Mode Shoppingplattform Shein rutscht beim Börsendebüt ins Minus

Johannes Neudecker und Christian Rothenberg, dpa
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Von Johannes Neudecker und Christian Rothenberg, dpa
| 01.09.2026 04:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Shein ist bekannt für besonders günstige Mode. Foto: Chan Long Hei/AP/dpa
Shein ist bekannt für besonders günstige Mode. Foto: Chan Long Hei/AP/dpa
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Shein ist für günstige Mode bekannt, wird dafür aber auch kritisiert. In Hongkong feiert die Shoppingplattform nun ihr Börsendebüt. Wie dieser in der Fachwelt bewertet wird.

Im Laufschritt hatte Shein die Online-Modewelt umgekrempelt und bekannte Marken in den Schatten gestellt. Nach langem Warten und gescheiterten Versuchen hat die Shoppingplattform nun ihren lange erwarteten Gang an die Börse in Hongkong hingelegt - allerdings mit einem deutlichen Minus. Zum Handelsbeginn in der Finanzmetropole rutschte Sheins Aktie zeitweise rund acht Prozent unter den Ausgabepreis von 48,56 Hongkong-Dollar (etwa 5,34 Euro).

Das in China gegründete Unternehmen, das zwischen 2021 und 2022 seinen Sitz nach Singapur verlagert hatte, hatte zuvor schon an den Finanzplätzen London und New York versucht, an die Börse zu gehen. Berichten zufolge scheiterte das Vorhaben jedoch am Widerstand Pekings. 

Shein versuchte schon länger an die Börse zu kommen. Foto: Chan Long Hei/AP/dpa
Shein versuchte schon länger an die Börse zu kommen. Foto: Chan Long Hei/AP/dpa

Weit von Spitzenbewertung entfernt

Seit den Querelen um den Börsengang ist der Hype um den Onlinehändler unter Investoren spürbar zurückgegangen. Bei früheren privaten Finanzierungsrunden wie 2022 war Shein noch mit fast 100 Milliarden US-Dollar (derzeit rund 86,2 Mrd Euro) bewertet worden. Vor dem Handelsstart hatte das Unternehmen laut Börsenprospekt eine Bewertung von 210,2 Milliarden Hongkong-Dollar (derzeit etwa 23,1 Mrd Euro) angestrebt. Am Ende landete Shein nun leicht darunter. 

Seit der Spitzenbewertung vor einigen Jahren hat sich für das Geschäft einiges geändert. Im Vorfeld des Börsengangs legte das Unternehmen einen Verlust von 99 Millionen US-Dollar in den ersten drei Monaten dieses Halbjahres offen. 

Was Shein Probleme bereitet

Sheins Geschäftsmodell basiert darauf, Mode von den Herstellern in China direkt per Luftfracht an die Kunden in alle Welt zu verschicken. Mit dem Konflikt im Nahen Osten stiegen jedoch die Transportkosten, und die Nachfrage in der Region brach ein. Außerdem sorgten neue Zollregelungen in den wichtigen Märkten USA und Europa dafür, dass auch die Einfuhr von Paketen mit geringem Warenwert besteuert wird. 

Marktexperten beobachten deshalb genau, wie viel Wachstumspotenzial Shein unter diesen Bedingungen noch hat. Nach eigenen Angaben hatte das 2012 gegründete Unternehmen Stand 2025 geschätzt 273 Millionen aktive Kunden in etwa 160 Ländern. 

Welche Auswirkungen Experten für Verbraucher erwarten

Shein galt einst als sogenannter Disruptor, also ein Unternehmen, das traditionelle Mechanismen der Modebranche radikal verändern könnte. Das scheint sich laut Experten geändert zu haben. Die Börse bepreise Shein wie einen ganz normalen europäischen Modehändler, sagte E-Commerce-Experte und -Unternehmer Alexander Graf. Das Spannendste aus seiner Sicht: Shein bringe nur einen Mini-Anteil an die Börse. „Der eigentliche Zweck ist die Bereinigung der Bilanz.“ 

Asiatische Shopping-Plattformen werden in Europa beliebter. (Archivbild) Foto: Oliver Berg
Asiatische Shopping-Plattformen werden in Europa beliebter. (Archivbild) Foto: Oliver Berg

Die Folge für Kunden? „Die Ära der künstlich billigen China-Pakete geht mit dem Ende der Zollfreigrenzen zu Ende“, sagte der Experte. Ohne diese Zollvorteile wird es laut Grafs Einschätzung für Verbraucher in Zukunft etwas teurer. Einen trüben Ausblick hat er allerdings für europäische Händler. Ein börsengelistetes Shein ohne Wachstumsdruck und mit vollen Kassen könnte sich ganz auf Marge und den europäischen Ausbau konzentrieren, sagte Graf. 

Kritik und Forderungen an die Politik

Hoffnung auf mehr Fairness seitens Shein hat dagegen der Handelsverband Deutschland (HDE). Bisher sei dies im Wettbewerb mit Shein nicht der Fall, sagte der stellvertretenden Hauptgeschäftsführer, Stephan Tromp. Das Unternehmen halte sich in vielen Fällen nicht an die hierzulande gültigen Regelungen. Tromp hält deshalb eine positive Auswirkung durch den Börsengang für möglich. „Denn mit der Notierung an der Börse erwarten die Anleger, dass alle Pflichten und Regeln eingehalten werden.“ 

Sheins Erfolgsmodell, das vielen Kunden Mode zu besonders niedrigen Preisen verfügbar macht, stößt schon länger auf Kritik. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht den Börsengang kritisch. „Das Ultra-Fast-Fashion-Geschäftsmodell auf Kosten von Umwelt und Gesundheit darf keine Zukunft haben - erst recht nicht an der Börse“, sagte Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. 

Sheins Produkte standen nach Untersuchungen in der Kritik. (Archivbild) Foto: Sina Schuldt
Sheins Produkte standen nach Untersuchungen in der Kritik. (Archivbild) Foto: Sina Schuldt

Die Organisation fordert die Politik zum Handeln auf. „Bundesumweltminister Carsten Schneider muss das geplante Textilgesetz deshalb zu einem echten Anti-Fast-Fashion-Gesetz machen.“ Überproduktion, Ressourcenverschwendung und Geschäfte auf Kosten von Umwelt und Gesundheit dürften sich nicht länger rechnen. Schneider hatte im Frühjahr Eckpunkte für das Textilgesetz vorgestellt. Bekleidungshersteller sollen demnach künftig für Sammlung und Entsorgung auch finanziell geradestehen.

Asiatische Plattformen auf dem Vormarsch

Auf Shein verkaufte Kleidung ist zum Teil stark mit Chemikalien belastet, wie im Juni aus Untersuchungen des Bremer Umweltinstituts im Auftrag der DUH hervorging. 7 von 18 getesteten Kleidungsstücken verstießen demnach gegen EU-Grenzwerte. „Wir nehmen die von der DUH vorgebrachten Vorwürfe sehr ernst“, erklärte Shein damals auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Auch andere Online-Billigplattformen fielen bei Tests negativ auf.

Asiatische Shoppingplattformen gewannen in Deutschland zuletzt weiter an Bedeutung. Auf Anbieter wie Temu, Shein und AliExpress entfielen im zweiten Quartal nach Angaben des Branchenverbandes Bevh 5,3 Prozent der Onlinehandelsumsätze - ein Rekordwert. Zwischen April und Juni steigerten die Portale ihre Erlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 20 Prozent auf gut 1,1 Milliarden Euro.

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