfug und Impulsivität
Natürlich haben auch wir über ernste Dinge gesprochen. Aber die schwebten nicht so omnipräsent im Raum wie heute: Klima, Krieg, Mieten, Inflation, Leistungsdruck, digitale Dauerbeobachtung – wie soll man da noch unbeschwert Unsinn machen? Junge Menschen heute wirken oft, als müssten sie sich selbst von außen managen: bewusst leben, achtsam sein und sich selbst optimieren. Früher gab es vielleicht Gruppenzwang auf dem Schulhof, heute kommt er übers Handy bis in die eigenen vier Wände.
Vielleicht wirken viele junge Menschen deshalb so erwachsen, weil sie es sein müssen. Die Frau am Freitag weiß, dass das alles klingt wie: Früher war mehr Lametta. Und selbstverständlich war nicht alles besser. Es braucht keine Mutproben oder Komasaufen und schon gar keine miesen Ex-Freunde, die man heute mit gutem Recht toxisch nennen würde.
Aber ein bisschen mehr Leichtigkeit würde man der jungen Generation trotzdem gönnen. Ein bisschen mehr Unfug und Impulsivität ohne Rechtfertigungsdruck. Nicht Dummheit um der Dummheit willen – nur diese wunderbare, kurze Lebensphase, in der man noch nicht bei allem sofort an die Folgen denken muss. Denn erwachsen sein – kann man noch früh genug.