Im Krankenhaus gestorben „Eine ganze Nation trauert“: Norwegens König Harald ist tot

Julia Wäschenbach, dpa
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Von Julia Wäschenbach, dpa
| 28.08.2026 08:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
König Harald V. von Norwegen ist tot. (Archivbild) Foto: Thomas Fure
König Harald V. von Norwegen ist tot. (Archivbild) Foto: Thomas Fure
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Norwegen hat sein beliebtes Staatsoberhaupt verloren: Nach Jahren mit Krankheiten ist König Harald V. gestorben – und hinterlässt eine Monarchie in unsicheren Zeiten. In Oslo trauern Tausende.

In tiefer Trauer gedenken die Norwegerinnen und Norweger auf dem Schlossplatz ihres Königs. Viele haben Tränen in den Augen, als sie nach der Nachricht vom Tod Haralds V. Blumen niederlegen. Um 6.35 Uhr war der 89-Jährige im Reichskrankenhaus friedlich und für immer eingeschlafen, wie das Königshaus mitteilte. Den Thron erbt Haralds Sohn Haakon, der wie weitere Familienmitglieder am Krankenbett gewacht hatte.

Bereits seit Anfang vergangener Woche hatte Harald im Krankenhaus gelegen. Wegen der Bluterkrankung hämolytische Anämie - einer Form der Blutarmut - war er mit Kortison behandelt worden, was zu einer Flüssigkeitsansammlung im Körper geführt hatte. Anschließend zog er sich zusätzlich eine bakterielle Infektion des Blutkreislaufs zu.

Seit Donnerstagmorgen weilte der engere Kreis der Königsfamilie eng an Haralds Seite. Vor dem Reichskrankenhaus versammelten sich Dutzende Medienvertreter, am Morgen wurde Haralds Frau, Königin Sonja, bei der Anfahrt fotografiert - und wenig später verschickte der Hof die Todesmeldung. Die Internetseite des Königshauses zeigte nur noch ein Bild von Harald vor schwarzem Hintergrund, die Flagge am Schloss wurde auf halbmast gesetzt.

Die Menschen in Oslo trauerten um ihren König. Foto: Lise Åserud/NTB/dpa
Die Menschen in Oslo trauerten um ihren König. Foto: Lise Åserud/NTB/dpa

„Er war ein großartiger König“, sagte eine Norwegerin der Deutschen Presse-Agentur auf dem Schlossplatz. „Es ist eine harte Zeit für alle.“ Eine andere Passantin sprach von einem „Schock“. Sie habe die Nachricht am Morgen im Bus aus dem Radio erfahren - und angefangen, zu weinen. Darauf sei niemand vorbereitet, sagte sie. Schnell bekundeten auch zahlreiche Politikerinnen und Politiker sowie die benachbarten Monarchien ihr Beileid.

Trauer auch in anderen Monarchien

„Eine ganze Nation trauert, und das norwegische Volk ist zugleich zutiefst dankbar für ein langes Leben im Dienste Norwegens“, sagte der norwegische Regierungschef Jonas Gahr Støre. „Mehr als drei Jahrzehnte lang demonstrierte Harald V. als Monarch ein unerschütterliches Vertrauen in das norwegische Volk. Er half uns, das Beste in uns selbst und ineinander zu sehen.“

Gesundheitlich war der norwegische König schon lange angeschlagen. Seit 2024 war er etwa dauerhaft auf einen Herzschrittmacher angewiesen. Außerdem hatte er häufig mit Atemwegs-Erkrankungen zu tun. Im Februar war der Monarch während eines Urlaubs auf Teneriffa mit Sonja wegen einer Infektion ins Krankenhaus gekommen. Auch das Gehen fiel ihm seit längerer Zeit schwer. 

Harald war bereits 1991 zum König geworden. (Archivbild) Foto: Terje Bendiksby
Harald war bereits 1991 zum König geworden. (Archivbild) Foto: Terje Bendiksby

Den Thron vorzeitig seinem Sohn Haakon zu überlassen, war für Harald trotzdem nicht infrage gekommen. Seine royalen Pflichten absolvierte er bis zuletzt. „König Haralds Lebensgeschichte ist außergewöhnlich“, sagte der schwedische König Carl XVI. Gustaf. „Über all die Jahre war der König für mich, meine Familie und für Schweden ein guter Freund.“ 

Dänemarks König Frederik X. und Königin Mary veröffentlichten einen Brief an den neuen König Haakon: „Lieber Haakon, mit großer Trauer haben wir vom Tod deines Vaters, Seiner Majestät König Harald, erfahren. Dein Vater hat für meine Mutter und für uns eine große Bedeutung gehabt. Onkel Harald konnte mit seiner herzlichen Art und seiner unerschütterlichen Ruhe jeden in seiner Gegenwart beruhigen. Er war ein feiner Mensch mit einem Lächeln in den Augen und einem großen Herzen.“

Beliebt bei den Norwegern

Seine Landsleute schätzten König Harald V. für seine zurückhaltende Art - und dafür, dass er klare Kante zeigen konnte, wenn es darauf ankam. Seine Reden waren oft geprägt von Mitmenschlichkeit und Taktgefühl. So tröstete er die Norweger nach den Terroranschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya 2011. Nach der Flüchtlingskrise positionierte er sich mit einem Plädoyer für Vielfalt und Toleranz als besonnener Mahner. Beliebt war der Monarch auch wegen seines trockenen Humors. Er galt als begeisterter Segler und Wintersportler.

Harald V. war bei den Norwegerinnen und Norwegern höchst beliebt. (Archivbild) Foto: Terje Pedersen
Harald V. war bei den Norwegerinnen und Norwegern höchst beliebt. (Archivbild) Foto: Terje Pedersen

Den Thron hatte Harald 1991 nach dem Tod seines Vaters Olav V. bestiegen. Seine große Liebe Sonja heiratete er schon 1968 - obwohl sein Vater lange mit der Beziehung seines Sohnes zu einer Bürgerlichen gehadert hatte. Bei seinen eigenen Kindern war Harald toleranter: Auch sein Sohn Haakon heiratete mit Mette-Marit eine ganz normale Norwegerin. Seine Tochter Märtha Louise ist inzwischen in zweiter Ehe mit dem selbst ernannten Schamanen Durek Verrett verheiratet.

Unsichere Zukunft für die norwegische Monarchie

Ohne Harald V. ist unsicher, wohin die norwegische Monarchie steuert. Denn während der König in seinem Land enormen Rückhalt genoss, haben Skandale das Vertrauen in die Kronprinzenfamilie zuletzt stark erschüttert. Kronprinzessin Mette-Marit war wegen ihrer engen Freundschaft zu dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in die Kritik geraten. Nach dem Tod des Königs wird die 53-Jährige laut Aussagen von Verfassungsrechtlern nicht automatisch Königin - die Entscheidung über ihre Rolle obliegt dem neuen König Haakon. 

Mette-Marits ältester Sohn Marius Borg Høiby aus einer früheren Beziehung wurde im Juni unter anderem wegen zwei Vergewaltigungen nach norwegischem Recht zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Viele Norweger sind seitdem unsicher, ob Mette-Marit wirklich das Zeug zu einer Königin hat.

Der neue König Haakon mit seiner Frau Mette-Marit. (Archivbild) Foto: Jens Kalaene
Der neue König Haakon mit seiner Frau Mette-Marit. (Archivbild) Foto: Jens Kalaene

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