Krise bei Autobauer Jaguar Land Rover muss sparen: 4.000 Stellen fallen weg
Europas Automobilindustrie stemmt sich gegen den Niedergang. Reformen sollen die Unternehmen wieder auf Kurs bringen. Nun kündigt auch der britische Autobauer Jaguar Land Rover heftige Einschnitte an.
Nicht nur in Deutschland stecken Autobauer in der Krise: Der britische Hersteller Jaguar Land Rover hat ein umfangreiches Sparpaket mit erheblichen Stellenstreichungen angekündigt. Etwa 4.000 Jobs sollen in den kommenden zwei Jahren wegfallen, wie das Unternehmen mitteilte. Insgesamt will der Autohersteller durch die Maßnahmen etwa 1,7 Milliarden Pfund (umgerechnet knapp 2 Mrd Euro) einsparen.
Jaguar Land Rover ist der größte Fahrzeugbauer Großbritanniens. Weltweit beschäftigt das Unternehmen, eine Tochter des indischen Autoherstellers Tata Motors, der BBC zufolge etwa 43.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die meisten davon in Großbritannien. „Wir sind uns bewusst, dass dies für unsere betroffenen Kollegen eine schwierige Nachricht sein wird“, teilte Unternehmenschef P.B. Balaji in der Erklärung mit.
Wie viele andere europäische Autobauer kämpft das Unternehmen unter anderem mit steigenden Kosten, sinkenden Verkaufszahlen und einer stärker werdenden Konkurrenz etwa aus China. Jaguar, bekannt für die ikonische Kühlerfigur, und Land Rover waren 2013 zusammengeschlossen worden.
Milliardenverluste durch Cyberangriff
Laut CEO Balaji, der noch kein Jahr im Amt ist, treffen die Stellenkürzungen die weltweite Belegschaft. Welche Bereiche von den Kürzungen betroffen sind, führte er allerdings nicht aus. Britischen Medienberichten zufolge sind Produktionsmitarbeiter nicht primär betroffen. Allen voran Beschäftigte im Bereich der Forschung und Entwicklung sowie Mitglieder des Managements sollen laut den Berichten die Möglichkeit erhalten, das Unternehmen im Rahmen eines Abfindungsprogramms freiwillig zu verlassen.
„Die Automobilindustrie steht vor erheblichen Herausforderungen, darunter der technologische Wandel inmitten eines intensiven Wettbewerbs und andauernder geopolitischer Unsicherheit“, so Balaji. Das Unternehmen gehe jedoch mit seiner Strategie „Growth Reimagined“ (übersetzt in etwa: Wachstum neu gedacht) „entschlossene Schritte, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und das Unternehmen für langfristigen Erfolg zu positionieren“. Zur Strategie gehört demnach auch ein Fokus auf die Absatzmärkte in Nordamerika.
An diesem Dienstag findet der Nachrichtenagentur PA zufolge ein Treffen der Unternehmensführung mit Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds statt. Das Ziel sei es, die Verluste von Arbeitsplätzen so weit wie möglich einzudämmen, hatte Reynolds bereits am Wochenende der BBC gesagt. Staatliche Rettungshilfen soll es allerdings nicht geben.
Neben den für viele Autobauer bestehenden Problemen wie hohen Energiekosten, starker Konkurrenz und US-Zöllen machte dem Unternehmen zuletzt auch ein massiver Cyberangriff zu schaffen. Im vergangenen Jahr legte dieser die Produktion von Jaguar Land Rover wochenlang lahm. Das verursachte Milliardenverluste bei dem Autobauer, die britische Regierung half mit der Garantie für einen Milliardenkredit aus.
Auch deutsche Autobauer in der Krise
In ganz Europa kämpfen Autobauer derzeit mit starken Umsatzrückgängen, darunter auch der deutsche Konzern Volkswagen. Erst jüngst gab der VW-Aussichtsrat grünes Licht für den Abbau von 50.000 weiteren Stellen weltweit - zusätzlich zu bereits vereinbarten Einsparungen von konzernweit 50.000 Stellen bis 2030. Ende 2025 hatte der Konzern weltweit knapp 663.000 Beschäftigte, davon etwa 284.000 in Deutschland.
Darüber hinaus stehen vier Werke derzeit auf der Kippe. Für die Standorte Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm könne keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gestaffelt ab den Jahren 2031 bis 2034 gewährleistet werden, teilte der Konzern zuletzt mit.
Auch andere Autobauer wie BMW kündigten zuletzt Stellenstreichungen an. Betroffen sind zudem Zulieferer wie Bosch und ZF in Deutschland. In der deutschen Autoindustrie schwinden die Arbeitsplätze derzeit schneller als in jeder anderen Industriebranche, wie das Statistische Bundesamt zuletzt mitgeteilt hatte.